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StartseiteForschung aktuellViel hilft nicht viel31.07.2006

Viel hilft nicht viel

Krebsschutz von Obst und Gemüse ist geringer als angenommen

<strong>Medizin. - Wer mehr Obst und Gemüse isst, erkrankt seltener an Krebs des oberen Verdauungstraktes - so fanden deutsche Ernährungsforscher heraus. Allerdings gilt das nur, wenn weniger als 300 Gramm Obst und Gemüse verzehrt wurden. Männer profitieren davon indes besonders.</strong>

Von William Vorsatz

Auch Gemüse und Obst können nicht vor Krebs feien. (AP)
Auch Gemüse und Obst können nicht vor Krebs feien. (AP)

Frisches Obst und Gemüse sind zurzeit besonders preiswert. Und sie sind die beste Medizin gegen verschiedene Krebserkrankungen. So können sie insbesondere vor Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs schützen, so das Fazit der so genannten EPIC-Studie. Sie erfasst seit 1992 die Essgewohnheiten und die Gesundheit von einer halben Millionen Probanden aus zehn europäischen Ländern. Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam Rehbrücke:

"Personen, die mehr Obst oder Gemüse aufgenommen haben, haben ein verringertes Risiko. Wir haben pro Portion Obst und Gemüse, 80 Gramm also, gesehen, dass das Risiko um neun Prozent absinkt."

Im Durchschnitt. Allerdings lässt sich der Schutzeffekt nicht beliebig steigern. Etwa 350 Gramm täglich seien notwendig, davon 200 Gramm Obst und etwa 150 Gramm Gemüse, schätzen die Experten:

"Oberhalb also dieser Aufnahme sieht man keine Risikoveränderung mehr. Man muss natürlich sagen, dass erstmal diese Beobachtung also speziell für diese Krebsform gilt. Aber ich denke, dass wir also auch in anderen Analysen zum Beispiel bei Nierenkrebs gesehen haben, dass auch eine ähnliche Risikobeziehung existiert. "

Männer und Frauen reagieren allerdings recht unterschiedlich auf zu wenig täglichen Obst- und Gemüseverzehr. Bei Frauen vermindert sich das Krebsrisiko im oberen Verdauungstrakt um lediglich vier Prozent pro 80 Gramm mehr an Obst und Gemüse täglich. Bei Männern sind es dagegen im Schnitt gleich zwölf Prozent. Dies lässt sich relativ einfach erklären: Europas Männer essen generell besonders wenig Obst und Gemüse. Deshalb profitieren sie vom Mehrverzehr viel stärker. Krebsgeschwüre in Mund, Rachen, Kehlkopf sowie der Speiseröhre werden vor allem durch Alkohol und Tabakrauch ausgelöst. Hier sind die Männer vorn. Professor Boeing warnt allerdings vor dem Trugschluss, dass genug Obst- und Gemüsekonsum dieses Risiko aufheben könnten:

"Es wäre eine Milchmädchenrechnung. Also wenn man sagt: ich rauche, ich trinke und jetzt nehme ich also viel Obst und Gemüse auf, und deshalb ist mein Risiko also fast gleich. Also das Risiko ist gerade in dieser Personengruppe, die beides macht, relativ hoch. Also wir haben mal eine Untersuchung gemacht: das Risiko ist um das 50fache erhöht, wenn beide Faktoren also vorliegen. Rauchen und Alkohol trinken – mit einer relativ großen Ausprägung. "

Welche Substanzen genau vor Krebs im oberen Verdauungstrakt schützen, wissen die Experten noch nicht. Dazu sind zunächst weitere Tierexperimente nötig. Bisher ist lediglich der Schutz einiger Beeren für Mäuse belegt. Obst und Gemüse sollten etwa zur Hälfte roh und der andere Teil gegart verzehrt werden. Der Garprozess schließt bestimmte schützende Substanzen oft erst für die Verdauung auf, beispielsweise bei Karotten. Mehr Obst und Gemüse müssen keine Einschränkung sein. Auf Genuss braucht deshalb niemand verzichten. Das beweist der vegetarische Imbiss auf dem Gemüsemarkt:

"Hier mal kosten, rein pflanzlich bei uns, wir haben Partybällchen, Bulette, Hamburger, Cheeseburger, Gyros, Hack, blutig dank Roter Beete, alles kein Problem. "

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