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Tsunami-Frühwarnung auf Kurs

System für Indischen Ozean geht 2008 an den Start

Von Frank Grotelüschen

Diese nach der Flutwelle neu entstandene Inseln waren zuvor Teil der Provinzhauptstadt  Banda Aceh in Indonesien.
Diese nach der Flutwelle neu entstandene Inseln waren zuvor Teil der Provinzhauptstadt Banda Aceh in Indonesien. (AP)

Technik. – Weihnachten 2004 starben beim Tsunami im Indischen Ozean rund 300.000 Menschen. In der Folge begann Deutschland im besonders getroffenen Indonesien ein Tsunamifrühwarnsystem aufzubauen. Im November 2008 soll Gitews, so sein Name, in Betrieb gehen.

August 2005: Ein Kran im Hamburger Hafen lässt eine knallgelb lackierte Boje zu Wasser. Sie ist fast so groß wie eine Litfaßsäule. Auf der einen Seite ist die deutsche Flagge aufgemalt, auf der anderen die von Indonesien.

"Das ist die erste Tsunami-Boje, die nach Indonesien verschifft werden soll, wo auf der Spitze kegelförmig ein GPS-Empfänger ist","

sagte damals Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam, der Projektleiter von Gitews. Heute schwimmt die knallgelbe Boje im indischen Ozean. Sie ist verbunden mit einem Drucksensor, der am Meeresboden liegt. Lauterjung:

""Wenn eine Tsunamiwelle über so einen Drucksensor hinweg läuft, ändert sich der Druck. Das kann sehr präzise gemessen werden. Und die Bojen selber sind mit GPS ausgerüstet und können auch Meeresspiegel-Änderungen messen."

Insgesamt zehn dieser Bojen soll Gitews umfassen. Dazu kommen die Daten von 20 Stationen zur Messung des Wasserpegels und von 100 Seismometern. Sie erfassen, wenn irgendwo im indischen Ozean die Erde bebt. Sämtliche Daten laufen in einer Zentrale zusammen, dem Warnzentrum. Dort simuliert ein Computer in Minutenschnelle, in welche Richtung der Tsunami läuft und wie hoch seine Flutwelle ist. Ob die Bevölkerung alarmiert wird, entscheidet allerdings nicht der Rechner, sondern die diensthabenden Experten. Radio, Fernsehen und SMS sollen die Warnung dann bis ins abgelegenste Fischerdorf bringen. Lauterjung:

"Der derzeitige Stand ist, dass wir mit unseren Aufbauarbeiten weitgehend im Plan sind. Die landgestützten Seismometer sind zum großen Teil aufgebaut. Bei den Küstenpegeln ist etwa die Hälfte installiert. Und bei den Bojen wird der Schwerpunkt der Arbeit im nächsten Jahr liegen. Bis Ende 2008 wollen wir zehn Bojensysteme ausgebracht haben."

Am 12. November 2008 will der indonesische Präsident das System offiziell in Betrieb nehmen – ein überaus straffer Zeitplan, sagt Jörn Lauterjung. Doch einen Erfolg konnte Gitews bereits für sich verbuchen. Lauterjung:

"Obwohl noch nicht alle Komponenten vollständig aufgebaut sind, hat es am 12. September diesen Jahres eine Reihe von schweren Erdbeben vor der Südküste von Sumatra gegeben. Und das System war in der Lage, diese Erdbeben nach etwa dreieinhalb Minuten zu lokalisieren und die Magnitude auszurechnen. Woraufhin dann der indonesische meteorologische und geophysikalische Dienst innerhalb von fünf Minuten eine Frühwarnung herausgeben konnte. Das war immerhin 15 bis 20 Minuten vor Eintreffen der Welle. Man kann sagen, dass das System seine Bewährungsprobe bestanden hat."

Auch wenn die Technik Ende nächsten Jahres steht, ist der Job für Lauterjung und seine Leute noch nicht erledigt. Um das indonesische Personal mit dem Frühwarnsystem vertraut zu machen, werden die Deutschen mindestens bis März 2010 im Lande bleiben, wahrscheinlich sogar noch länger. Lauterjung:

"Ich denke, dass es notwendig ist, noch über einige Jahre gemeinsam mit den Indonesiern mit dem System zu arbeiten und vor allem die Ausbildungs- und Trainingsmaßnahmen noch weiter zu verfolgen. Training und Ausbildung geht nicht in zwei bis drei Jahren zu machen. Sie müssen da wirklich über längere Zeiträume arbeiten."

Im Großen und Ganzen läuft alles nach Plan, meint Lauterjung. Auch das Budget von 45 Millionen Euro scheint zu reichen. Zwei Dinge aber geben dem Geophysiker aus Potsdam noch zu denken:

"Sorgen bereitet mir, dass noch nicht ganz klar ist, wie man die Phase nach 2010 finanziert und organisiert kriegt. Da sind wir im Diskussionsstadium und bereiten das alles vor. Der zweite Punkt ist, dass mit der Ausbildung der Bevölkerung, richtig auf so eine Warnmeldung zu reagieren, noch eine riesige Aufgabe vor den indonesischen Partnern steht, die sicher noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Ich hoffe, dass das nicht in Vergessenheit gerät, damit es eine insgesamt erfolgreiche Aktivität wird."

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