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StartseiteInterview"Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen"17.06.2014

Vermisste israelische Schüler "Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen"

Israels Botschafter in Deutschland, Jakov Hadas-Handelsman, hat den Militäreinsatz im Westjordanland bei der Suche nach drei vermissten Schülern gegen Kritik verteidigt. Israel sei moralisch verpflichtet, seine Bürger zu schützen, sagte der Diplomat im Deutschlandfunk.

Jakov Hadas-Handelsmann im Gespräch mit Dirk Müller

Jakov Hadas-Handelsmann, israelischer Botschafter (dpa / Jörg Carstensen)
Jakov Hadas-Handelsmann, israelischer Botschafter (dpa / Jörg Carstensen)
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Für ihn sei klar, so Hadas-Handelsman, dass Terroristen der Hamas hinter der Entführung stünden. Israel müsse seinen in Not befindlichen Staatsbürgern helfen.

Überdies forderte Hadas-Handelsman Palästinenser-Präsident Abbas auf, bei der Fahndung der Täter zu helfen. Als Leiter der Autonomiebehörde sei Abbas mitverantwortlich für die Entwicklung. Hadas-Handelsman äußerte die Vermutung, dass die Täter sich im Palästinenser-Gebiet verstecken.

Die israelische Armee hatte gestern weitere 40 Hamas-Mitglieder festgenommen. Hadas-Handelsman betonte, die in der Nacht ausgeführten Luftschläge der israelischen Luftwaffe auf zwei Waffenlager im Gazastreifen hätten mit der Entführung der Jugendlichen nichts zu tun. Dies sei eine normale Situation in Israel.


Das Interview in voller Länge:

Dirk Müller: Mit eindeutigen Beweisen ist das recht schwierig, aber für die Regierung in Jerusalem steht fest: Die Hamas ist verantwortlich für die drei entführten israelischen Schüler. Entführt, verschleppt in der Stadt Hebron im Westjordanland. Für Benjamin Netanjahu ein Angriff auf den jüdischen Staat. Ein Großaufgebot von Militär, Geheimdienstagenten und Polizei ist seit fünf Tagen pausenlos im Einsatz. Sie suchen nach den drei Jungen, haben über 40 Palästinenser bereits festgenommen, ein Palästinenser ist bei Protesten nördlich von Ramallah offenbar erschossen worden. Israelische Kampfflugzeuge haben auch wieder Ziele im Gazastreifen bombardiert.
Am Telefon begrüße ich nun Israels Botschafter in Deutschland, Jakov Hadas-Handelsman. Guten Morgen nach Berlin.

Yakov Hadas-Handelsman: Guten Morgen, Herr Müller.

Müller: Herr Hadas-Handelsman, führen Sie Krieg?

Hadas-Handelsman: Ich weiß nicht, ob man das Krieg nennen kann. Aber auf jeden Fall wir suchen nach drei Jugendlichen, die von Hamas-Terroristen entführt wurden vor wenigen Tagen, und hoffentlich werden wir sie auch finden.

Müller: Sie suchen und gleichzeitig werden Kampfflugzeuge eingesetzt. Wie passt das zusammen?

Hadas-Handelsman: Das hat nichts damit zu tun. Hamas im Gaza oder andere Splittergruppen versuchen, uns wie fast tagtäglich mit Raketen zu beschießen, und unsere Haltung ist, dass wir jede Rakete beantworten.

"Wir haben die moralische Verpflichtung, unsere Bürger zu schützen"

Müller: Das war meine Frage: Ist das Krieg?

Hadas-Handelsman: Das ist die normale Lage leider in unserem Gebiet. Dazu kommt jetzt diese Entführung. Aber so ist es und wie gesagt: Wir als Demokratie, wir haben die moralische Verpflichtung, unsere Bürger zu schützen, und wir werden alle Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind, um die drei Jugendlichen wieder zurück nachhause zu bringen, oder die israelischen Bürger, die in Israel wohnen, zu beschützen vor Terror und Raketenangriffen.

"Die Jugendlichen wurden von von Hamas-Terroristen entführt"

Müller: Wie ist das bei Ihnen persönlich, Herr Hadas-Handelsman? Ist das für Sie ein mulmiges Gefühl so im Bauch, wenn man mit einem Großaufgebot sucht im Westjordanland? Man hat keine Beweise, hat offenbar keine eindeutigen Hinweise, wir jedenfalls wissen nichts davon, und jetzt steht schon fest, bevor man zum Erfolg gekommen ist bei dieser Suche, dass es die Hamas war?

Hadas-Handelsman: Nach unseren Intelligence-Informationen wurde diese Entführung von Hamas-Terroristen verübt. Selbstverständlich müssen wir erstens die Jugendlichen erreichen und ihre Entführer, und dann werden wir bescheid wissen. Aber es ist so: Zurzeit Hamas tagtäglich bedroht, israelische Staatsbürger zu entführen, und die sagen es bevor dieser sogenannten Versöhnung mit Fatah und nach der Versöhnung. Wenn es so ist, ist es für uns sehr klar, dass Hamas dahinter steht, auch wenn sie jetzt sich manövrieren und sagen nichts, oder sagen etwas, und dann bestreiten sie es. Für uns ist es sehr eindeutig. Die drei Jugendlichen, die unterwegs zu ihren Familien zuhause waren, wurden entführt. Die wurden von Hamas-Terroristen entführt. Wir werden sie ergreifen!

