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StartseiteCampus & KarriereWas man zum Auslandspraktikum wissen muss12.05.2017

Studyworld-Messe in BerlinWas man zum Auslandspraktikum wissen muss

Immer mehr junge Leute wollen nicht nur im Ausland studieren, sondern auch dort arbeiten. Schier unüberschaubar sind die Angebote. Da gibt es staatliche Organisationen wie den DAAD, gemeinnützige Vereine oder auch kommerzielle Bildungsträger. Einen Überblick bietet die Messe "Studyworld" in Berlin.

Von Claudia van Laak

Die Aufschrift eines blauen T-Shirts zeigt: Leon - Doppelmaster in Deutschland und Großbritannien, Carlo-Schmid-Praktikum im Senegal - Praktikum in Japan (Deutschlandradio/Claudia van Laak)
Master in Deutschland, Praktika im Ausland - immer mehr Studenten wollen internationale Erfahrungen sammeln (Deutschlandradio/Claudia van Laak)
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Homepage Studyworld - 12. Internationale Messe für Studium, Praktikum und akademische Weiterbildung 

Das Foto sieht super aus: Eine Studentin mit langen blonden Haaren, den Laptop auf dem Schoß, sitzt auf einem quietschgelben Sofa mitten in einem schicken Fabrikloft. "Praktikum im Ausland" steht daneben. Das American Institute for foreign study, kurz AIFS, vermittelt Praktika in Neuseeland.

Mitarbeiterin Blanca Verges: "Da kommen die Schüler oder Studenten zu uns und sagen, in welchem Bereich sie ein Praktikum machen wollen. Und dann finden wir dann halt ein Unternehmen, wo sie in diesem Bereich ein Praktikum machen können."

"Ein Markt, mit dem man gutes Geld machen kann"

Ein unspezifisches Angebot, dazu noch vergleichsweise teuer. Zwei Monate sind nicht unter 2.200 Euro zu haben - Flug inklusive. Immer mehr Anbieter tummeln sich auf diesem Markt, hat Frauke Schick vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD beobachtet:

"Es ist ein Markt, mit dem man gutes Geld machen kann. Überlegen Sie sich mal, Sie haben viele Eltern, die möchten, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Die Kinder wollen selber schon mal erste praktische Erfahrungen sammeln. Und wenn's ins Ausland geht, dann wird den Eltern ordentlich in die Tasche gegriffen."

Das muss nicht sein, meint Leon Jander. Er hat während seines Friedens- und Konfliktforschungs-Studiums vier Auslandsaufenthalte eingelegt. Gearbeitet hat er im Senegal, in Sierra Leone, in Burkina Faso und in Japan: "Viele Organisationen zahlen auch gut für Praktika, und damit kommt man gut über die Runden."

Qualitätskriterien für Auslandspraktika

In Deutschland haben sich verschiedene große Bildungsanbieter zusammengeschlossen und gemeinsame Qualitätskriterien für Auslandspraktika erarbeitet. So sollte die Organisation unter anderem Seminare oder Trainings zur Vorbereitung anbieten, am Ende ein Zertifikat ausstellen, mit dem Praktikanten und dem entsprechenden Unternehmen einen detaillierten schriftlichen Vertrag fixieren und eine Betreuung vor Ort garantieren.

Jeder, der ein Praktikum im Ausland machen will, soll sich vorher folgende Fragen stellen, rät Frauke Schick vom DAAD: "Wohin will ich, was will ich, passt das zu mir, passt das in mein Studium, passt das in meine Ausbildungsbiografie, was will ich da eigentlich erreichen? Das kann man nur mit nachdenken und indem man Tipps von Leuten einholt, die schon mal draußen waren."

Busfahrer reagiert nur auf Russisch

Dazu rät auch Vanessa Grinszek. Die angehende Lehrerin für Deutsch und Polnisch hat ein Praktikum an einer Schule im russischen Novosibirsk gemacht - und in Deutschland die falsche Kleidung in den Koffer gepackt. "In der Schule in Russland ist es zum Beispiel so, man darf als Frau, auch als Mann, prinzipiell keine Jeans tragen. Ich war in Novosibirsk bei minus 35 Grad. Ohne Jeans wird's da schwierig im Leben, als Normaleuropäer."

Nicht überall spricht man Englisch, das ist der zweite Tipp von Vanessa Grinszek. Klingt auf den ersten Blick banal, ist aber in Russland lebenswichtig: "Zum Beispiel in den Kleinbustaxis, die sind sehr populär in Russland, bei denen ist es so: Man schreit, dass man aussteigen möchte. Wenn die Haltestelle kommt, schreit man auf Russisch. Dann bleibt er stehen. Ansonsten bleibt er eben nicht stehen."

Schießtraining im Keller

Sich vorher auf gesellschaftliche und kulturelle Eigenarten einstellen, dazu rät auch Leon Jander. Er hat in Sierra Leone für Aufregung gesorgt, weil er seine Wäsche selber waschen wollte: "Ich bin da ganz selbstverständlich hin - hier in Deutschland wasche ich ja auch meine Sachen selber - hab mir also Wasser geholt und draußen Wäsche gewaschen. Dann kamen alle drei Nachbarinnen an: 'Was machst Du da? Das geht doch nicht? Das müssen Frauen machen!' Das war der große Aufruhr im Dorf."

Eine Erfahrung fürs Leben. Auch die angehende Lehrerin Vanessa Grinszek hat eine solche Geschichte parat: Sie hat in ihrer Schule in Novosibirsk schießen gelernt. "Also mit dem Luftgewehr im Keller zu schießen war wirklich neu, hat Spaß gemacht, ich war wirklich gut. Aber das sind Sachen, die bleiben ein Leben lang in Erinnerung."

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