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StartseiteCampus & KarriereBildungspolitik kaum vorhersehbar15.03.2017

Wahl in den NiederlandenBildungspolitik kaum vorhersehbar

Der Streit zwischen den Niederlanden und der Türkei über die Frage, ob türkische Politiker in den Niederlanden für das Referendum in der Türkei werben können, scheint die Wahlen zu überschatten. Aber bei der heutigen Wahl geht es auch noch um andere Themen – zum Beispiel um Veränderungen im Bildungssystem.

Von Katharina Peetz

Siebtklässler strecken am 23.11.2016 während des Deutschunterrichts in einem Gymnasium in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) ihre Hände nach oben.  (dpa/ picture alliance / Felix Kästle)
Der Ausgang der Wahl in den Niederlanden beeinflusst auch das zukünftige Bildungssystem. (dpa/ picture alliance / Felix Kästle)
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Viele Parteien bleiben beim Thema Bildung vage. Das sagt Paul Leseman, Professor für Bildungswissenschaften an der Universität Utrecht: "Manche Parteien betonen, dass es wichtig ist, die zunehmenden Unterschiede zwischen gebildeten und weniger gebildeten Menschen zu bekämpfen. Sie wollen etwas gegen die anhaltende Benachteiligung von manchen Gruppen – wie den Migranten – tun. Aber sehr konkrete Ideen, wie das geschehen soll, habe ich bisher nicht gesehen."

Die viel beachtete rechtspopulistische Partei von Geert Wilders zum Beispiel macht in ihrem Wahlprogramm keine konkreten Vorschläge zum Thema Bildung. Aber immerhin: Einige Ideen, um die Bildung zu verbessern, finden sich zum Beispiel bei der linksliberalen Partei D66. Fraktionsmitglied Paul van Meenen:

"Wir müssen die Schulklassen verkleinern. Das heiβt: mehr Lehrer einstellen und den Lehrern auch mehr Zeit geben. Denn in den Niederlanden unterrichten die Lehrer viele Stunden in der Woche. Sie haben nicht genügend Zeit, ihre Arbeit weiterzuentwickeln oder sich mit Kollegen zu beraten. Das ist sehr wichtig, um die niederländische Bildung zu verbessern."

Studienfinanzierung wichtigstes Thema der Bildungspolitik

Auch die sozialdemokratische Partei der Arbeit will, dass Lehrer höchstens 20 Stunden pro Woche unterrichten – also fünf Stunden weniger als der aktuelle Durchschnitt. Mehrere Parteien, darunter die grüne Partei GrünLinks, fordern das allgemeine Recht auf einen Krippenplatz für Kinder. Das soll auch die Chancengleichheit im Bildungssystem erhöhen.

Um die Frage nach Chancengleichheit geht es auch bei der Studienfinanzierung. Vor rund zwei Jahren haben die Regierungsparteien, die rechtsliberale VVD und die sozialdemokratische Partei der Arbeit, das so genannte "BasisBeurs” abgeschafft. Dieses Grundstipendium in Höhe von 100 bis 300 Euro monatlich hatten bis dahin alle Studierenden erhalten, unabhängig von Einkommen oder Vermögen, erklärt Jarmo Berkhout, Vorsitzender der nationalen Studierendengewerkschaft. "Es war nicht viel, aber es hat einiges abgedeckt, zum Beispiel die Ausgaben für Wohnen und Essen. Dadurch wurde der Zugang zu Bildung erleichtert, vor allem für Menschen, deren Eltern nicht so viel Geld haben."

Ein Sparschwein steht auf verschiedenen Euro-Banknoten. (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)Studenten in den Niederlanden bekommen zur Zeit kein Stipendium (picture alliance / dpa / Hans Wiedl)

Heute dagegen müssen Studierende niedrig verzinste Darlehen aufnehmen, wenn sie finanzielle Unterstützung brauchen. Die Studienfinanzierung ist für viele Studierende das wichtigste Thema in der Bildungspolitik: "Die Studiendarlehen müssen abgeschafft werden und das Grundstipendium wieder eingeführt." "Die Studienfinanzierung. Damit wir keine Darlehen mehr aufnehmen müssen." "Ich finde die Darlehen nicht toll, aber in ein paar Jahren werden wir uns daran gewöhnt haben. Es ist also nicht so entscheidend. Und man hat ja 35 Jahre, um das Geld zurückzuzahlen. "Zumindest muss die Studienfinanzierung zurückkommen. Das ist sonst ein bisschen teuer."

Unterschiedliche Positionen zum Thema Bildung

Die meisten Parteien positionieren sich hierzu klar: So wollen unter anderem die christdemokratischen Parteien CDA und ChristenUnie sowie die sozialistische SP das Grundstipendium zurück. GrünLinks und D66 dagegen nicht – sie kritisieren, dass davon auch Studierende aus wohlhabenden Familien profitiert haben.

Wie letztlich die Bildungspolitik in einer neuen Regierung aussehen wird, ist aber kaum vorherzusehen, sagt Jarmo Berkhout von der Studierendengewerkschaft: "Es ist sehr schwer vorherzusagen, was nach der Wahl passieren wird. Es ist ein ziemliches Chaos. Weil keine Partei maβgeblich gröβer ist als die anderen. Das heiβt, dass es wahrscheinlich eine Koalition aus rechten und linken Parteien geben wird. Und die werden über fast alles unterschiedlich denken – weil sie eben rechts und links sind – aber vor allem auch über Bildung.

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