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StartseiteKalenderblattVon den grünen Hügeln25.01.2009

Von den grünen Hügeln

Zum 250. Geburtstag des schottischen Dichters Robert Burns

In Deutschland neidete Goethe dem schottischen Nationaldichter Robert Burns, dass dessen Gedichte stärker in seinem Volk lebendig seien als seine eigenen. Bismarck hatte Burns-Verse auf den Lippen, als er seiner späteren Frau einen Heiratsantrag machte, und der 1919 ermordete Karl Liebknecht zitierte sterbend im Angesichts des Todes Burns' Gedicht "Trotz alledem".

Von Christian Linder

Dudelsackspieler (AP)
Dudelsackspieler (AP)

Willkommen und Abschied in einem. Überall auf der Welt ist dieses Gefühl bekannt, das Robert Burns in "Auld lang syne", einem seiner schönsten Gedichte festgehalten hat: Abschied, Erinnerung an alte, vergangene Zeiten, "ach, lang ist's her", und gleichzeitig die Hoffnung und Erwartung, dass das Leben weitergeht und noch glückliche Tage bringen wird. Vor allem natürlich in Schottland werden Burns' Verse jedes Jahr am 25. Januar anlässlich seines Geburtstags zitiert, denn kein anderer Schriftsteller gilt den Schotten so sehr als ihr Nationaldichter wie Robert Burns.

Sein Herz lebe ganz und gar in der schottischen Landschaft, schrieb Burns, und diese Landschaft der Highlands mit den grünen Hügeln, den tiefen Tälern, Flüssen und Seen und einem bewegten, riesigen Himmel darüber, taucht vor dem inneren Auge jedes Lesers sofort auf. Geboren am 25. Januar 1759 in Alloway in Ayrshire im Südwesten Schottlands als siebtes Kind einer armen Bauernfamilie, musste Burns zwar von früh an auf den Äckern und Feldern mitarbeiten, aber sein Vater legte auch Wert darauf, dass der Sohn eine gute Schulausbildung erfuhr. Trotz der Plackerei der Familie konnte die von den Eltern gepachtete Farm nicht gehalten werden, und auch als Burns später selber Farmer wurde, war er nach kurzer Zeit ruiniert. Er überlegte, nach Jamaika auszuwandern, weil ihm auch der anschließend erlernte und ausgeübte Beruf eines Steuerbeamten nicht behagte, aber da hatte Burns längst zu schreiben begonnen und fand sich fast über Nacht als berühmter Schriftsteller vor, dessen Gedichte, Balladen und Lieder die Stimmung seines Volkes wiedergaben.

"Der dichterische Genius meines Landes entdeckte mich so, wie der prophetische Sänger Elia den Elisa entdeckte, nämlich hinter dem Pflug, und warf mir seinen inspirierenden Mantel über. Er befahl mir, die Liebe, die Freuden, die Szenen des Landlebens und der rustikalen Genüsse der Scholle zu singen, aus der ich hervorging, und zwar in der mir angeborenen Sprache."

In Edinburgh wurde der Autor wegen seines überwältigenden Konversationstalents herumgezeigt, und auch ein offenbar wildes Liebesleben war offizielles Gesprächsthema.

"The sweetest hours that e'er I spend / are spent among the lassies."

Diese "schönsten Stunden" brachten ihm zwar auch Ärger seitens einiger Eltern der Mädchen ein, aber bei seinen Zeitgenossen noch größeren Ruhm. "Welch ein widersprüchlicher Geist!" rühmte ihn Lord Byron.

"Zärtlichkeit und Rohheit! Eleganz und Ruppigkeit! Innigkeit und Sinnlichkeit! Erhabenheit und Gemeinheit! - das Kotige und das Göttliche: Alles drängt sich in diesem Gebilde inspirierten Lebens zusammen."

Durch Burns' Gedichte und Lieder wehte aber auch noch ein anderer Geist, und er drückte die politische Stimmung im Europa des ausgehenden 18. Jahrhunderts aus. Es war vor allem Thomas Paines 1791 erschienenes Buch "Rights of Man", "Die Rechte der Menschen", die Burns zu seinem wohl berühmtesten Gedicht in der Art einer feierlich-trotzigen Proklamation inspirierte: "A Man's a Man for a' That"; in der Liedversion gilt der Text heute als schottische "Internationale". In Deutschland hat Ferdinand Freiligrath das Gedicht unter dem Titel "Trotz alledem" übersetzt und durch eine Veröffentlichung in der von Karl Marx und Friedrich Engels herausgegebenen "Neuen Rheinischen Zeitung" berühmt gemacht. Der Glaube an das Naturrecht jedes Menschen ging einher mit der Einsicht in die Vergänglichkeit, die Burns in vielen seiner Gedichte und Lieder anbot. Nach seinem frühen Tod im Alter von nur 37 Jahren - er starb an einem Herversagen, das seine Biographen auch auf die schwere Landarbeit in seiner Kindheit und Jugend zurückgeführt haben - kam bald darauf der Weltruhm.

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