Müller: Es ist ein Großaufgebot, darüber haben wir gesprochen. Militärkräfte, Geheimdienstagenten, Polizei sind dort im Einsatz. Es werden Häuser gestürmt, es werden Türen gesprengt, wenn wir das richtig gelesen haben. Ein Palästinenser ist offenbar bei Demonstrationen, bei Protesten erschossen worden. Auch der Parlamentspräsident Asis Dweik, wenn ich das richtig ausgesprochen habe, soll festgenommen worden sein. Sie operieren im Rahmen eines rechtlichen Kontextes. Ist das alles rechtlich?

Hadas-Handelsman: Ja! Kennen Sie irgendwo noch einen anderen Staat, der seine Staatsbürger nicht verteidigt, der gegenüber seinen Staatsbürgern nicht verpflichtet ist, sie zu retten, wenn Sie in Not sind? Wir reden über Jugend, wir reden über Burschen, die 16 Jahre oder 18 Jahre alt sind, Schüler in einer rabbinischen Schule, die entführt wurden. Und warum? Nur, weil die Juden und Israelis sind? Wissen Sie, sie versuchen, dauerhaft uns zu töten, besonders Kinder und Zivilisten, während wir auch in diesen Tagen palästinensische Kinder medizinisch behandeln in israelischen Krankenhäusern. Das ist der Unterschied.

"Wenn es an uns hängt, sollte niemand sein Leben verlieren"

Müller: Meine Frage ist aber, ob die Mittel, die Sie einsetzen, angemessen sind.

Hadas-Handelsman: Die Mittel, die wir einsetzen, sind die Mittel, die nötig sind, um diese jungen Burschen zu ergreifen.

Müller: Das ist Gewalt.

Hadas-Handelsman: Wenn es Gewalt ist, dann muss es Gewalt sein. Wie kann man das anders erreichen? Die Entführer könnten kommen und sagen, okay, wir lassen sie frei. Das ist eine Ermittlung!

Müller: Jetzt ist ein Palästinenser dabei umgekommen, ein vielleicht unbeteiligter Palästinenser, der demonstriert hat. Wir kennen die Hintergründe nicht, wir jedenfalls wissen es nicht. Wie groß ist denn die Gefahr? Wie groß ist die Gefahr, dass noch mehr Menschen bei dieser Aktion jetzt umkommen?

Hadas-Handelsman: Leider besteht die Gefahr jeden Tag dort und wenn es an uns hängt, sollte niemand sein Leben verlieren. Wir waren im Rahmen von Friedensverhandlungen, wenn ich Sie und die Zuhörer daran erinnern darf. Das wurde unterbrochen wegen dieser Versöhnung und man erwartet, dass Israel mit einer Organisation, die in der Öffentlichkeit tagtäglich, auch heute bestreitet das Existenzrecht des Staates Israel, ist Verpflichtet für die Zerstörung des Staates Israel, und ich zitiere ihre Führer, die das tagtäglich, auch heute nach dieser sogenannten Vereinigungsregierung das sagen. Was wollen Sie, dass wir tun, dass wir sitzen und warten, dass sie unsere Kinder entführen, dass sie uns töten, dass sie unsere Staatsbürger um Mitternacht mit Raketen angreifen, nur weil sie dort wohnen?

Müller: Herr Hadas-Handelsman, meine Aufgabe ist hier, Sie zu fragen. Sie antworten.

Hadas-Handelsman: Ja, ja! Meine Aufgabe ist es, Ihnen zu antworten.

"Abbas ist verantwortlich für das, was in seinem Gebiet passiert"

Müller: Ich habe noch eine Frage. Wir müssen ein bisschen auf die Zeit achten. Jetzt haben Sie auch einmal gesagt, für uns ist Mahmud Abbas, der Palästinenserpräsident von der Fatah, wichtig. Er ist jetzt mit Hamas zusammengegangen in eine Konsensregierung, Einheitsregierung. Desavouieren Sie ihn damit? Machen Sie ihn damit überflüssig?

Hadas-Handelsman: Mahmud Abbas als der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde ist verantwortlich für das, was in seinem Gebiet stattfindet. Diese Attentäter sind aus seinem Gebiet unter seiner Herrschaft herausgekommen und wahrscheinlich verstecken sie sich dort. Wir erwarten, dass sie alles, was möglich ist, und mehr noch tun, um dieses Attentat aufzulösen, diese Geschichte aufzulösen und auch die Terroristen zu finden.

Müller: Bei uns heute Morgen live im Deutschlandfunk Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman. Danke für das Gespräch, auf Wiederhören nach Berlin.

Hadas-Handelsman: Schönen Tag.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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