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StartseiteForschung aktuellWandernder Nationalpark26.05.2008

Wandernder Nationalpark

Von den Problemen, die letzten großen Tierherden zu schützen

Umwelt. – Nur noch in den Savannen Ostafrikas und in der Tundra Nordamerikas bietet sich das Schauspiel der großen Tierwanderungen. Doch die gewaltigen Gnu- und Karibuherden sind vom Klimawandel bedroht. Die Veränderungen zwingen sie zu neuen Wanderrouten, die sie aus den Nationalparks herausführen. Forscher in den betroffenen Gebieten suchen nach Auswegen aus dem Problem.

Von Monika Seynsche

In langen Kolonnen wandern die Gnus durch die Savannen der Serengeti. (Holger Kroker)
In langen Kolonnen wandern die Gnus durch die Savannen der Serengeti. (Holger Kroker)

"What he is doing now, is he is tilting and he is tilting and showing you the full rack.”"

Perry Barboza deutet auf ein Karibu, das schnaufend immer näher kommt. Es dreht seinen Kopf mit dem ausladenden Geweih hin und her – Eine Einschüchterungsmaßnahme für den Besucher.

"”This is not a friendly man, this is not a friendly deer, this is a very angry deer.”"

Das Karibu bleibt erst kurz vor dem Zaun seines Geheges stehen. Die meisten Tiere hier seien gerade in der Brunftzeit, erzählt der Biologe, und deshalb schnell gereizt. Perry Barboza und seine Kollegen von der Universität von Alaska in Fairbanks halten das übellaunige Karibu zusammen mit zahlreichen Artgenossen auf einem alten Farmgelände am Rande der Stadt. Sie wollen herausfinden, wie die großen Herden Nordamerikas auf den Klimawandel reagieren werden. Barboza:

"”Eines der Dinge, die uns langsam klar werden, ist, dass gerade bei Rentieren und Karibus nicht jede Herde gleich auf den Klimawandel reagieren wird. Sie sind so unterschiedlich, einfach weil sie sich in der Arktis entwickelt haben, die selbst ständig im Wandel ist. Die Verhaltensweisen bestimmter Herden sind vorteilhaft in bestimmten Regionen. Und jetzt sollen wir vorhersagen, wie jede einzelne Herde auf Veränderungen reagieren wird. Aber das hängt von der Strategie der Tiere ab, davon, wie sie mit Problemen umgehen und sie überleben."

Einiges deute darauf hin, dass der Klimawandel den Karibus das Leben schwerer machen werde. In einigen Regionen ist es jetzt schon im Winter an einigen Tagen so warm, dass der Schnee schmilzt. Wenn die Temperaturen danach wieder fallen bildet sich eine Eisschicht auf dem Boden, die den Tieren das Scharren nach Nahrung schwer macht. Außerdem begünstigen die steigenden Temperaturen immer mehr Insekten und andere Plagegeister. Und je mehr sich die Umgebung ändert, desto stärker werden die Tiere wandern, auf der Suche nach besser geeigneten Lebensräumen. Barboza:

"”Als Biologen werden wir uns immer wieder neu orientieren müssen, wo unsere Tiere gerade sind. Was zum Beispiel machen wir, wenn wir ein Gebiet unter Schutz gestellt haben, in dem etwa Moschusochsen leben, und dann wandern sie in ein ganz anderes Gebiet? Im Moment ist unser Landmanagement sehr stark an geographischen Grenzen orientiert. Aber das funktioniert nicht mehr wenn Feuchtgebiete oder gute Lebensräume für Karibu durch den Klimawandel anfangen zu wandern.""

In Afrika stehen Naturschützer vor ganz ähnlichen Problemen. Die großen Gnu- und Zebra-Herden der Serengeti sind extrem von den Niederschlägen in den verschiedenen Regionen ihres Wandergebietes abhängig. Aber die werden durch den Klimawandel immer unbeständiger. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt betreut zahlreiche Naturschutzprojekte und Nationalparks in Afrika. Einen mobilen Nationalpark, wie er Perry Barboza vorschwebt, kann sich Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF, nicht vorstellen. Schließlich lebten um die Parks herum Menschen, die man nicht umsiedeln könne. Seiner Ansicht nach liegt die einzige Möglichkeit sich auf den Klimawandel einzustellen, darin, möglichst große Gebiete unter Schutz zu stellen. Schenck:

"Bei allen Schutzaspekten ist sicher ganz wichtig, dass wir überhaupt ausreichend große Räume haben, also das, wenn sich da was verschiebt, dass eben auch die großen Herden sich, in Anführungszeichen, verschieben können, das ist sicher was ganz Essentielles."

In Afrika und auch in Südamerika gebe es noch große Wildnisgebiete die man unter Schutz stellen könnte, sagt er. Und die man seiner Meinung nach auch so schnell wie möglich unter Schutz stellen müsste, wenn man die großen Herden vor dem Untergang bewahren wolle. Denn der Klimawandel ist nur ein Problem, die zunehmende Bevölkerung und die immer ausgedehntere Landnutzung zwei weitere. Schenck:

"Also da kommen Entwicklungen auf uns zu, die wir nicht mal zu träumen wagen, und wenn, dann sind es ganz sicher Albträume, davon kann man schon ausgehen. Also da sind dramatische Entwicklungen, wo wir heute…, aber das muss man auch realistisch sehen, wir haben heute noch eine Chance dafür, diese Gebiete einzurichten und solche Regionen zu schützen, und die dürfen wir unter keinen Umständen verstreichen lassen."

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