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StartseiteUmwelt und VerbraucherGefährlicher Hunger nach Holz15.07.2014

Wälder in OsteuropaGefährlicher Hunger nach Holz

Holz wird zum Heizen immer beliebter. Allerdings gelten hierzulande relativ strenge Vorschriften für das Abholzen. In Osteuropa wird dagegen oft unkontrolliert Holz geschlagen. Die EU hat jetzt unter dem Namen RERAM ein Kooperationsprojekt gestartet, das helfen soll, die Forstwirtschaft in Osteuropa effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Von Susanne Kuhlmann

(picture alliance / Klaus Rose)
In Deutschland ist Holzfällen stark reguliert, in Osteuropa wird das Holz unkontrolliert geschlagen. (picture alliance / Klaus Rose)
Weiterführende Information

Deutscher Wald | Manuskript: Bäumchen, wechsle Dich! (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 01.06.2014)

In den Ländern der Europäischen Union wächst die Nachfrage nach Holz als Energieträger. Hier gelten allerdings relativ strenge Vorschriften fürs Abholzen. Weiter östlich wird oft unkontrolliert Holz geschlagen. In den ukrainischen Karpaten zum Beispiel oder im Kaukasus, der zu Russland, Georgien, Armenien und Aserbaidschan gehört. Hier wird oft unkontrolliert Holz geschlagen. Unter dem Namen RERAM ist Kooperationsprojekt mit dem Ziel gestartet, die Zusammenarbeit im Bereich Forst- und Holzwirtschaft zu verbessern und den osteuropäischen Kollegen eine effizientere Wirtschaftsweise zu vermitteln. Das Internationale Institut für Wald und Holz der Universität Münster kümmert sich um die Zusammenarbeit. In dieser Woche treffen sich die Projektbeteiligten dort.

"Der Effizienzbegriff, sehr einfach definiert: Mehr oder gleich viel erreichen mit weniger Einsatz."

Roland Oberwimmer vertritt den österreichischen Holzcluster Steiermark, einen Dienstleister für Forst- und Holzbetriebe, der in Österreich und dem benachbarten Ausland arbeitet. Er stützt kleine und mittlere Unternehmen und hilft ihnen, wirtschaftlicher zu arbeiten. Mit 61 Prozent Forstfläche ist die Steiermark die waldreichste Region des Alpenlandes. Die Situation in der Ukraine kennt Roland Oberwimmer gut. Er kann also einschätzen, was Forstmitarbeiter dort verändern müssen, um Wälder mit mehr Rücksicht auf die Natur zu nutzen.

Kahlschläge oft die normale Form der Waldbewirtschaftung

"Sie müssen aufpassen, den bestehenden Wald nicht zu sehr zu schädigen durch den Eingriff. Und was heute ein wichtiger Aspekt ist hinsichtlich energetischer Nutzung: Man kann aus dem Wald nicht alles rausnehmen, was man rausnehmen möchte. Das heißt, man muss dem Wald etwas zurücklassen, damit Nährstoffe im Wald verbleiben."

Die Praxis sieht allerdings völlig anders aus, erklärt Lesya Loyko von Forza, einer Organisation für die nachhaltige Entwicklung der ukrainischen Karpaten.

"Ich komme aus dem Gebirge, wo Kahlschläge die normale Form der Waldbewirtschaftung darstellen. Aber sie zerstören die Landschaft, es gibt Erdrutsche und Überschwemmungen, und darunter leiden die Menschen. Wir bemühen uns seit zehn Jahren um eine Form der Waldwirtschaft, die Natur und Umwelt schont. Wir bilden auch Waldarbeiter aus. Und die Kommunen sollen von dem leben können, was der Wald liefert."

In den vergangenen Jahren ist der Druck auf die Wälder Osteuropas gewachsen, sagt Andreas Schulte vom Institut für Wald und Holz der Universität Münster. Er ist Professor für Waldökologie und koordiniert das RERAM-Projekt, in den es um die Zusammenarbeit mit osteuropäischen Forst- und Holzunternehmen geht.

Keine staatlich überwachte Forstwirtschaft in Osteuropa

"Diese Holznachfrage kommt vor allen Dingen durch den Energieholzboom. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen EU-Ländern wird Holz als Energieträger verstärkt nachgefragt. Und das führt zu einer Holzverknappung, die im Jahr 2020 allein in Deutschland eine Million LKW-Ladungen umfasst. Das bedeutet insbesondere natürlich zu Zeiten politischer Unruhen, dass der illegale Holzeinschlag durchaus zunimmt, anstatt abzunehmen."

Orest Kyiko ist Professor an der Universität in Lwiw in der westlichen Ukraine. Dort, wie auch in einigen anderen osteuropäischen Ländern gibt es keine staatlich überwachte nachhaltige Forstwirtschaft mehr, aber Möbelindustrie und andere holzverarbeitende Unternehmen.

"Wiir sollten von den Ländern der Europäischen Union lernen, wie man aus weniger mehr macht. Und das sollte bei den Unternehmen in meinem Land ankommen."

Darum kümmern sich nun unter anderen Roland Oberwimmer aus der Steiermark und Fachleute aus Deutschland. Sie laden Vertreter osteuropäischer Holzfirmen ein, um ihnen zu zeigen, wie nachhaltige Forstwirtschaft in der EU funktioniert. Und sie bringen technologisches und betriebswirtschaftliches Rüstzeug direkt zu ihren östlichen Partnern und bilden dort Holzfachleute aus, die das Wissen in die Unternehmen weitertragen. Ziel ist, dass die Firmen das Holz besser nutzen und gleichzeitig profitabler arbeiten.

Beginn des Projekts wegen der Unruhen in der Ukraine verschoben

"Welche Mengen setze ich ein oder welche Abwassermengen setze ich frei, und was kann ich in der täglichen Handhabe ändern, damit Mengen verringert werden oder dass Stoffe, die umweltschädlich sind, durch weniger Umwelt schädigende ersetzt werden? Das heißt, das finale Produkt überlege ich mir schon und plane so hinsichtlich eines sehr geringen Ressourceneinsatzes."

Wegen der Unruhen in der Ukraine wurde der Start des von der EU mit rund 990.000 Euro geförderten RERAM-Projekts von Ende 2013 auf Mitte 2014 verschoben. Es soll neben Georgien und Moldawien weitere Nachbarn einbinden.

"Wir haben dort noch Waldressourcen und sicherlich auch Holzindustrie, sodass es besonders wichtig war, diese drei Länder insgesamt in das Vorhaben zu bekommen. Aber wir haben noch assoziierte Partner in Aserbaidschan und Armenien, nicht unbedingt die Beitrittskandidaten Nummer 1 auf der Liste der EU, aber sehr interessiert an Ressourceneffizienz, Klimaschutz und nachhaltiger Waldbewirtschaftung."

Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen und Betriebschecks sollen sicherstellen, dass im Laufe der zwei Projektjahre möglichst viele lokale Unternehmen vom Austausch profitieren.

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