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StartseiteForschung aktuellWas steckt im Container?01.11.2013

Was steckt im Container?

Neues Konzept zur schnellen Überprüfung im Hafen

Jeder Container, der in die USA geht, muss untersucht werden - aus Angst vor Terroranschlägen. Drei Jahre lang hat ein deutsches Konsortium ein Konzept erarbeitet, um das Gesetz umzusetzen. Nun wurde es in Bremerhaven präsentiert.

Von Piotr Heller

Jeder vierte Container, der aus der EU in Richtung USA läuft, geht über Bremerhaven. (AP - Hero Lang)
Jeder vierte Container, der aus der EU in Richtung USA läuft, geht über Bremerhaven. (AP - Hero Lang)

"Wir bewegen uns jetzt frontal vom Container weg. Sie sehen auf der Vorderseite steht das Motorrad direkt an der Tür. Auf der linken Seite die Stahlrohre, daneben die Waschmaschine. Auf der Waschmaschine der Fernseher."

Stefan Moser vom Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik erklärt einigen Zuschauern den Inhalt eines sechs Meter langen Frachtcontainers. Der Container selbst ist verschlossen. Die Zuschauer auf dem Hafengelände von Bremerhaven sehen das Motorrad und die Stahlrohre durch 3D-Brillen auf einem Bildschirm. Der Clou ist, dass die Forscher den Container nicht mal öffnen mussten, um diese Bilder aufzunehmen. Mit dreidimensionalen Röntgenverfahren können sie durch seine Wände hindurchsehen. Und nicht nur durch die Wände. Stefan Moser:

""Schauen wir uns mal ein Schnittbild an, von einem Objekt, das Sie alle kennen, von einem Motorrad: Sie sehen, da befindet sich in dem Zylinder auch ein Kolben, da hat niemand zum Beispiel ein Stück Plutonium drin versteckt."

Der 3D-Scan ist Teil des Projekts ECSIT. Die Fraunhofer-Forscher haben untersucht, wie man einen Container am schnellsten dreidimensional durchleuchten kann. Dabei gingen sie Fragen nach, wie: Sollen Röntgenquelle und Detektor um den Container rotieren? So werden zum Beispiel Patienten in CT-Röhren untersucht. Oder soll der Container selbst rotieren? Anlass des ganzen Projekts ist ein US-Gesetz: Ab Mitte 2014 müssen alle Container mit Ziel USA "gescannt" werden. Projektkoordinator Frank Arendt:

"Was wir in dem ECSIT-Projekt untersucht haben im Konsortium ist, was für Auswirkungen eine mögliche Implementierung auf die Containerterminals in Bremerhaven hätten. Wir haben Bremerhaven gewählt, weil Bremerhaven der US-Exporthafen Nummer Eins aus der Europäischen Union ist. Das heißt jeder vierte Container, der aus der EU in Richtung USA läuft, geht über Bremerhaven."

Prognosen zufolge werden es im Jahr 2020 jeden Tag 2000 Container sein, die Bremerhaven in Richtung USA verlassen. Alle müssen inspiziert werden. Das darf natürlich nicht zu lange dauern. Frank Arendt:

"Wir sind dem dadurch begegnet, dass wir gesagt haben: Dieser Basisscan, also die erste Prüfstufe, die soll einen möglichst hohen Durchsatz bieten. Sie soll schnell funktionieren, und wenn dort ein Verdachtsfall besteht, dann muss man halt in eine weitere Prüfstelle gehen, die ruhig etwas länger sein darf."

Dieser Basisscan sieht eine Überprüfung auf Radioaktivität und ein zweidimensionales Röntgenbild vor. Die Firma Smiths Heimann bearbeitet diese Aufgabe. Wer viel fliegt, kennt das Unternehmen: Es entwickelt die Röntgenscanner für Flughäfen. In Bremerhaven hat Smiths Heimann ein orangenes Tor errichtet. Ein LKW passt bequem durch. Auf der einen Seite des Tores strahlt eine Röntgenquelle, auf der anderen Seite befindet sich ein Detektor. Der LKW fährt durch einen Vorhang aus Röntgenstrahlen, die ihn durchleuchten.

"Pfeift er? Der macht eine Kalibration. Jetzt pfeift er nicht, jetzt achten Sie drauf, wenn das Führerhaus durch ist, fängt er wider an zu pfeifen. Sehen Sie? Also der Fahrer ist ausgenommen, da gibt es keine Kabine vorne. So, das war alles, so schnell geht‘s. Jetzt haben wir hier ein Bild."

Auf einem Bildschirm erscheint der Inhalt des Containers. Die ganze Prozedur dauert gut 30 Sekunden. Das Röntgenbild und die Daten der Strahlungsmessung sollen laut Konzept an eine Behörde in den USA übermittelt werden. Dort wird entschieden, ob der Container in die USA verschifft werden darf. Falls nicht, muss er weiter untersucht werden. Etwa mit dem 3D-Röntgen, das gut 15 Minuten dauert, oder einer Überprüfung der Radioaktivität.

"Wir sind davon ausgegangen, bei zwischen ein und zwei Prozent der Container wird die Radioaktivitätsprüfung anschlagen. Und dort ist es nötig festzustellen: Kommt es auf Basis einer natürlichen Strahlung zustande oder ist das eher eine Strahlung, die man nicht haben will, also die berühmte schmutzige Bombe."

Sagt Projektkoordinator Frank Arendt. Strahlung, die harmlos ist, kann von einer Ladung Bananen oder von Medikamenten ausgehen. Dann muss der Container in eine Nuklididentifikation. Die ermittelt anhand der Strahlungsenergie, was da genau strahlt. Wie oft so eine Messung oder ein 3D-Scan nötig sein wird, hängt von dem Prüfer in den USA ab, der die Daten zeitnah auswertet. Er ist eine der großen Unbekannten in dem Konzept. Und nicht nur er: Das Gesetz ist nicht eindeutig formuliert.

"Das beginnt damit: Wer führt dieses Scanning durch? Ist das eine deutsche Behörde, ist das eine amerikanische Behörde, ist eine private Firma? Werden diese Daten in den USA gespeichert? Was passiert damit? All das ist völlig ungeklärt."

Sagt der Jurist Andreas Maurer. Und so entwickelt das ECSIT-Konsortium ein Konzept, von dem niemand weiß, ob es so jemals umgesetzt wird. Eine der wenigen Fragen, die Andreas Maurer nach Absprache mit den US-Behörden klären konnte, betrifft den Datenschutz. Maurer hatte Sorgen, die Amerikaner wollten auch personenbezogene Daten zu Sender und Empfänger der Container haben. Die Antwort war eine Entwarnung für ihn. Und sie passt gut in den aktuellen Kontext um Überwachung seitens der US-Behörden. Andreas Maurer:

"Wir haben also da bei den Amerikanern nachgefragt, welche Daten Sie denn da unter Umständen haben möchten und dann haben sie uns gesagt: Sie brauchen eigentlich nur das Bild – und die anderen Daten, die haben sie schon."

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