Umwelt und Verbraucher / Archiv /

 

Warnung vor Schlankheitspillen

Verbraucherminister von Rheinland-Pfalz sieht Gefahren durch Nahrungsergänzungsmittel

Von Ludger Fittkau

Tabletten und Kapseln in einer Schale
Tabletten und Kapseln in einer Schale (picture alliance / dpa)

Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und selbst Fett und Kohlenhydrate - all das wird in Deutschland auch in Pillenform angeboten. Rund ein Drittel der Menschen hierzulande nimmt mehr oder weniger regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein, in der Überzeugung, dass sie über die Nahrung nicht ausreichend mit manchen Stoffen versorgt werden, mit zweifelhaftem Nutzen. Manche Pillen enthalten sogar gesundheitsschädliche Stoffe, darunter ein Produkt zum Abnehmen mit dem Namen "Fat Napalm Bomb", benannt ausgerechnet nach Brandbomben, wie sie im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg eingesetzt wurden. Der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff warnte bei einem Besuch im Trierer Landesuntersuchungsamt vor diesem und anderen Mitteln.

"Das ist angeblich eine Schlankheitspille, die ganz schnell wirken soll. Und wo wir bei Untersuchungen festgestellt haben, dass sie gefährliche Inhaltsstoffe hat. Man kann nur davor warnen. Natürlich ist es schon leicht närrisch, wenn man glaubt, bei einem Artikel mit einem solchen Namen, dass so etwas in kurzer Zeit wirkt. Aber gut ist, dass wir es untersucht haben und das diese Warnung auch ernst zu nehmen ist."

Der rheinland- pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff (SPD) warnt vor dem Arzneiwirkstoff Sibutramin, den das Landesuntersuchungsamt in Trier in dem Schlankheitsmittel "Fat Napalm Bomb" nachgewiesen hat. Sibutramin ist seit zwei Jahren in Europa verboten, weil stark erhöhter Blutdruck und akute Herzerkrankungen Nebenwirkungen sein können. Bei gleichzeitiger Einnahme von Psychopharmaka kann Sibutramin lebensgefährlich werden, Todesfälle sind bekannt. Dennoch wird das Schlankheitsmittel "Fat Napalm Bomb" mit dem gefährlichen Inhaltsstoff weiterhin über das Internet angeboten - die Produzenten sitzen nach Erkenntnissen der hiesigen Behörden in China oder in Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

"Wenn ein Hersteller weit weg ist und kaum greifbar ist wie hier Hersteller in Russland, da fallen mitunter alle Schamgrenzen. Wir haben hier ein Produkt, das sage und schreibe 260 Dollar kostet, da sind nur 45 Kapseln drin. Die Russen bieten es an als revolutionäres Produkt mit Anti-Thrombose-Effekt. Also es soll Gefäß- und Venenerkrankungen verhindern. Wenn man sich die Zutatenliste anschaut, dann stellt man fest, dass nur ganz minderwertige Zutaten da drin sind: Kartoffelstärke, Kochsalz, Zellulose und Abfallprodukte aus der Weinbereitung und der Fischindustrie."

Nicht schädlich, aber Scharlatanerie. Sagt der Trierer Lebensmittelchemiker Rainer Marx. Die russischen Hersteller hatten ihn persönlich an seinem Arbeitsplatz im rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamt aufgesucht, um ihn zu fragen, wie sie ihre Produkte auf den deutschen Markt bringen könnten, erzählt Rainer Marx. Als die Chemiker des Amtes den Russen ihre negativen Gutachten zu den Pillen überreichten, sei die Antwort verblüffend ehrlich gewesen, erinnert sich Marx:

"Die haben ganz offen zu uns gesagt, dann müssen wir eben einen anderen Weg suchen, schnell zu Geld zu kommen."

In diesem Fall führt die Gier nach dem schnellen Geld nicht zu Gesundheitsschäden bei den Verbrauchern. Das sieht bei anderen Pillen, die im Internet angeboten werden, ganz anders aus. So habe man auch einen Nahrungsmittelzusatz gefunden, der eine viel zu hohe Dosis Selen aufwies, so Rainer Marx:

"Selen ist ein Mineralstoff, der durchaus das Immunsystem unterstützen kann. Bei dem Produkt haben wir dann festgestellt, dass die Gehalte dieses Selen in der Kapsel deutlich überdosiert sind, im Bereich des Faktors 5 bis 8. Wenn man solche Produkte über einen längeren Zeitraum einnimmt, kann es durchaus zu Gesundheitsschädigungen kommen."

Eine besondere Warnung spricht das rheinland-pfälzische Untersuchungsamt hinsichtlich der Produkte des Internet-Anbieters Dr. Hittich aus, die weit verbreitet sind. Vor allem gegen Altersgebrechen aller Art sollen diese Produkte angeblich wirken:

"Was sich hier abspielt, ist eigentlich Verbrauchertäuschung in großem Stil. Es sind mehrere Staatsanwaltschaften in Deutschland hinter dieser Firma her. Das Problem ist, das diese Internet-Firmen kaum greifbar sind. Diese Firma ist abgewandert ins europäische Ausland."

Und dort führt die angegebene Adresse auf ein leeres Grundstück. Die rheinland-pfälzischen Untersuchungsämter arbeiten eng mit Polizei und vor allem dem Zoll zusammen, um verdächtige Päckchen abzufangen, die aus dem Ausland ins Land gelangen. Doch Justiz- und Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff beschreibt die Grenzen, auf die die Ermittler in vielen Fällen stoßen:

"Das Zeug wird ja in der Regel privat bestellt, übers Internet. Das gibt ein Päckchen, das können sie von außen nicht erkennen. Und deshalb brauchen wir auch neue Mechanismen, wie man bei Produkten, die weltweit im Internet angeboten werden, einmal eine gewisse Sicherheit darstellen kann und wie man auf der anderen Seite potenzielle Kunden warnt. Da ist noch vieles im Aufbruch befindlich."


Weitere Informationen

Über die "Fat Napalm Bomb" und andere fragwürdige Produkte informiert das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz in der Rubrik "Krank statt schlank" auf seiner Homepage.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Umwelt und Verbraucher

NABU"Kein Klimaschutz ohne stabile Ökosysteme"

Ein idyllischer Waldsee im finnischen Lappland.

Weltweit sterben täglich rund 380 Tier- und Pflanzenarten aus. NABU-Präsident Olaf Tschimpke begrüßte deshalb im DLF die auf der Weltnaturschutzkonferenz beschlossene Verdopplung der Gelder für den Artenschutz. Gleichzeitig kritisierte er aber auch, dass zwar viel über Klima-, aber immer noch zu wenig über Artenschutz debattiert werde.

Arzneimittelreste Neue Reinigungsstufe in Klärwerken

Molkereigenossenschaft Verbraucher bestimmen mit