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Türkische Privat-Uni in Berlin

Bahcesehir-Uni will ihr Studienangebot in Deutschland ausweiten

Von Susanne Arlt

Die türkische Privat-Uni hat nicht nur Standorte in Deutschland, sondern auch in Asien und den USA.
Die türkische Privat-Uni hat nicht nur Standorte in Deutschland, sondern auch in Asien und den USA. (AP)

Die Bahcesehir-Uni mit Sitz am Bosporus gehört zum größten, privaten Bildungsimperium der Türkei. Ihren Standort Berlin wollen die Organisatoren in Zukunft ausbauen - und vor allem türkischstämmige Studenten fördern.

Gemeinsam mit einer Freundin sitzt die junge, türkische Studentin Isil im ersten Stock der neuen Niederlassung der türkischen Bahceseir-Universität in Berlin-Mitte. Die Unterrichtssprache ist Englisch, der Campus vorerst noch übersichtlich. Es gibt sieben Seminarräume und einen hochmodern ausgestatteten Computerraum. Auf jedem Arbeitsplatz steht ein Flachbildschirm. Von dort lauschen die beiden Architekturstudentinnen heute Morgen der Eröffnungsrede ihres Unipräsidenten Senay Yalcin. Der ist live per Video zugeschaltet und referiert von einem Hörsaal der Bahcesehir-Universität aus, die ihren Sitz in Istanbul hat. Einen besonders herzlichen Gruß schickt er an die türkischen Studierenden nach Berlin-Mitte. Denn dort hat die türkische Privat-Uni heute ihren ersten Ableger in Europa offiziell eröffnet. Isil ist glücklich darüber, dass sie ihr viertes Studienjahr in Berlin absolvieren darf.

"Das ist doch eine großartige Chance für uns, innerhalb unseres Studiums auch für ein Jahr nach Berlin gehen zu können und dort studieren zu dürfen. Gerade für uns Architekturstudierende gibt es hier in Berlin so viel zu sehen und zu bewundern - alte und moderne Architektur. Außerdem hat Berlin unheimlich viele Museen, die man besuchen kann. Ich finde, Deutschland ist ein spannender Ort, um mehr über Architektur zu erfahren. Gerade auch was die die Stadtplanung betrifft. Das ist wirklich beeindruckend."


Mit Isil werden in diesem Jahr etwa 60 bis 80 Studierende von Istanbul nach Berlin kommen, um ihr Studium dort fortzusetzen. Die Studierenden sollen erleben, ein Teil Europas zu sein, erklärt Süheyla Schroeder, die die Berliner Zweigstelle leitet. Darum sind 80 weitere Studienplätze auch für deutsche bzw. europäische Studierende vorgesehen. Schroeder, die mit einem Deutschen verheiratet ist, will vor allem jungen Menschen mit Migrationshintergund eine Chance geben. Darum wurde in diesem ersten Studienjahr ausnahmsweise allen Bewerbern mit türkischem Migrationshintergrund eine Zulassung erteilt.


"Das deutsche Schulsystem bietet vielen Migranten keinen adäquaten Unterricht, der auch auf sie zugeschnitten ist. Viele von ihnen haben Defizite in der deutschen Sprache. Die Eltern können ihre Kinder oft nicht unterstützen, weil ihnen selber die Bildung fehlt - aus welchem Grund auch immer. Aber die deutschen Behörden haben es meiner Meinung nach bislang versäumt, diesen jungen Menschen ein adäquates Angebot zu unterbreiten und genau diesen Schülern wollen wir jetzt eine Chance geben."

In dem Gespräch mit der Direktorin wird schnell klar: Die Uni-Gründer haben in Berlin noch größere Pläne. Die Bahcesehir-Uni mit Sitz am Bosporus gehört zum größten, privaten Bildungsimperium der Türkei, das sich als laizistisch und politisch neutral beschreibt. Zu dem Unternehmen, das als Stiftung organisiert ist, gehören Kindergärten, Grundschulen, Gymnasien, Verlage und eben die Bahcesehir-Uni, die auch Zweigstellen in den USA und in Asien hat. Schroeder verhandelt zurzeit mit dem Land Berlin über den Kauf eines Gebäudes, in dem einst eine Schule untergebracht war. Dort möchte das türkische Unternehmen ein privates Gymnasium mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt eröffnen – nach deutschem Recht versteht sich.

"So gesehen, ist unsere Vision auch eine politische Vision. Heutzutage kann man das Thema Bildung doch nicht mehr auf nationaler Ebene eingrenzen. Wir legen darum großen Wert auf internationale Zusammenarbeit und interkulturelle Dialoge."

Die Studiengebühren sind allerdings nicht ganz billig, sie liegen regulär bei 15.800 Dollar im Jahr. Zum Start in Berlin gewährt man den Studierenden einen 50-prozentigen Rabatt. Und die Direktorin beruhigt: Es werde künftig viele Stipendien geben.

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