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Tod eines echten Multitalents

Der Verleger Reinhold Neven DuMont über den Autor Herbert Rosendorfer

Reinhold Neven DuMont im Gespräch mit Karin Fischer

Der Autor Herbert Rosendorfer bei der Verleihung des Buchpreises Corine 2010 in München.  (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
Der Autor Herbert Rosendorfer bei der Verleihung des Buchpreises Corine 2010 in München. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Eine geniale Mischung zwischen Karl Kraus und Karl Valentin - so beschreibt der Verleger Reinhold Neven DuMont Herbert Rosendorfer, der im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Berühmt wurde der Autor aus Südtirol Anfang der 1980er-Jahre mit seinem Buch "Briefe in die chinesische Vergangenheit".

Karin Fischer: Herbert Rosendorfer, in Bozen geborener, in München lebender Autor, ist gestorben. Die Meldung des Folio Verlags erreichte uns am späten Nachmittag. Rosendorfer gilt als großer Sprach-Witz-Werker, er war Schöpfer eines wirklich vielfältigen, dabei ebenso klugen wie ironischen Werks, darunter nicht nur Romane und Erzählungen, sondern auch Theaterstücke, Fernsehspiele, historische Arbeiten, musikalische Abhandlungen oder Reiseliteratur. Seine "Briefe in die chinesische Vergangenheit" vom Anfang der 80er-Jahre machten ihn berühmt. Reinhold Neven DuMont war Verleger bei Kiepenheuer & Witsch, er hat die Werke Herbert Rosendorfers dort betreut und herausgebracht und kannte den Autor auch persönlich sehr gut, und über diese Zusammenarbeit hat er vor der Sendung mit mir gesprochen.

Reinhold Neven DuMont: Herbert Rosendorfer wurde im Jahr 1989 mit "Die Nacht der Amazonen" Autor von Kiepenheuer & Witsch. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein gefeierter, ein anerkannter Autor, seine berühmtesten Bücher haben Sie bereits zitiert. Das war die Reise in die chinesische Vergangenheit, die hat ihn populär gemacht in Deutschland, und man kann mit Fug und Recht sagen, er war ein Autor, der Humor hatte. Aber in dem Moment, wenn man das so formuliert, greift man auch zu kurz. Er hatte Witz, er hatte Schalk, er war intelligent und sprühte von Einfällen. Er war auch Maler, er hat auch gemalt, und überdies hat er komponiert. Also er war ein echtes Multitalent, so würde man sagen.

Fischer: Wenn wir über Witz und Humor sprechen, Herr Neven DuMont, was hat ihn sozusagen stilistisch ausgemacht? Gab es da Vorläufer?

Neven DuMont: Also ich glaube, einen direkten Vorläufer gibt es nicht. Ich würde sagen, er war so eine geniale Mischung aus Karl Kraus, aus Karl Valentin. - Wer fällt einem da noch ein? – Er war letzten Endes doch eine sehr eigenständige literarische Persönlichkeit und seine Bücher werden getragen von einer sehr absonderlichen Idee – fast alle. Der "Ruinenbaumeister", also die Geschichte eines Mannes, der sich darauf kapriziert hat, Ruinen zu bauen, das sind so typisch Rosendorfsche Einfälle. Er war als Person bescheiden, zurückhaltend, man konnte in ihm durchaus auch den Amtsrichter erkennen, der er ja als Hauptberuf zeitlebens war. Also er war eine Person, die immer wieder für Überraschungen gut war. Kaum meinte man, die eine Seite von ihm kennengelernt zu haben, schon öffnete sich ein neues Fach mit ganz unerwartet neuen Erkenntnissen und Ansichten.

Fischer: Sie haben den "Ruinenbaumeister" erwähnt, 1969 ist das zuerst erschienen, das bekannteste seiner frühen Werke. Für dieses Buch hat ihn die Kritik zu einem Verfechter eines "neuen fantastischen Realismus" erklärte. Den kennen wir heute aus Lateinamerika. Was heißt das denn für Rosendorfers bayerischen Kosmos?

Neven DuMont: Ja! Er stammt ja, wie Sie schon sagten, aus Südtirol, hat aber sein ganzes aktives Leben, kann man so sagen, in München verbracht. Sein bayerischer Kosmos besteht eben aus skurrilen Figuren, die zum Teil frei erfunden sind, zum Teil aber auch nicht. In der "Nacht der Amazonen" tauchen auch aus der Zeit des Nationalsozialismus historische Figuren auf, die er für seine Zwecke nutzt und die auch durchaus seinem Buch eine politische Relevanz geben. Aber das ist immer überzogen mit einem Augenzwinkern, mit Sinn eben für die Groteske. Bei ihm fehlt, was andere deutsche Autoren ja manchmal haben, so der Bierernst, obwohl ich ihn durchaus auch als ernsten Menschen kennengelernt habe, der sich ernsthaft für Fragen interessiert, Fragen der Kultur, der Literatur, der Politik aber auch, und er war ja überdies ein Kenner vor allem der Städte Rom und Venedig. Wir waren verabredet, wir wollten, wenn nicht noch in diesem Jahr, so doch nächstes Jahr mal zusammen nach Venedig oder Rom fahren, und das wäre mit Sicherheit ein großer Genuss gewesen, mit ihm zusammen und von ihm geführt diese Städte kennenzulernen.

Fischer: Reinhold Neven DuMont war das, der Verleger Herbert Rosendorfers, über dessen vielseitiges Werk. Das neue Buch, ein Erzählband mit dem Titel "Die Kaktusfrau", erscheint am 8. Oktober bei Kiepenheuer & Witsch. Rosendorfer wurde 78 Jahre alt.


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