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StartseiteCampus & KarriereSchüler zum Studium ermutigen30.01.2014

Uni-TalentscoutSchüler zum Studium ermutigen

An der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen ist der einzige Talentscout Deutschlands fest angestellt: Er soll an den Schulen des nördlichen Ruhrgebiets Talente aufspüren, sie zum Studium ermutigen und ihnen helfen, sich in dieser fremden Welt zu Recht zu finden.

Von Andrea Lueg

Weiterführende Information

Förderung - Die Elite von unten (DradioWissen, Redaktionskonferenz, 15.10.2013)

"Ich bin im Mai fertig und dann wollte ich ja eigentlich zur Polizei, aber das will ich nicht mehr, ich will halt jetzt auf jeden Fall studieren."

Mittwochmorgen in einem kahlen Raum des Kuniberg-Berufskollegs in Recklinghausen, Suat Yilmaz hat Sprechstunde. Neun Schüler stehen auf der Anmelde-Liste des Talentförderers. Klara steht kurz vor dem Abi, aber was kommt danach?

"Ist irgendwas passiert, hast du einen Polizisten kennengelernt, den du nicht magst?" Klara: "Ich hab mich damit auseinandergesetzt und ich glaube, dass ich das psychisch nicht könnte."

Klara will lieber studieren, Marketing könnte ihr gefallen, oder der Studiengang Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Dort ist Suat Yilmaz angestellt als Talentscout oder, wie er selbst lieber sagt, als Talentförderer.

"Wir wollen so eine Art Rampe sein"

"Also, was wir wollen ist ganz klar: Wir wollen so eine Art Rampe sein, für die, die vielleicht auch nicht von sich aus ein Studium ins Auge gefasst haben, wir wollen beratend und begleitend sein, für diejenigen, die Ängste und Sorgen haben, weil sie vielleicht aus einer Nicht-Akademikerfamilie kommen, weil sie diese Welt der Universitäten und Fachhochschulen nicht kennen, da wollen wir einfach Ansprechpartner sein."

Aus einer Akademikerfamilie kommt keiner der Schüler an diesem Morgen, drei sind Migrantenkinder. Suat Yilmaz sucht keine Überflieger oder Hochbegabten. Wer von Lehrerin Lukoczic hierher geschickt wird, ist vor allem durch gute Noten aufgefallen.

"Unsere Schüler muss man so ein bisschen an die Hand nehmen, einen Zettel aufzuhängen, da ist eine Beratung - das läuft nicht immer so. Man muss mit den Leuten reden, man muss auf die Leute zugehen, damit die auch hier erscheinen."

Zwei Tage die Woche ist der Talentscout unterwegs

Der Talentscout arbeitet mit zehn Schulen zusammen, zwei Tage die Woche ist er unterwegs bei Beratungen vor Ort. Yilmaz hilft dabei, sich zurechtzufinden. Was kann man eigentlich alles studieren und wo? Wie bekommt man das Finanzielle geregelt? Was brauche ich alles, um zu studieren, und wie schreibt man sich eigentlich ein? Im Umfeld der Jugendlichen gibt es niemanden, der sowas weiß. Anna hat schon ein gutes Stück des Weges geschafft und einen Studienplatz in Rotterdam ergattert.

"Ich hab jetzt einige Probleme mit diesem BAföG-Antrag, Auslands-BAföG scheint nicht so leicht zu sein."

"Das Finanzielle ist ein Riesenthema, aber auch die Komplexität des Überganges. Für uns als Erwachsene, als Leute des Systems ist es kein Problem. Aber für junge Menschen ist das Verlassen der Schule, eines geschützten Raumes, dieser Übergang zu einem neuen Leben ist einfach ein Riesenschritt für die. Abstrakt, voller Ängste, Sorgen auch Hoffnungen - das ist eine fremde Welt, das ist eine Reise über den Ozean."

Yilmaz wichtigstes Instrument ist das Fragen. Was machst du gerne, worin bist du gut, aber auch: Von träumst du? Herausfinden, was sie machen wollen, müssen die Schüler selbst. Außerdem pünktlich zu den vereinbarten Terminen erscheinen und ihre Hausaufgaben machen. Nicht nur die aus der Schule. Jedem gibt der Talentscout einen kleinen Job mit. Anna muss sich mit einem Kollegen von Yilmaz beraten, der sich mit BAföG auskennt. Klara soll sich einen Plan B überlegen, falls sie keinen Studienplatz in ihrem Traumfach ergattert. Was wird sie dann tun? Und alle, die kurz vor dem Abi stehen, sollen nochmal alles geben für einen guten Notenschnitt.

"Hau noch mal richtig rein, damit du die Wahrscheinlichkeit erhöhst, einen Studienplatz in dem Bereich zu bekommen."

Yilmaz Job besteht nicht nur aus der Beratung. Er hält Vorträge, lädt die Schüler an die Hochschule ein, knüpft Kontakte zu Stiftungen, die seine Schützlinge finanziell unterstützen könnten. Und vermittelt Gespräche mit Vorbildern.

"Ich würd dann einen Termin mit einer Studentin arrangieren."

Scheitern ist kein Drama

Im Notfall spricht Yilmaz auch schon mal mit den Eltern. Denn nicht alle sind von einem Studium begeistert. Manche haben schlicht Angst, dass ihr Kind den langen Weg nicht schafft. Dann bittet der Talentförderer die Eltern, ihre Kinder zu unterstützen, damit sie Erfolg haben. Aber auch ein Scheitern ist für Yilmaz kein Drama. Dann gilt es lediglich, einen neuen Weg zu finden. Auch dabei will er dann unterstützen. Seit zwei Jahren macht Yilmaz den Job, hunderte Schüler hat er inzwischen beraten, viele auch über eine längere Zeit.  Und viele haben den Weg ins Studium geschafft. Auch am Kuniberg-Kolleg, erzählt Jutta von Lukoczik stolz.

"Sicherlich fünf Namen könnte ich Ihnen nennen von Schülern, die relativ erfolgreich das Studium absolvieren werden."

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