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StartseiteCampus & KarriereStudieren im Schonraum26.11.2008

Studieren im Schonraum

Das European College of Liberal Arts

Die Welt durch das Studieren verstehen, das ist das griechische Ideal von Bildung. Heutzutage werden solche Ansprüche zugunsten einer berufsorientierten oder spezialisierten Ausbildung fallen gelassen. Nicht so bei den "Liberal Arts Colleges", die auf eine breite Allgemeinbildung, ein ausgeprägtes Werteempfinden, sowie gesellschaftliche Verantwortung setzen.

Von Dana Sindermann

Mehr dem griechischen Bildungsideal folgen (AP)
Mehr dem griechischen Bildungsideal folgen (AP)

In den Gebäuden, die zu DDR-Zeiten Botschaften afrikanischer Länder waren, wohnen und studieren heute rund 60 Studenten. Sie kommen aus immerhin 20 Nationen und was sie eint ist die Leidenschaft fürs Lesen, Schreiben und Denken, gepaart mit einem offenen, suchenden Blick. Dana Sindermann hat das ECLA besucht.

"Die Schönheit dieser Bildung ist: sie drängt dich nicht in eine bestimmte Ecke, in der du etwas bestimmtes fixierst. Vielmehr kannst du dich treiben lassen, damit du mehr von dem entdeckst, was du suchst. "

Der 21jährige Sokoll Ferisi kommt aus dem Kosovo. Dort hat er sein Psychologiestudium abgebrochen, weil ihm die Lehrpläne zu eng wurden und die Inhalte zu begrenzt schienen. heute studiert er am European College of Liberal Arts und kann individueller arbeiten. Schon der Aufbau des Colleges zielt darauf ab. Denn alle 60 Studenten wohnen auf dem Campus. So auch die 19 jährige Dena.

"Es ging ziemlich schnell, das ganze Kennenlernen. So in der großen Gruppe verbringt man die meiste Zeit beim Essen. Da kann man dann sich unterhalten, noch mal überbestimmte Themen aus dem Seminar oder aus der Vorlesung reden oder über private Sachen sprechen und Abends trifft man sich halt manchmal auch im Gemeinschaftsraum, guckt zusammen Filme, oder hängt einfach zusammen rum."

Mit Hilfe von Filmen, Kunst, Vorträgen, aber vor allem Literatur entwickeln die Studenten ihre Persönlichkeit.

Im Core-Kurs, dem Kern-Kurs des Studiums lesen die Studenten zentrale Werke der europäischen Geistesgeschichte. Der Dozent Thomas Norgaard, zugleich einer der beiden Dekane des Colleges.

" Was ist Gerechtigkeit? Und wieso sollten wir gerecht sein?"

Wertefragen - Fragen über Ethik, Politik, Kunst, Religion - stehen im Mittelpunkt des Studiums. Die Studenten ergründen durch die intensive Auseinandersetzung ihre eigene Position. Während sich alle Kommilitonen auf den Arbeitsmarkt ausrichten ist solch eine ausgedehnte Orientierungsphase luxuriös. Und sie ist mit ziemlichen Kosten verbunden. 15000 Euro beträgt die Studiengebühr für das einjährige Academy-Year - inklusive Kost und Logis. Für viele der Studenten ist das eine Menge Geld. Sowohl Studenten, die das nicht bezahlen können, als auch das College erhalten Fördergelder von der "Christian A. Johnson Endeavour Foundation". Die Spenden der amerikanischen Familienstiftung erlauben es den Dozenten auch außergewöhnliche Konzepte zu realisieren.

"Worum es auch immer geht, wir beleuchten es aus mehreren Perspektiven. In den Core-Kurs kommen Dozenten aus verschiedenen Bereichen, beispielsweise jemand aus der Philosophie und jemand aus der Literaturwissenschaft. Die Studenten werden dabei ihre Dozenten dabei auch mal in heftigen Debatten erleben. Sie werden angeregt in die Untersuchung einzusteigen, indem sie dem Dialog erst folgen und dann langsam Teil von ihm werden. "

Nach dem Kurs gehen die Studenten in den Speise-Bungalow. Ein zentraler Ort. Hier kommen sie teils mehrmals täglich, zum Frühstück, Mittag- und Abendessen zusammen. Studenten und Dozenten sitzen gemeinsam an den Tischen. Bei Schaschlick und Kartoffelecken gehen die Diskussionen aus dem Seminar weiter: Was ist gerechtes Verhalten? Wieso wollen wir keine Tyrannen sein? Solch fundamentale Fragen durchdringen das kleine Quartier und seine Studenten. Elisabeth Hanka.

"Es fühlt sich hier an, als wären wir in einem akademischen Hoch-Druck-Topf. Das bewirkt glaube ich folgendes: Die Dinge, die wir lernen und die Probleme können wir viel grundlegender verstehen. "

Das ECLA mag etwas abgeschlossen erscheinen. Letztlich soll die Herzensbildung, die in ihm so intensiv betrieben wird, aber auf die Herausforderungen der Welt vorbereiten.

"Ich glaube du gehst hier mit Fähigkeiten raus, die eng verbunden sind mit deiner Persönlichkeit. Die Studenten werden sich da draußen engagieren, welchen Job sie auch immer finden werden."

Ein Jahr lang in familiärer Atmosphäre mit Hilfe ungewöhnlicher Lehrkonzepte die eigenen Interessen ergründen. Das ECLA bietet ganzheitliche Bildung, die die Studenten ebenso ganzheitlich fordert.

"Es ist mental anstrengend, spirituell anstrengend, körperlich anstrengend, emotional anstrengend. Aber es ist auch bereichernd, auf ebenso viele verschiedene Weisen."

Hinweis:
Ab Ende November/ Anfang Dezember kann man sich für das Studium am ECLA bewerben. Kommendes Jahr wird auch ein Bachelor-Studiengang eingeführt.

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