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StartseiteSport am WochenendeVerfälschte Zahlen in den DFB-Mitgliederstatistiken14.07.2011

Verfälschte Zahlen in den DFB-Mitgliederstatistiken

Einer Studie zufolge, spielen längst nicht so viele Frauen Fußball, wie der DFB behauptet

Seit Monaten geistert eine gewaltige Zahl durch die Öffentlichkeit. Gut eine Million Frauen und Mädchen spielen in Deutschland Fußball, sagte die Statistiken, und dieser Wert gilt als das wichtigste Indiz für die wachsende Bedeutung des Frauenfußballs. Doch viele dieser Sportlerinnen sind in Wahrheit in ganz anderen Sportarten aktiv.

Von Daniel Theweleit

Hat der DFB gar nicht so viele Mitglieder, wie er vorgibt? Spielerinnen der DFB-Elf bejubeln eine Sieg bei der WM. (dpa)
Hat der DFB gar nicht so viele Mitglieder, wie er vorgibt? Spielerinnen der DFB-Elf bejubeln eine Sieg bei der WM. (dpa)

Einen Weltmeistertitel wird der Deutsche Fußball-Bund in diesem Jahr nicht mehr gewinnen. Die U-17 ist gerade beim WM-Turnier in Mexiko Dritter geworden, und die Frauen scheiterten bei bekanntlich im Viertelfinale. In einer Kategorie bleibt der Verband aber auch in diesem Jahr unübertroffen: DFB-Präsident Theo Zwanziger und seine Mitstreiter haben den Frauenfußball zum Boomsport gemacht. Zuschauerzahlen, TV-Quoten, Medienpräsenz, überall wurden Rekorde vermeldet. Und die Entwicklung der Mitgliederzahlen wird ebenfalls gefeiert. Mit seinen 6,7 Millionen Spielerinnen und Spielern ist der DFB der größte Einzelsportverband der Welt. 1,05 Millionen Frauen spielen nach offiziellen Angaben Fußball, doch diese Zahlen spiegeln keineswegs die Realität wider, hat Hans-Joachim Schulke, Professor an der Macromedia-Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg, herausgefunden. Schulke hat den so genannten Mannschaften-Mitglieder Quotienten entwickelt:

"Wenn man diesen dann anwendet, dann kommt man zu ganz bemerkenswerten Ergebnissen und Abweichen, dass eine ganze Reihe von Meldungen beim DFB gar nicht Fußballspielen und wahrscheinlich auch nicht die Absicht haben, und eigentlich zu den Gymnastik und Fitnessgruppen der Turnabteilungen gehören."

Eine vorsätzliche Verfälschung der Realität kann man dem Deutschen Fußball-Bund allerdings nicht vorwerfen. Vielmehr liegt den falschen Zahlen ein strukturelles Problem zu Grunde. Aus finanziellen Gründen sind die Vereine versucht, Aktive aus anderen Abteilungen als Fußballerinnen zu führen. Denn beispielsweise für Turnerinnen und Gymnastikfrauen, die beim deutschen Turnerbund gemeldet werden, müssen die Vereine beachtliche Beträge für gut ausgebildete Übungsleiter an den Dachverband überweisen. Der DFB ist anders organisiert:

"Der Deutsche Fußballbund erhebt keine Pro-Kopf-Pauschale für seine Sportler, sondern nur pro Mannschaft. So dass es für jemanden, der meldet relativ egal ist, ob er 20, 200 oder 100 meldet. Und vor diesem Hintergrund muss man auch sagen, das ist keine Angelegenheit des DFB primär, sondern eine Angelegenheit der Vereine. Denn Vereine melden ihre Mitglieder dort, wo sie am wenigsten für sie Zahlen müssen."

Mit diesem Trick können größere Vereine jährlich fünfstellige Beträge sparen. An einigen Standorten sind pro Frauenfußballmannschaft sogar 600 Sportlerinnen gemeldet, realistisch wäre ein Wert von 20. Dem DFB kam das nicht ungelegen, meint Schulke:

"Der DFB hat das nicht weiter beachtet oder gerne hingenommen. Denn wir haben jetzt über eine Million Frauen und Mädchen im DFB, und das ist natürlich eine Zahl mit der sich wuchern lässt. Aber tatsächlich muss man sagen, dass nach unseren Berechnungen mindestens 350.000 dieser Frauen und Mädchen überhaupt nichts mit dem Fußball zu tun haben."

Nicht eine Millionen, sondern 600.000 aktive Fußballerinnen gibt es nach Schätzungen von Schulke wirklich. Auch das ist eine beachtliche Zahl, die andeutet, dass der Frauenfußball auf dem besten Weg ist, seine Nische als Randsportart zu verlassen.

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