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StartseiteUmwelt und VerbraucherVon der Kirsche bis zur Flatrate26.01.2009

Von der Kirsche bis zur Flatrate

Wie viel Energie verschiedenste Produkte wirklich verbrauchen

Ob Waschmittel, Kaffee oder der Telefonanschluss - jedes Produkt, das wir konsumieren, verbraucht Energie: bei der Herstellung, beim Transport, beim Konsumenten. Wie viel Energie das jeweilige Produkt benötigt, wollten einige Unternehmen und Umweltverbände genau wissen. In einem Modellprojekt haben sie die Energiebilanz verschiedenster Gegenstände untersucht. Die Ergebnisse überraschten.

Von Dorothea Jung

Wie viel Energie benötigen Kirschen, bis sie zum Verbraucher gelangt sind? (AP)
Wie viel Energie benötigen Kirschen, bis sie zum Verbraucher gelangt sind? (AP)

Klimabilanzen zeigen: 40 Prozent aller CO2-Emissionen entstehen durch das, was wir täglich konsumieren und entsorgen. Will man eine Reduktion von Treibhausgas erreichen, muss man sich folglich nicht nur um energiesparende Häuser, Kühlschränke und Autos kümmern, sondern auch um Alltagsprodukte. Deswegen hat Jacob Bilabel von der Unternehmensberatung "Thema 1" die unterschiedlichsten Firmen gebeten, Fallstudien für das Pilotprojekt zu erarbeiten.

"Das ist einmal die BASF, die Deutsche Telecom mit einem Telefon-Anschluss; Tchibo berechnet einen Kaffee, die Firma Henkel Persil Megapearls und weitere Unternehmen; insgesamt zehn. Der Ansatz im Pilotprojekt ist, über möglichst viele Produkte Aussage treffen zu können."

Ziel des Projektes: die Ermittlung von Treibhausgas-Emissionen normaler Konsum-Produkte - und zwar entlang ihres gesamten Lebenszyklus. In aller Regel wird dabei der Energieverbrauch in Klimaäquivalente umgerechtet. Jacob Bilabel erklärt das am Beispiel des Kaffees.

"Der Kaffee wird angebaut. Im Anbauprozess fallen Treibhausgase an, bis der Kaffee vom Erzeugerland bei uns in den Laden gelangt. Dann brühen Sie sich Ihre Tasse auf: Da wird auch wieder Energie fällig. Und dann wird der Kaffee und das, was davon übrig ist, entsorgt. Und dabei fallen wieder schädliche Klimagase an. Und der CO2-Fußabdruck versucht, diese Gase im Gesamten zu bilanzieren."

Stefan Dierks ist als Manager bei Tchibo in Hamburg für das Pilotprojekt verantwortlich. Er sagt, als Kaffeeröster sei Tchibo schließlich von guten klimatischen Bedingungen abhängig. Dieses Argument habe letzten Endes alle Abteilungen davon überzeugt, mitzumachen. Das Ergebnis habe ihn allerdings überrascht, gesteht Stefan Dierks am Telefon.

"Insbesondere darüber, wo sich die sogenannten Hotspots der Treibhausgas-Emissionen befinden. Zum Beispiel hätte man annehmen können, dass das Thema 'Transport' sehr relevant ist, aber der wesentliche Hotspot befindet sich wirklich im Kaffee-Anbau und ein weiterer in der Kaffeezubereitung. Und das war uns im Vorfeld wirklich nicht bewusst."

Wie viel Gramm CO2 durch ein Pfund des untersuchten Kaffees entstehen, wollte der Tchibo-Manager noch nicht preisgeben. Wegen einer fehlenden Harmonisierung der Methoden lägen keine Vergleichsdaten vor. Auch wolle er der Diskussion auf dem heutigen Symposium nicht vorgreifen. Auf jeden Fall aber werde der CO2-Fußabdruck sein Unternehmen dazu anregen, noch mehr auf Energie-Effizienz zu achten. Ähnlich das Fazit der Deutschen Telecom.

"Wir haben untersucht, was an CO2 anfällt, wenn man im Festnetz telefoniert und mit einer Flatrate im Internet surft","

erläutert die Leiterin der Umweltschutzabteilung der Telecom-Festnetzsparte. Laut Claudia Schwab fallen beim Call-and-Surf-Comfort-Paket knapp 100 Kilogramm CO2 im Jahr an.

""Es entsteht ungefähr gleich viel CO2 bei uns im Netz wie für den Betrieb des Rooters. Das ist ja ein Energieverbrauch, der beim Kunden stattfindet. Und das liefert uns eine gute Basis für weitere Optimierungsmaßnahmen - gerade aus dem Gesichtspunkt heraus, dass wir im Moment ein neues Netz aufbauen."

Auch für den Betrieb des Rooters ergeben sich nach Meinung der Telecom-Managerin Möglichkeiten, in Kooperation mit dem Hersteller Energie einzusparen. Das Pilotprojekt zum CO2-Fußabdruck soll nach Angaben der Teilnehmer nicht in der Schaffung eines goldenen Klima-Engels oder CO2-Labels münden. Vielmehr gehe es darum, eine methodische Grundlage zu erarbeiten, mit der Unternehmen belastbare Klimadaten über ihre Produkte erhalten können, damit sie - und schließlich auch die Verbraucher - auf allen Ebenen Maßnahmen zum Klimaschutz treffen können.

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