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StartseiteCampus & Karriere"Wahlgang" bringt Politiker an Schulen25.08.2011

"Wahlgang" bringt Politiker an Schulen

Berliner Studierende wollen Nachwuchswähler für Politik begeistern

Am 18.September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus und gleichzeitig die Bezirksverordnetenversammlungen. Diese dürfen auch schon 16-Jährige wählen. Mit dem Projekt "Wahlgang" sollen Erstwähler zum Urnengang motivieren. "Deine Stimme für Berlin" lautet ihr Slogan.

Von Claudia van Laak

Die Bezirksverordnetenversammlungen von Berlin dürfen auch 16-Jährige wählen. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)
Die Bezirksverordnetenversammlungen von Berlin dürfen auch 16-Jährige wählen. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)
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"Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler, vor allem sehr geehrte Politikerinnen und Politiker, die heute den Weg ans Bertha-von-Suttner-Gymnasium gefunden haben, wir heißen Sie herzlich willkommen."

Sie klingt schon ziemlich professionell und gar nicht politikverdrossen, die Begrüßung von Florian Podewski, Schüler am Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Gemeinsam mit Calvin Mozer moderiert er eine Podiumsdiskussion mit 5 Wahlkreiskandidaten aus Berlin-Reinickendorf.

"Wir geben jedem Vertreter der Parteien jetzt noch zwei Sätze, aber nach zwei Sätzen würgen wir Sie dann auch ab. "

Ziemlich selbstbewusst die beiden Schüler, das Moderationstraining war erfolgreich. Es ist Teil des Projekts "Wahlgang 11". Organisiert wird diese Erstwählerkampagne von der Politikfabrik, einer studentischen Beratungsgesellschaft, finanziert von der Landeszentrale für politische Bildung. Politikstudentin Ulrike Pehlgrimm ist Teil der Wahlgang 11.

"Ich hab mich selbst in der Schule schon immer für Politik interessiert, und das hat mich hier an diesem Projekt fasziniert, dass es um Schüler und Erstwähler geht und dass sich gekümmert wird, dass die Schüler wählen gehen und vor allen Dingen, dass die Schüler auch informiert werden. "

Die Aula ist voll, allerdings sind die Schülerinnen und Schüler nicht freiwillig hier. Teilnahme für den 12. und 13. Jahrgang Pflicht - Ausrufezeichen - steht auf den Plakaten. Die Politiker üben sich in Jugendsprache. Autos anzünden ist uncool, sagt der CDU-Kandidat und fordert Zivilstreifen.

"Meine Frage wäre da jetzt direkt, sind wir auf dem Weg dahin, dass wir so eine Art Bürgerwehren einrichten und dass dann in zwei, drei Jahren Selbstjustiz herrscht oder wollen wir Amateure einsetzen und die von den schweren Straftätern verprügeln lassen?"

"Die sollen eigentlich nur gucken und melden und durch ihre Anwesenheit deeskalierend wirken. "

Gute Moderatoren, ein gelungener Nachmittag, bewerten Ulrike Pehlgrimm und Nina Bergmann von der Wahlgang die 90 Minuten. Politik ist eben keine Spaßveranstaltung - verteidigen sie die eher konventionelle Form der Podiumsdiskussion mit fünf Kandidaten auf der Bühne.

"Es ist schon auch wichtig zu vermitteln, es ist vielleicht nicht das Spannendste, was ihr euch vorstellen könnt, aber es ist trotzdem wichtig."

Erstwähler moderieren die Diskussion, die Fragen der Schüler werden direkt beantwortet. Vor allen Dingen: Die Politiker kommen zu den Erstwählern. Für Ulrike Pehlgrimm ist das ein wichtiger Ansatz. Sie erinnert sich an frustrierende Besuche im Bundestag.

"Und da haben wir in unserem kleinen Politikkurs uns oft eingeschüchtert gefühlt, wir haben gesessen, der Politiker hat vor uns gestanden und der hat Wahlkampf gemacht, um die eigene Partei nach vorne zu bringen und sich überhaupt nicht dafür interessiert, was wir gefragt haben."

20 Schulen besucht die Wahlgang bis zum 18.September, überall sind Direktkandidaten dabei. Ulrike Pehlgrimm und Nina Bergmann klagen darüber, dass eine ganze Reihe von Schulen kein Interesse an der Erstwählerkampagne zeigten. Ablehnungen gab es besonders dort, wo die Wahlbeteiligung traditionell niedrig ist - und zwar im Osten Berlins.

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