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StartseiteSport am WochenendeVon der Schulturnhalle ins Olympiastadion?20.05.2013

Von der Schulturnhalle ins Olympiastadion?

Wushu-Kämpfer fristen in Deutschland ein Schattendasein

Der chinesische Kampfsport Wushu will 2020 olympisch werden. In Deutschland ist die Sportart kaum bekannt. Ein Ortsbesuch bei den Deutschen Meisterschaften.

Von Christian Bartlau

Wushu-Performance (picture alliance / dpa)
Wushu-Performance (picture alliance / dpa)

Die Sporthalle des Marie-Curie-Gymnasiums in Düsseldorf. Ein nüchterner Zweckbau, mit engen Gängen und einer Tribüne für 200 Zuschauer. Hier finden die deutschen Meisterschaften einer Sportart statt, die vielleicht ab 2020 olympisch ist: Wushu. Sofort fällt auf: Optisch würde Wushu die Olympischen Spiele garantiert bereichern. Man sieht Karateka-Kluften mit gelben und roten Gürteln; kunstvoll mit Band umwickelte Strümpfe, und Seidenanzüge, einige mit Stickereien verziert. Wushu stammt aus China, wo es eine jahrtausende alte Tradition hat. Im Westen wurde es bekannt durch die Kung-Fu-Filme mit Bruce Lee. Auch Chun Fun Lee begeisterten diese Streifen für Wushu. Heute ist der 22-Jährige aus Bonn einer der Aktiven in Düsseldorf.

"Das kommt von den ganzen Kung Fu Filmen, die immer etwas sehr übertrieben sind mit so fliegenden Techniken und an den Wänden laufen, und das hätte ich auch gerne gemacht."

Lee ist gebürtiger Deutscher. Seine Familie stammt aus China. Eine Verwandte brachte ihn zu einem chinesischen Meister, da war Lee zwölf. Seitdem trainiert er hart – momentan sechsmal die Woche, vier Stunden lang. Und das in einem Sport, in dem es in Deutschland keine Profis gibt. Leben können von Wushu nur einige Trainer. Doch Chun Fun hat große Ziele:

"Ich möchte nach Kuala Lumpur fahren, zur Weltmeisterschaft. Einfach nur mal um zu sehen wie sich das da entwickelt hat, das internationale Level mal zu sehen. Wenn es möglich ist, würde ich als Teilnehmer hinfahren und versuchen auch einen guten Platz für Deutschland zu holen."

Favoriten sind in Kuala Lumpur die Athleten aus China – dort ist Wushu Massensport. Deutschland liegt im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Kein Wunder: Die deutsche Wushu Föderation DWF zählt nur viertausend organisierte Aktive. Zu wenig, um Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund DOSB zu werden.

"Wushu ist halt eine Randsportart bei uns."

Sagt DWF-Präsident Roland Czerni. Ohne die Mitgliedschaft im DOSB fließen auch keine Fördergelder. Der gesamte Verband wird ehrenamtlich geführt, es gibt keine hauptamtlichen Trainer für das Nationalteam. Der einzige Leistungsstützpunkt musste wegen Geldmangels wieder aufgelöst werden. Für Sponsoren ist Wushu derzeit unattraktiv. Die Deutschen Meisterschaften finden quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, gibt auch Czerni zu:

"Die Gäste, also das Publikum was sich da einfindet in der Halle, das sind meist dann Eltern oder andere Begleiter die aber mit dem Sport sowieso zu tun haben. Das ist eben die Schwierigkeit. Der Bekanntheitsgrad von Wushu ist eben noch nicht der, den wir uns gerne wünschen würden."

Das könnte sich mit der Aufnahme ins Programm der Olympischen Spiele schlagartig ändern. Eigentlich umfasst Wushu einhundertneunundzwanzig Stile der chinesischen Kampfkunst. Sie tragen klingende Namen wie Qiangshu, Hongquan, oder Wudang. Zur besseren Übersicht für die Zuschauer würde das Programm auf modernes Wushu beschränkt. Das umfasst zum Einen die Kontaktsportarten: eine Mischung aus Kickboxen und Ringen. Zum anderen Taolu: eine akrobatische Performance aus Kampfbewegungen, wahlweise mit oder ohne Waffen.
Bei den Deutschen Meisterschaften ist die enorme Vielfalt von Wushu noch gut erkennbar – es gibt 91 Einzelwertungen. In einigen Kategorien treten deswegen nur wenige Athleten an. Im Dao-Shu, der Säbelkunst, hat Chun Fun Lee nur einen Konkurrenten.

"Chun Fun Lee bitte."

Lee schleudert das Säbel vor und zurück, läuft wenige Schritte, springt dann hoch in die Luft, tritt mit seinem Fuß an seine erhobene Hand, und landet in einer Hocke. Acht Kampfrichter mustern seine Vorführung genau. Sie achten auf jedes Detail: Jeden Tritt, jeden Schlag. Sogar auf die Kampfschreie.


Eine Minute zwanzig dauert Lees Performance, nach sechzig Sekunden sieht man die Anstrengung in seinem Gesicht. Er darf sie sich aber nicht anmerken lassen: Die Darbietung muss schnell und leicht aussehen.

Lee ist zufrieden mit seiner Vorführung. Aber sein Konkurrent Heinrich Wolf ist heute besser: Er landet sogar einen gedrehten Sprung sauber im Spagat.
Wushu ist ein Sport, mit dem man angeben kann. Einige Athleten beherrschen den Rückwärtssalto aus dem Stand, andere drehen sich bei ihren Sprüngen zweimal um die eigene Achse. Für Chun Fun Lee liegt genau hier die Faszination von Wushu:

"Man experimentiert son bisschen, was kann man mit seinem eigenen Körper machen, wie wirkt sich das aus, was sehen die Leute? Also dieses Rumprobieren, das macht mir eigentlich am meisten Spaß."

Trainieren wird Chun Fun Lee weiter für sein großes Ziel:

"Also mein Traum ist es Weltmeister zu werden, und danach würde ich gerne Wushu noch mehr verbreiten. Natürlich ist das alles ein bisschen groß, aber Träume soll man ja haben."

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