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Vision Desertec

Wie das Wüstenstromprojekt allmählich seine Arbeit aufnimmt

Von Michael Stang

Nicht nur in Andalusien, sondern auch in Nordafrika sollen Solarkraftwerke entstehen.
Nicht nur in Andalusien, sondern auch in Nordafrika sollen Solarkraftwerke entstehen. (Deutschlandradio - Ralf Krauter)

Energie. - Desertec gilt als eines der ambitioniertesten Projekte weltweit. In den afrikanischen Wüsten soll schon bald aus Sonnenenergie Strom gewonnen werden, der nicht nur Afrika, sondern auch Europa versorgen soll. Gelingen soll dies mithilfe von riesigen Solarthermiekraftwerken. Jetzt wird die Vision des Wüstenstromprojekts immer konkreter.

Die kleine Stadt La Marsa befindet sich im Nordosten Tunesiens, rund 18 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Tunis entfernt, direkt am Mittelmeer. Hier befindet sich seit vergangenem Jahr die nordafrikanische Zentrale der Desertec Industrie-Initiative, die 2009 aus der Desertec-Foundation hervorgegangen ist. Ihr Ziel: 2050 sollen rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs mit Strom aus der Wüste gedeckt werden. René Buchler leitet das Büro in La Marsa. Für den Luxemburger ist klar, dass das erste Kraftwerk in Marokko stehen wird.

"Wir haben dieses Pilotprojekt in Marokko aufgesetzt, weil in Marokko Voraussetzungen geschaffen sind, die das Projekt schnell in eine Bauphase bringen können."

Spätestens Anfang 2013 werde die Entscheidung über den Standort des Solarkraftwerks fallen. Marokko bietet viele Vorteile. Da es keine Gas- oder Kohlevorkommen besitzt und so Energie kaufen muss, sei das Land sehr an erneuerbaren Energien interessiert, zudem besteht bereits eine elektrische Anbindung an das europäische Netz – ein 15 Kilometer langes Tiefseekabel führt direkt nach Spanien.

"Also, wir reden hier von einem Pilotprojekt. Das Pilotprojekt hat natürlich einen Termindruck, aber wesentlich ist hier, dass wir das Projekt so gestalten, dass es ein Lernprojekt ist für alle Teilhaber: wir schätzen aber, dass aus unser heutigen Planung 2016 bereits Strom fließen kann."

Das Solarkraftwerk soll René Buchler zufolge vorerst auf 150 Megawatt Leistung ausgerichtet werden, später sei ein Ausbau denkbar. Bei den Kraftwerken wird in tausenden trogförmigen Glasspiegeln Sonnenlicht gebündelt. Dieses erhitzt Rohre, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Flüssigkeit wird zu einem Wärmetauscher geleitet, wo Dampf entsteht, der eine Turbine antreibt.

"Um Anlagen in einer wirtschaftlichen Größenordnung an die großen Verteilnetze zu bringen, brauchen wir Kapazitäten von 500 Megawatt aufwärts, wir sprechen sogar von Clustern von bis zu zwei Gigawatt, die dann einen maßgeblichen Anteil an dem Strombedarf für die Region liefern, sowohl für das Erzeugerland, das heißt in diesen Fall Marokko, aber dann auch diese Exportkomponente, die wird ins europäische Festland führen wollen."

Ob das erste Kraftwerk tatsächlich in Marokko oder vielleicht doch in Tunesien stehen wird, ist noch nicht klar. Die Desertec Foundation überraschte kürzlich mit der Mitteilung, dass schon in zwei Jahren in Tunesien im Rahmen des "TuNur"-Projekts das erste solarthermische Kraftwerk gebaut werden soll - 2016 soll es schon ans Netz angeschlossen werden. An diesem Kraftwerk wird René Buchler mit der Desertec Industrie-Initiative jedoch nicht beteiligt sein. Unabhängig davon, welches Kraftwerk - ob Marokko oder Tunesien - das Rennen machen wird, müssen noch einige Hürden überwunden werden. Da der Strom noch nicht gespeichert werden kann, muss er direkt ins Netz gespeist werden. Das kann zu Problemen führen.

"Es hängt davon ab, wie viel Energie aus diesen Kraftwerken in das lokale Netz übernommen werden kann. Die lokalen Netze haben alle eine Maximalgrenze an Aufnahmefähigkeit für erneuerbare Energien, weil ja diese Energien ausbalanciert werden müssen mit fossilen Kraftwerken. Das heißt, wenn sehr viel Strom aus der Sonne kommt, müsste man die Gaskraftwerke zurückdrehen, weil man muss allen Sonnenstrom abnehmen, der kommt."

Bevor sich die Verantwortlichen mit solchen Problemen wie die der Netzeinspeisung nach Europa kümmern können, muss erst einmal überhaupt eine Unterwasserleitung gebaut werden, die den Strom von Tunesien aus 100 Kilometer weit nach Sizilien transportiert. Nicht nur solche technischen Herausforderungen könnten Investoren verunsichern, instabile Regierungen und Politikwechsel wie durch den Arabischen Frühling ebenso. Für René Buchler ist das allerdings kein Problem.

"Wie wir schon in der Vergangenheit gemerkt haben, dass die Idee eigentlich von einer Mehrzahl von Leuten in der Bevölkerung und in den Regierungs- und Amtsstuben mitgetragen wird. Wir gehen also davon aus, dass diese Unterstützung auch beibehalten wird."

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