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Unerbittlicher Selbstvermarkter

Werke von Jeff Koons in einer Doppelausstellung in Frankfurt

Von Christian Gampert

Ausstellungsansicht "The Painter" von Jeff Koons in Frankfurt.
Ausstellungsansicht "The Painter" von Jeff Koons in Frankfurt. (Schirn Kunsthalle Frankfurt/ Norbert Miguletz)

Die Arbeiten des amerikanischen Künstlers sind gleich in zwei Museen ausgestellt: Im Städel-Museum sind rund 40 seiner monumentalen Gemälde zu sehen, das Liebieghaus zeigt 50 zum Teil neue Skulpturen von Jeff Koons. Diese sollen in einen Dialog mit der Skulpturensammlung des Hauses treten.

Wenn man die Fans des Jeff Koons fragt, was denn so toll sei an diesen Werken, dann erhält man etwa folgende Antworten: "komplexe inhaltliche Verdichtung", "Landschaft der Sinne", "anarchische Wirkung", "Überbietung von Gegenwärtigkeit", "romantischer Impuls", "Perfektion und Makellosigkeit", "bezwingende Materialität". Und so fort. Derartiges wurde auch auf der hollywoodesk inszenierten Pressekonferenz in Frankfurt geäußert, unter einem grellroten Kussmundbildchen des Meisters, und einer der Lobredner verstieg sich zu der Feststellung, hier würden "die Grenzen des menschlich Möglichen übertreten". "Zehntausend Arbeitsstunden" steckten in manchen Skulpturen, natürlich ausgeführt von beauftragten Firmen.

Der smarte Jeff Koons bedankte sich für diese Reihung peinlicher Superlative bei seinen lieben "friends" und erzählte dann in weiten Teilen das, was er vor einigen Wochen schon in Basel sagte, bei seiner großen Banalityschau in der Fondation Beyeler: dass er sich in einer Reihe mit Courbet und Duchamp sehe, also nur mit den Größten, dass es ihm um Präzision gehe und um die Einbeziehung des Betrachters. Und: Bitte keine Werturteile! Kitsch sei so ein böses Wort.

Schaut man dann die sogenannte Malerei an, die zumeist mehr Druck und Industrieprodukt ist und in 45 großformatigen Exemplaren in der Schirn hängt, dann ist man bald fertig damit. Es gibt nämlich nichts zu sehen. Müde Pop- und Werbezitate, müde Polke-Zitate, müde Hulk-Riesen und Comicfiguren, müde Cicciolina-Pornografie und noch müdere Klassikanleihen, ein buntes spätkapitales Sammelsurium, eine Rumpelkammer des falschen Bewusstsein. Formalästhetisch ist das 30 Jahre zurück, inhaltlich ist die Kombination von BHs mit Suppenkellen auch nicht sehr aufregend. Interessant ist eher die Tatsache, dass einige der besten deutschen Kunsthistoriker diesem Blender die Schleppe tragen und an seiner Affirmationskunst wild herumprojizieren.

Betritt man dann das Liebieghaus, die zweite Station der Ausstellung, dann zieht es einem erstmal die Schuhe aus: Da sitzt, als Skulptur, der verkitschte Michael Jackson mit seinem Affen Bubbles vor altägyptischen Mumiensärgen aus dem 13. Jahrhundert vor Christus. Die Amunpriesterin Takait kann sich nicht mehr wehren, wir Heutigen können es schon: Obwohl ich völlig ungläubig bin, empfinde ich diesen kalkulierten, selbstsüchtigen Tabubruch, die Entwertung des heilignüchternen Alten durch seine Kombination mit perfid-süßlichem Showgeschäft, als beschämend und unwürdig. Der Kunstunternehmer Jeff Koons, dieses Wesen aus der Finanz- und Plastikkultur, will sich allen Ernstes neben die alten Ägypter stellen? Sink in den Boden, Mephistopheles.

Aber das ist ja die Ausstellungskonzeption: Das Liebieghaus, dieses grandiose Museum alter Plastiken, wird quer durch die Kunstgeschichte mit Koons-Skulpturen angereichert und wird so zum Kinderspielplatz. Es stimmt eben nicht, dass man die alte Sammlung durch Koons mit neuen Augen sehen lernt. Man sieht vor allem das Unangemessene dieser Kombination, bisweilen auch, das sei zugegeben, das, was vielleicht vereinbar ist. Die monumentale, rosafarbene Ballon-Venus ist in der römischen Abteilung ebenso lächerlich wie die Popeye-Figur bei den Griechen oder die putzigen Englein und Schweinchen vor mittelalterlichen Madonnen. Die Entertainisierung der Kunst. Das wirkt, rein museumsdidaktisch, wie der verzweifelte Versuch der Kirchen, sich mit einem Popgottesdienst bei der Jugend anzubiedern.

Es gibt andere Abteilungen, wo es rein formensprachlich besser klappt: Koons' schwebende Cherubin sind zwar der blanke Kitsch, gehen aber mit den Barockengeln des Franz Ignaz Günther gut zusammen. "Woman in a Bathtub" passt in die Renaissance. Koons' blaumetallische große Venus ergänzt mit ihren klaren Konturen Danneckers klassizistische "Ariadne", und die in den oberen Räumen platzierten kleineren Objekte sind einigermaßen dezent inszeniert. Trotzdem sähe man vor allem die Mittelalterkunst viel lieber ohne störende Koons-Objekte.

Eine Vielzahl von Koons-Plastiken sind, als Erst- oder Zweitfertigung, je nachdem, derzeit in Basel zu sehen. Und es wäre gut zu wissen, wie viele Exemplare eines Werks derzeit auf Reisen sind. Die Frankfurter Doppelausstellung jedenfalls ist, für die zukünftige Werkproduktion, eine große Verkaufsoffensive. Unter den Türmen der Bankenmetropole, da ist Jeff Koons zu Haus.

Weitere Infos zur Ausstellung auf der Hompage der Schirn Kunsthalle Frankfurt und desLiebieghauses in Frankfurt oder auf der Internetseite Jeff Koons in Frankfurt



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