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StartseiteForschung aktuellVon LTE bis Boot to Gecko27.02.2012

Von LTE bis Boot to Gecko

Bericht vom "Mobile World Congress" in Barcelona

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona werden zurzeit wieder die Neuerungen aus der Welt der Smartphones und des mobilen Internets präsentiert. Computerjournalist Manfred Kloiber erläutert im Interview mit Monika Seynsche, was in diesem Jahr die Messeknüller sind.

Besucher der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona bestaunen neue Technik.  (picture alliance / dpa/Alberto Estevez)
Besucher der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona bestaunen neue Technik. (picture alliance / dpa/Alberto Estevez)
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Neuheiten der Mobilfunkbranche

Monika Seynsche: Jedes Jahr im Februar, wenn die meisten von uns verschnupft im Funkhaus im tristen Köln sitzen, dürfen immer ein paar Kollegen für einige Zeit nach Barcelona fliegen. Da findet nämlich alljährlich der Mobile World Congress statt - die weltgrößte Mobilfunkmesse. Für uns ist dieses Jahr Manfred Kloiber nach Spanien gereist und hat sich dort schon den Tag über auf der Messe umgesehen. Herr Kloiber, was sind denn die großen Themen?

Manfred Kloiber: Es sind die Handys für das neue Mobilfunknetz LTE, die hier im Mittelpunkt des Interesses stehen. Seit dem letzten Jahr wird ja dieses Netz der vierten Generation in vielen Ländern der Welt aufgebaut. In Deutschland etwa hat Köln als erste Großstadt ein LTE-Netz bekommen. Nun gibt es hier also die Handys mit einem Funkteil für Long Term Evolution zu sehen. Und das ist dann gleichzeitig auch ein Paradigmenwechsel im gesamten Mobilfunk. Denn LTE ist das erste Telefonnetz, das von Anfang an nicht mehr auf die sogenannte leitungsvermittelte Technik setzt, sondern allein auf die mobile Internettechnologie. Wenn man also mit einem LTE-Telefon anruft, dann wird nicht mehr eine separate Leitung von Telefon zu Telefon geschaltet, sondern alles läuft über das Internet.

Seynsche: Und warum ist das so bemerkenswert?

Kloiber: Nun ja, ab jetzt sind Smartphones eben keine Telefone mehr Internetzugang, sondern tragbare Hochleistungscomputer mit einem bis zu 100 Megabit schnellen Internetzugang, über die man dann auch noch telefonieren kann. Und zwar nicht nur als Audioverbindung, sondern auch als Videokonferenz - zum Beispiel mit bis zu sieben Teilnehmern auf dem kleinen Handybildschirm. Aber mit der eingebauten Kamera und mit dem Mikrofon im tragbaren Internet-Terminal boomt dieser Dienst wirklich ganz doll. Regelrecht geht das hier ab mit der Videokonferenz - überall zu sehen. Und das alles gibt es für die leistungsfähigen Handys eben kostenlos, einfach als App. Das setzt aber die Netzbetreiber unter enormen Druck. Denn sie wissen nicht so genau, ob man ohne feste Preise für ein Telefonat oder eine SMS überhaupt noch genug Geld verdienen kann. Alles läuft ja über das mobile Internet. Und dafür gibt es dann die Flatrate. Auf der anderen Seite müssen sie in immer schnellere Netze investieren. Das kostet eben.

Seynsche: Und was zeichnet diese neuen Handys sonst noch aus?

Kloiber: Naja, neben dem Design ist das vor allem die technische Ausstattung. Abgesehen von der Funktechnik. Die meisten Handys haben ja gleich für mehrere Netze diese Technik integriert. Aber immer bessere Kameras für Fotos oder Videos - das sind hier so die Merkmale. Surround-Ton zum Beispiel ist ein anderes.

Seynsche: Surround-Ton stelle ich mir sehr schwierig vor, wenn ich nur ein kleines Handy vor mir habe.

Kloiber: Naja, da brauchen sie dann spezielle Kopfhörer oder eben eine Docking-Station für HiFi-Anlage. Die verbindet dann das Handy damit. Viele Mobiltelefone bieten inzwischen aber auch einen direkten Anschluss für ein Fernsehgerät. Die meisten noch per sogenannten HDMI-Kabel, demnächst aber drahtlos über einen weiteren Funkchip im Handy und dem Fernsehgerät. Und so wird dann aus dem Smartphone der tragbare Videorekorder, mit dem man auf Reisen einfach dann den großen Guck-Kasten im Hotelzimmer mit seinen Filmen in HD bestücken kann. Und dann gehört zu einem guten Handy sicherlich auch noch eine gute Grafikeinheit dazu - zum Daddeln, also zum Spielen. Das alles verlangt im Handy Prozessoren und Grafikchips, die sich durchaus mit dem gewöhnlichen PC messen können, dabei aber extrem stromsparend sind. Was noch dazukommen muss, sind sicherlich hier Leistungsdaten, die die Hersteller angeben: Quadcore - die Prozessoren arbeiten also mit vier parallelen Kernen. Das ist alles schon sehr, sehr ambitioniert und sehr, sehr leistungsstark, was hier gezeigt wird. Und das Ganze muss natürlich in der großen Internetwolke stattfinden - Cloudcomputing: das muss auch fürs Mobiltelefon gelten.

Seynsche: Sie hatten im letzten Jahr ebenfalls aus Barcelona berichtet und damals gesagt, es herrscht im Moment ein großer Wettkampf der Betriebssysteme. Ist dieser Wettkampf denn jetzt entschieden in diesem Jahr?

Kloiber: Ja und nein. Klar ist wohl, dass die beiden Platzhirsche Apple und Google den Markt fast vollständig untereinander aufgeteilt haben. Wobei Google mit seinem offenen Android-System vielleicht ein bisschen die Nase vorne hat. Doch Microsoft mit seinem Windows Phone gibt nicht auf, obwohl bislang der nötige Erfolg ausgeblieben ist. Und gerade zu diesem Mobile World Congress hat sich eine neue Koalition herausgestellt und gemeldet mit einem interessanten Projekt: Die Mozilla-Stiftung, eine Open-Source-Initiative bekannt durch den verbreiteten Firefox Internetbrowser, will zusammen mit Telefonica ein neues Handy-Betriebssystem entwickeln. Das heißt Boot to Gecko und es soll eigentlich nur noch aus einem Internetbrowser speziell für Smartphones bestehen, in dem man alle Funktionen integrieren kann - sei es die Videokonferenz, die Textverarbeitung oder der E-Mail-Client. Wichtig dabei ist: Alles soll auf dem neuen und offenen Multimedia-Standard HTML5 basieren.

Seynsche: Und was hat das für Vorteile, wenn ich alles nur noch in einem Browser habe?

Kloiber: Der Vorteil liegt in der einheitlichen klar und offen strukturierten Plattform, für die dann die Softwarefirmen schnell und einfach diese Apps programmieren können - und das selbst, wenn es um komplizierte Multimediafunktionen geht. Das senkt dann für die nicht nur die Kosten, sondern das macht dann auch das Betriebssystem populär, bekommt so eine Chance. Das jedenfalls ist das Kalkül. Experten werten Boot to Gecko deshalb auch als späte, aber interessante Antwort auf den Megaerfolg von Android, das ja ursprünglich auch auf dem offenen Betriebssystem Linux basiert.

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