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StartseiteForschung aktuellVollkorn gegen Pfunde05.01.2011

Vollkorn gegen Pfunde

Der Jo-Jo-Effekt lässt sich bändigen

Diätfans kennen und fürchten ihn: den Jo-Jo-Effekt. Die Pfunde, die man sich mühsam heruntergehungert hat, sind ein paar Monate später wieder da. In einer großen Studie haben Ernährungswissenschaftler aus ganz Europa den Effekt untersucht und sind dabei auf ein paar handfeste Tipps gegen den Weihnachtsspeck gestoßen

Von Marieke Degen

Eine Ernährungsumstellung senkt das Gewicht dauerhaft. (AP)
Eine Ernährungsumstellung senkt das Gewicht dauerhaft. (AP)

Vor einiger Zeit hat in Kopenhagen ein ganz besonderer Supermarkt eröffnet. Auf den ersten Blick sieht er aus wie jeder andere; von der Tiefkühlpizza bis zum Dosenobst ist hier alles zu haben. Doch die Familien, die hier einkaufen, sind allesamt übergewichtig. Und: Bezahlen müssen sie auch nichts. Statt Kassierern sitzen ein paar Forscher am Ausgang und dokumentieren ganz genau, wer sich was in den Einkaufswagen gepackt hat. Die Familien nehmen an einer großen europäischen Ernährungsstudie teil. Einer der Studienleiter ist der Ernährungswissenschaftler Thomas Meinert Larsen von der Universität in Kopenhagen.

"Wir erleben das oft, dass Menschen zwar gut abnehmen können. Aber in vielen Fällen kehren die Pfunde nach der Diät wieder zurück. Die Leute machen dann die nächste Diät, nehmen wieder ab, werden anschließend aber wieder dicker und so weiter. Wir wollten nicht herausfinden, wie man am besten Gewicht verliert. Sondern wie man ein niedriges Gewicht auch halten kann."

Mit welcher Ernährungsweise lässt sich der Jo-Jo-Effekt also am besten bändigen? Die Forscher hatten da schon eine Vermutung: mit eiweißreicher Kost wie magerem Fleisch, Milchprodukten und Hülsenfrüchten. Und: mit Nahrungsmitteln, die einen niedrigen Glykämischen Index haben. Das bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer ansteigt und nicht so schnell wieder abfällt. Thomas Meinert Larsen und seine Kollegen wollten das aber im großen Stil überprüfen. An ihrer Studie haben rund 800 übergewichtige Familien aus ganz Europa teilgenommen.

"Die Erwachsenen haben wir erst einmal acht Wochen auf Diät gesetzt. Dabei haben sie im Schnitt elf Prozent ihres Gewichts verloren."

Danach wurden die Erwachsenen in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe hatte einen anderen Speiseplan. Die Teilnehmer aus Kopenhagen und Maastricht haben dann unter Aufsicht in einem Forschungssupermarkt eingekauft, alle anderen haben einfach nur Anweisungen bekommen, was genau sie kochen müssen. Nach sechs Monaten haben die Forscher die Probanden wieder auf die Waage gestellt. Und siehe da: Bei einer Gruppe war der Jo-Jo-Effekt praktisch ausgeblieben. Und zwar wie erwartet bei denen, die eine sehr eiweißreiche Kost mit einem niedrigen Glykämischen Index kombiniert haben.

Eine Ernährungsweise, die sich im Alltag gut umsetzen lässt, auch ohne Ernährungsberater, sagt Thomas Meinert Larsen.

"Es geht nicht darum, riesige Mengen an Proteinen zu sich zu nehmen, das würde einem wahrscheinlich ziemlich schnell zum Hals raushängen. Aber wenn man etwas mehr Fisch, mageres Fleisch oder Milchprodukte isst und dann noch Kohlenhydrate auswählt, die einen niedrigen Glykämischen Index haben, dann bleibt das Gewicht stabil."

Ein Problem gibt es allerdings: Bei vielen Lebensmitteln ist der Glykämische Index nicht bekannt, oder nicht auf den Verpackungen angegeben. Aber das lässt sich relativ einfach lösen.

"Man hat schon viel gewonnen, wenn man auf Vollkornprodukte setzt, also auf die Vollkornvarianten von Brot, Reis und Nudeln. Denn die haben in der Regel den niedrigsten Glykämischen Index."

Doch warum bleiben wir mit Hilfe von Proteinen und Vollkornprodukten schlank? Die Erklärung ist nicht wirklich überraschend: Proteine und Vollkornprodukte machen einfach länger satt. Und wenn die Menschen länger satt sind, essen sie weniger und nehmen automatisch weniger Kalorien zu sich.

"Der Blutzuckerspiegel steigt nicht so stark an, dadurch fühlen sich die Probanden ebenfalls länger gesättigt. Außerdem könnte es sein, dass der Körper etwas mehr Energie verbraucht, wenn er Nahrungsmittel mit viel Proteinen und einem niedrigen Glykämischen Index verwertet. Aber ob das wirklich ausschlaggebend ist, können wir im Moment noch nicht sagen."

In der Studie haben übrigens auch die übergewichtigen Kinder vom Speiseplan der Eltern profitiert. Wenn die Kinder wegen ihrer Eltern ebenfalls viel Proteine und Vollkornprodukte essen mussten, sind ihre Pfunde ebenfalls dahingeschmolzen.

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