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StartseiteUmwelt und VerbraucherTipps zum Umgang mit neuen Google- und Facebook-Funktionen27.01.2012

Tipps zum Umgang mit neuen Google- und Facebook-Funktionen

Jan-Kaspar Münnich von der German Privacy Foundation über Timeline und Co

Google+ und die Timeline bei Facebook - selbst erfahrenen Internetsurfern ist der Datenhunger der Netzwerke nicht ganz geheuer. Welche Daten werden genau öffentlich gemacht - und wie kann ich das beeinflussen?

Das Gespräch führte Jule Reimer

Chronik-Ansicht von Facebook, die "Timeline" - jetzt Pflicht für alle facebook-Nutzer (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Chronik-Ansicht von Facebook, die "Timeline" - jetzt Pflicht für alle facebook-Nutzer (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Jule Reimer: Mein Leben, Dein Leben, Ihr Leben – das haben Google und Facebook demnächst richtig im Griff. Falls Sie sich häufig bei Facebook betätigen, fasst Ihnen der Anbieter alles, was Sie dort eingetragen haben, demnächst in einer Art Lebenschronik (englisch "Timeline") zusammen. Und wer Google-Stadtpläne, –Suchfunktionen, -Gruppen oder –Fotodienste nutzt, dessen Daten bündelt Google jetzt praktischerweise auch. Jan-Kaspar Münnich ist IT-Unternehmer und Vorsitzender der German Privacy Foundation, einem gemeinnützigen Verein, der unter anderem ehrenamtlich Schulungen zum sicheren Umgang mit dem Internet anbietet. Frage an Jan-Kaspar Münnich in Berlin: Facebook gesteht seinen Nutzern nach der Einführung der Timeline nur sieben Tage Zeit zu, um zu entscheiden, welche ihrer bisherigen Beiträge in die danach veröffentlichte Lebenschronik einfließen sollen. Was ist, wenn ich diese sieben Tage verpasse?

Jan-Kaspar Münnich: Guten Tag, Frau Reimer. Die sieben Tage Zeit, das ist eine Frist, die jetzt eingeräumt wird nach dem nächsten Login bei deutschen Facebook-Kunden. In der Zeit muss man selbst den eigenen Account auf die Timeline umstellen. Das erfolgt natürlich nur nach Einwilligung des Nutzers. Allerdings muss ich auch auf die Timeline umstellen. Das heißt, ich habe die sieben Tage Zeit, meine Chronik aufzuräumen. Es werden in der Timeline ja nur Daten erfasst, die ich bisher früher auch bei Facebook gepostet habe, und da habe ich jetzt noch mal Zeit, Beiträge herauszulöschen, die ich jetzt doch nicht so prominent öffentlich machen möchte.

Reimer: Stichwort "Löschen". Facebook bietet an, "Entfernen" oder "unsichtbar machen". Heißt "Entfernen" denn dann wirklich löschen?

Münnich: Also erst mal: Wenn ich den "Entfernen-"Button in der Timeline betätige, dann heißt das, dass dieser Post nicht in der Timeline erscheinen soll. Diese ganzen Beiträge, die ich in den letzten Jahren bei Facebook in meinem Profil gepostet habe, die sind ja alle in der Datenbank erhalten, sind mittlerweile aber auch immer weiter nach hinten verschwunden. Wenn ich jetzt auf die Timeline eines Facebook-Nutzers gehe, sehe ich da nur die letzten zehn, 20 Tage in den aktuellen Einstellungen. Bei der neuen Timeline priorisiert Facebook selbst, was sind die wichtigen Ereignisse im Leben des Nutzers, das ist zum Beispiel nach der Geburt die Hochzeit mit den Hochzeitsbildern und andere wichtige Ereignisse im Leben, und die werden prominent dargestellt und ich habe jetzt die Möglichkeit, bevor ich die Timeline aktiviere, die entsprechend noch mal zu sortieren.

Reimer: Google führt jetzt alle Daten seiner Dienste zusammen - wir berichteten gestern bereits darüber -, Suchmaschine, Maps, YouTube, E-Mail, Fotodienste und so fort. Wer die neue Datenschutzerklärung unterschreibt, erlaubt zudem einen Datenaustausch mit Partner-Webseiten und Drittanbietern. Aber Google sagt, der Nutzer kann ja seine Datenspur klein halten, indem er regelmäßig die Cookies löscht. Ist das so einfach und geht das zum Beispiel auch selektiv, denn wenn ich Cookies, diese kleinen Marker, die mir Zugang zu Seiten eröffnen, lösche, dann fallen ja auch unter Umständen andere Informationen weg?

Münnich: Es ist sehr einfach, die Cookies zu blockieren. In jedem Browser kann ich einstellen, dass zum Beispiel alle Cookies beim Beenden des Browsers gelöscht werden. Das bietet sich auf jeden Fall an, denn dadurch wird die Funktionsweise der Websites nicht beeinträchtigt. Die persönlichen Daten sind in der Regel nur erforderlich für meinen jeweiligen Besuch, also zum Beispiel für einen Einkaufsvorgang oder für einen Mail-Abruf. Das heißt, es passiert nichts, wenn ich die Informationen und alle Cookies danach lösche. Dann muss ich mich lediglich beim nächsten Mal neu auf der Seite anmelden. Das bietet sich eigentlich für alle Websites an, insofern kann man das einstellen, und damit kann Google mich auch nach dem Beenden des Browsers nicht wieder identifizieren. Es ist damit dann auch gut möglich, mehrere Google-Profile zu haben, das heißt einen separaten Account für Google Mail und einen separaten Account zum Beispiel für YouTube anzulegen, und nach dem Beenden des Browsers mit dem neuen Login, mit meinem neuen Google-Zugang, kann Google das nicht wieder neu verbinden.

Reimer: Empfehlen Sie denn insgesamt, sich auf verschiedene Anbieter zu verteilen und vielleicht auch mal statt Google Maps den Stadtplan in Papierform zu nehmen?

Münnich: Generell bietet es sich genauso wie bei einer Streuung von Börsenanlagen an, nicht einem einzigen Anbieter zu vertrauen. Auch Google kann zum Beispiel schon im nächsten Jahr nicht mehr der große Anbieter sein. Insofern bietet sich durchaus an, alternative Dienste zu nutzen. Der herkömmliche analoge Stadtplan ist, denke ich, für die meisten dennoch keine Alternative.

Reimer: Vielen Dank an Jan-Kaspar Münnich von der German Privacy Foundation zum Umgang mit Google und Facebook.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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