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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDaimler zum Handeln gezwungen25.05.2018

Verdacht der AbgasmanipulationDaimler zum Handeln gezwungen

"Bei uns wird nicht betrogen", betonte Daimlerchef Dieter Zetsche immer wieder. Nun berichtet der "Spiegel", das Kraftfahrtbundesamt überprüfe mehrere Modelle. Es bestehe der Verdacht, dass Abgaswerte manipuliert worden seien. Der Autobauer spricht von Spekulationen, zu denen man sich nicht äußere.

Von Uschi Goetz

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Das Logo der Automarke Mercedes-Benz der Daimler AG ist am 24.07.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einem Gebäude des Werks Untertürkheim, in dem sich auch die Konzernzentrale befindet, zu sehen. (picture alliance/dpa - Marijan Murat)
Das Daimler-Werk Untertürkheim (picture alliance/dpa - Marijan Murat)
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Tausende Mitarbeiter, auch namhafte Landespolitiker, haben Konzernchef Dieter Zetzsche vertraut. Dieser hatte noch zu Beginn der Dieselkrise wörtlich gesagt:

"Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert."

Seit zwei Tagen steht Zetsches Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Laut "Spiegel" droht dem Autobauer der Rückruf von über 600. 000 Fahrzeugen unter anderem der Baureihen C und G. Daimler teilte am Mittag mit, dem Unternehmen läge keine amtliche Anhörung zu den genannten Fahrzeugen vor. Diese müsste einem amtlichen Bescheid für einen Rückruf jedoch vorweg gehen. Auf Nachfrage sagte ein Konzernsprecher, zu Spekulationen des "Spiegels" werde man sich nicht äußern.

Rückruf des Mercedes-Vans Vito

Bereits gestern wurde bekannt, dass das Kraftfahrtbundesamt den Rückruf des Mercedes-Vans Vito mit einem 1.6-Liter-Motor angeordnet hat. Laut Berichten geht es bei allen Fahrzeugtypen um den Verdacht, dass unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung des Abgassystems manipulierten.

Genau vor einem Jahr ließ die Staatsanwaltschaft Stuttgart mehrere Standorte von Daimler durchsuchen. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits Ermittlungen, unter anderem "wegen möglicher Manipulation der Abgasnachbehandlung bei Diesel Pkw". Im Interview der Woche mit Dieter Zetsche fragte der Deutschlandfunk im vergangenen Sommer noch einmal nach:

Klemens Kindermann: "Können Sie insgesamt sagen, dass Daimler sich in Sachen Dieselmanipulation nichts vorzuwerfen hat?"

Zetsche: "Ich kann zum einen sagen, dass wir diese ganze Fragestellung kooperativ, im Sinne der vollständigen Aufklärung behandeln. Wir sind seit den ersten Informationen über einen Hersteller bei uns im eigenen Hause unterwegs, um selbst alles zu erfahren, was es an möglichen Fragestellungen geben kann."

Dabei ging es wohl um Renault. Seit Jahren liefert Renault Motoren an Daimler. Wie das Handelsblatt erfahren haben will, wurden in einer Vito Modellreihe Motoren des französischen Kooperationspartners verbaut. Für die Einstellung der Motorsteuerung sei immer der Hersteller verantwortlich, in dessen Autos der Motor eingebaut sei, erklärte ein Renault-Sprecher gegenüber dem Blatt. Möglicherweise gab es hinter den Kulissen genau über diesen Punkt Streit.

Mangelnde Kooperationsbereitschaft

Jetzt wird Daimler zum Handeln gezwungen. Der Autobauer wird im Fall Vito Widerspruch einlegen, zieht auch eine gerichtliche Klärung in Betracht. Nach bislang unbestätigten Berichten hat indes CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Daimler-Chef Dieter Zetsche für kommenden Montag nach Berlin ins Ministerium einbestellt.

Immer wieder betont das Unternehmen, man werde vollumfängliche mit den Behörden kooperieren. Die Bereitschaft der baden-württembergischen Autobauer in laufenden Ermittlungsverfahren zu kooperieren sei nicht besonders groß, sagte jüngst der leitende Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler in Stuttgart:

"Und wenn irgendwo durchsucht wird, gibt das auch einen gewissen Hinweis darauf, dass vielleicht die Kooperation nicht wirklich ganz so ausgebaut ist."

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