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StartseiteCampus & KarriereSturm auf die Studentenbuden17.06.2011

Sturm auf die Studentenbuden

25.000 Wohnheimplätze fehlen

Der doppelte Abiturjahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht sorgen für einen Ansturm von Studenten auf Hochschulen und den Wohnungsmarkt. In Aachen haben sich Stadt und Hochschulen zusammengeschlossen, um des Andrangs Herr zu werden.

Von Ingo Wagner

Sinnbild: Der Wohnungsandrang ist groß (AP)
Sinnbild: Der Wohnungsandrang ist groß (AP)

In vielen Universitätsstädten gibt es für die begehrten Plätze in Studentenwohnheimen bereits heute eine Warteliste – in München zum Beispiel müssen Studierende mit einer Wartezeit von rund vier Semestern rechnen, in Dortmund kann es bis zu sechs Monate dauern. Bundesweit fehlen nach Angaben des Deutschen Studentenwerks derzeit rund 25.000 Wohnheimplätze. Und durch die doppelten Abiturjahrgänge kommen an Deutschlands Hochschulen so viele Studenten wie noch nie zuvor. In einer Universitätsstadt wie Aachen kämpfen jetzt nicht nur die Stadtväter, sondern auch die Rektoren der Hochschulen mit allen Mitteln darum, den erwarteten Ansturm aufzufangen.

"Wir sagen immer: Omis räumt eure Dachkammern leer, baut ein paar Rigips-Wände ein, Studenten helfen euch auch, den Rollator nach drinnen zu tragen – alles prima."

Was der Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg, scherzhaft übertreibend sagt, hat einen ernsten Hintergrund: Denn Stadt und Hochschulen müssen an private Wohnungseigentümer appellieren, um genug Platz für die Studenten zu schaffen. 7000 neue Studenten werden bis 2015 an der Aachener Fachhochschule und der RWTH Aachen erwartet. Das ist allein mit dem Neubau von Studentenwohnheimen ist das nicht zu schaffen, wie der Rektor einräumt.

"Wir sind ein bisschen anders organisiert, als die angelsächsischen Hochschulen. Da würde man das wohl nur über Studentenwohnheime machen. Das werden wir auch aktiv betreiben. Aber im Kern müssen wir den Großteil des Wohnraums in der Mitte der Bevölkerung schaffen."

Eine umfangreiche Werbekampagne von Stadt und Hochschulen soll jetzt ganz gezielt Hausbesitzer motivieren, Wohnungen für Studenten zur Verfügung zu stellen. Und dabei sind auch die kreativen Köpfe der Hochschulen eingebunden. Studenten des Fachbereichs Design der Fachhochschulen Aachen haben eigens eine Kampagne entworfen, um durch Werbung Wohnungen für ihren künftigen Kommilitonen zu gewinnen, sagt der Rektor der FH Aachen, Marcus Baumann.

"Dieses Projekt wird dann umfassen ein Erscheinungsbild, es wird Plakate umfassen, es wird Texte umfassen. Ich gehe davon aus, dass diese Plakate dann an allen Stellen in der Stadt auch sichtbar sein werden."

Aber bereits jetzt ist klar: Auch wenn viele private Wohnungseigentümer, die Chance auf zusätzliche Miteinnahmen nutzen, der vorhandene Wohnraum wird nicht ausreichen. Derzeit befindet sich die Stadt bereits im Gespräch mit Investoren, die gezielt Neubauten mit Wohnungen für Studierende errichten sollen. Und auch die RWTH Aachen tut, was sie kann, um potenzielle Investoren zu ermuntern, sagt Rektor Ernst Schmachtenberg.

"Auch für die Investoren: Es ist viel klüger in Aachen für Studenten zu bauen, als zum Beispiel in Lehman-Brothers-Zertifikate zu investieren. Das ist eine sichere Anlage."

Um es diesen Geschäftsleuten leichter zu machen, gibt es jetzt eigens einen Lotsen für das Bauen als ständigen Ansprechpartner bei der Stadt Aachen.

"Was uns jetzt sehr entgegenkommt, ist, dass die Stadt auch plant, dass die Stadt Leuten, die Bauanträge stellen wollen, die nötige Unterstützung zu geben, das Klima zu schaffen, hier in investitionsfreundlich zu sein."

All das soll dazu beitragen eine studentische Wohnungsnot in Aachen zu verhindern, wie sie in den 80er-Jahren herrschte. Damals hausten Studierende am Bahnhof in abgestellten Eisenbahnwaggons, und so mancher hatte als Notunterkunft nur ein Zelt zur Verfügung. An eine solche Eskalation der Wohnungssituation glaubt niemand, allerdings entwickelt die Stadt für den Fall der Fälle auch Notfallpläne für eine vorübergehende Unterbringung von Studierenden in Bundeswehrkasernen und Containerdörfern. Dass es soweit kommen wird, glaubt man an den Hochschulen aber nicht, sagt der Rektor der Fachhochschule Marcus Baumann.

"Wir sind bestens gerüstet. Wir haben uns da lange drauf vorbereitet. Das wird natürlich an der einen oder anderen Stelle zwicken, das ist völlig klar. Aber wir haben das alles eingeleitet und wir werden die Möglichkeit schaffen, da auch erfolgreich zu sein."

Im Interesse der Studenten kann man das den Studierenden nur wünschen. Der Höhepunkt des Ansturms auf die Universitätsstädte wird für das Wintersemester 2013 erwartet.

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