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StartseiteUmwelt und VerbraucherTexas setzt auf Windenergie31.10.2012

Texas setzt auf Windenergie

Bis 2030 könnte die Windkraft 20 Prozent des US-Verbrauchs decken

Für die erneuerbaren Energien hat Barack Obama in den vergangenen vier Jahren viel getan: Ihr Anteil überholte mit zwölf Prozent sogar die Kernenergie. In der Prärie wurden an vielen Orten Windräder aufgestellt, weit vorn ist ausgerechnet der Ölstaat Texas.

Von Markus Wacket

In Texas boomt die Windkraft, doch Gas ist so billig wie selten zuvor. (AP)
In Texas boomt die Windkraft, doch Gas ist so billig wie selten zuvor. (AP)

Jason Grizzle Arbeitsplatz ist eine vier Meter breite Stahlröhre. Im Fuß des Windrads prüft er armdicke Stromkabel und verfolgt sie bis in die Spitze des Turms:

"Die höchsten Türme hier sind 80 Metern, das sind die von General Electric und Siemens. Dann ragen die Flügel nochmal 35 Meter darüber hinaus."

Grizzle hat dafür zu sorgen, dass sich die Räder drehen, der Strom fließt. Der Techniker arbeitet in der Nähe von Roscoe, einem Nest rund 250 Meilen westlich von Dallas. Mehr als 2000 Windräder stehen in der schier endlosen Ebene, 627 produzieren allein auf Grizzles Farm Strom für 250.000 Haushalte. Sie gehört zu den beiden größten der Welt und wird vom deutschen E.ON-Konzern betrieben. Lange hatten die Farmer hier den Wind verflucht. Er trocknete den Boden aus. Und unter ihm versiegte dann noch das Öl. Doch vor gut zehn Jahren entdeckten die Texaner das Gute im Wind. Der 32jährige Grizzle war so von Anfang an in der Branche und ist froh, in seiner Heimat bleiben zu können:

"Wenn Du hier arbeiten wolltest, hattest Du kaum noch Chancen, es blieben doch nur die spärlichen Verwaltungsjobs, vielleicht Lehr oder für die Ungelernten vielleicht noch ein Job in der Landwirtschaft."

Menschen wie Grizzle haben Greg Wortham viel zu verdanken. Der Bürgermeister des Nachbarstädtchens Sweetwater trat seinen Posten vor zehn Jahren an und kämpft verbissen für die Windbranche. Grüne Energie bedeute eben grüne Dollars, sagt er und nimmt Besucher gern mit auf eine Tour in seinem Pickup.

"Etwa ein Drittel der gesamten in den USA produzierten Windenergie stammt aus einem Umkreis, den man mit dem Auto in vier Stunden abfahren kann."

Vor zehn Jahren sah es noch so aus, als habe Sweetwater seine besten Zeiten hinter sich, sagt Wortham. Die Farmen heruntergekommen, die Jungen zog weg, Sweetwater war die am schnellsten schrumpfende Stadt Texas. Der Wind hat sich gedreht: Wortham zeigt stolz auf das Theater, das wieder öffnen konnte und auch auf den Schrotthändler, der sich auf das Recycling von Rotorblättern spezialisiert. Auch Khayla Chowning, Schülerin und Praktikantin in der Handelskammer, kann sich vorstellen, in der Branche zu bleiben. Nachwuchs ist gefragt:

"Wir wurden von der Hochschule hier eingeladen, wo man uns gezeigt, wie die Ausbildung für Jobs in der Windindustrie abläuft. Wir werden richtig ermutigt, da einzusteigen. Schließlich können wir hier um die Ecke studieren und arbeiten und die Hochschule hat sich auf Wind spezialisiert."

Kein Wunder, dass es praktisch keinen Widerstand gegen den Wald von Windmühlen gibt. Besonders die Farmer profitieren, denn bis zu 5000 Dollar sollen sie pro Rad und Jahr auf ihrem Land bekommen. E.ON-Techniker Grizzle kennt jedenfalls niemanden, den die Geräusche stören:

"Wenn Du Interesse am Rad hast, dann hörst Du das Rauschen ganz gern:"

Gefahr droht der grünen Industrie von anderer Seite: Eine neue Fördermethode, das sogenannte Fracking, lässt die Gasquellen von Texas und sogar das Öl wieder stärker sprudeln. Die Folge: Die Gaskraftwerke lassen die Strompreise sinken, die Erneuerbaren erscheinen teurer, erklärt Wortham:

""Gas ist so billig, dass es beim Ölfördern wieder abgebrannt wird. Party-Fackeln nennen sie die, die man nachts ein paar Meilen vom Stadtrand entfernt leuchten sieht."

Die Windbranche könnte trotzdem weiter boomen, meint er. Windstrom macht zwar erst drei Prozent des Verbrauchs aus, doch bis 2030 könnten es der US-Umweltbehörde zufolge aber rund 20 Prozent sein. Wenn da nicht die Präsidentschaftswahlen wären: Der Staat ist traditionell republikanisch, was der Windbranche nicht schadete. Jetzt aber stoppen die Republikaner den Steuerbonus für Windstrom, den sie sonst unterstützten. Von grüner Energie wollten sie zumindest bis zur Wahl nichts mehr wissen, klagt Wortham. Angeblich gäbe es in Texas ohnehin nur 800 Windjobs, die habe er aber allein rund um Sweetwater:

"Es ist absurd, es ist eine Lüge. Es ist nur, weil sie den Präsidenten hassen. Sie sind bereit, dafür alles zu opfern."

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