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Studieren in Hörsälen mit Baumängeln

Marode Universität Bremen

Von Franziska Rattei

Wasserschäden an der Decke in einem Seminarraum der Uni Bremen.
Wasserschäden an der Decke in einem Seminarraum der Uni Bremen. (Jan Cloppenburg)

An der Universität Bremen gibt es im Malraum ein undichtes Dach, die Mensa weist Baumängel auf und in Seminarräumen sind Wasserflecken an der Decke. Zurzeit ist an der norddeutschen Uni aufgrund von Geldmangel die Devise: Provisorisch reparieren statt ordentlich sanieren.

Gleich neben dem Büro des Asta Bremen gibt es einen Werkraum, wo die Studierendenvertreter zum Beispiel Plakate für Uniaktionen malen können. Durch Fenster in der Decke fällt das Tageslicht - mit ihm: Regentropfen. Das Dach ist undicht, eine Deckenplatte fehlt. Auf dem Boden stehen zwei Eimer, der eine halb voll.

"Klar, bei unserem Malraum ist das noch verkraftbar, weil hier Menschen nicht so lange arbeiten. Anders ist es natürlich bei Räumen wie der Mensa, die natürlich täglich genutzt werden. Und hier wäre natürlich ein Verbesserungsbedarf zuerst gegeben. Und selbst hierfür reichen die Mittel nicht, wie sich gezeigt hat."

Sagt Max Forster, Mitarbeiter beim Asta der Uni Bremen. Ein kurzer Rundgang durch die Hochschule zeigt, dass es neben dem undichten Dach in Malraum und Mensa noch viele weitere Baumängel gibt. In Seminarräumen sind Wasserflecken an der Decke. Deckenlampen haben grau-schwarze Pünktchen; Schimmel vermutet Jan Cloppenburg, ebenfalls Asta-Mitarbeiter.

"Die meisten Studierenden stehen solchen Raumproblemen relativ hilf- und sprachlos gegenüber. Auch wir können nur bei der Uni anklopfen und sagen, wo es fehlt. Die Reaktion ist – wie bei quasi jeder Frage – dass das Geld fehlt, um irgendwas zu machen."

Sagt Jan Cloppenburg, während er vor einer Herrentoilette steht, der die Tür fehlt. Von zwei Waschbecken ist eines in blaue Folie gepackt. Darin steht Wasser. Ein Urinal ist genauso präpariert.

Hans-Joachim Orlok weiß das. Er leitet das Baudezernat der Uni. Auch wenn er derjenige ist, der die Reparatur solcher Mängel organisiert – er kann nichts tun, was viel kostet. Aber Orlok ist erfinderisch.

"Das Geogebäude mit seinem Glasdach ist auch so ein Beispiel: Da regnet es seit Jahren rein. Da haben wir ja jetzt sogar Regenrinnen innen angebaut, damit das Wasser sich nicht mehr auf den Fluren verteilt, sondern da aufgefangen wird."

Provisorisch reparieren statt ordentlich sanieren. Das ist die derzeitige Lösung. Aber mittelfristig braucht das Baudezernat mehr Geld, sagt Orlok. Mit gut zwei Millionen Euro pro Jahr kann er all die Baumängel nicht beseitigen. Rund acht Millionen wären dafür nötig; und vorher müsste die Uni erstmal in einen guten Ausgangszustand versetzt werden. Das kostet mindestens 45 Millionen Euro, sagt der Bauderzernent.

"Wenn man das unterlässt, beschleunigt sich der Verfall ganz enorm, und die Schäden werden immer größer."

Von der Unileitung erhofft sich Orlok kein Geld. Der Kanzler hat erklärt, dass auch alle anderen Bereiche unterfinanziert sind. Bleibt das Land als potenzieller Geldgeber. Im Senat wird derzeit der nächste Haushalt verhandelt. Das Baudezernat hat einen Bedarf von rund 200 Millionen Euro angegeben. Denn neben undichten Dächern und Fenstern gibt es noch mehr Probleme: beispielsweise das naturwissenschaftliche Gebäude. Es ist so marode, dass Neubauen billiger als Sanieren wäre, so Orlok. Gerd-Rüdiger Kück, Staatsrat für Bildung und Wissenschaft, kennt das Problem. Er war bis vor Kurzem Kanzler der Uni Bremen.

"Dieses haben wir auch gegenüber dem Finanzressort im Rahmen unserer Haushaltsberatungen für 2014/15 angemeldet, und wir sind in der Diskussion, ob tatsächlich ein zusätzlicher finanzieller Bedarf auch in diesen Haushalten berücksichtigt werden kann."

Vermutlich im Frühjahr, spätestens im Herbst, stellt sich heraus, ob die Uni mehr Geld vom Land bekommt. Falls nicht, bliebe noch der Bund als potenzieller Geldgeber. Der könnte zweckgebundene Finanzspritzen verabreichen. Nur, so Staatsrat Kück:

"Die freie Hansestadt Bremen muss sich dann verpflichten, 50 Prozent der Baukosten dann auch aufzubringen, und die anderen 50 Prozent würden vom Bund kommen."

Noch gibt es also Hoffnung für die teilweise marode Uni Bremen. Allerdings: Die Zeit drängt. Flickwerk hält nicht ewig.



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