Computer und Kommunikation / Archiv /

"Was wir brauchen, ist etwas ganz anderes als das, was wir bekommen haben"

Zur Europäischen Future Internet Konferenz in Budapest

Von Mariann Unterluggauer

In welche Richtung wird es sich entwickeln, das Internet? Und: Ist es überhaupt ein solches?
In welche Richtung wird es sich entwickeln, das Internet? Und: Ist es überhaupt ein solches? (AP)

Internet.- Zur sogenannten "Future Internet Konferenz" kamen nun etwa 450 IT-Interessierte in Budapest zusammen. Das heutige Internet entspreche nicht mehr seiner Grundidee eines Netzes von Netzwerken, so die Klage einiger Teilnehmer.

Rund 450 Besucher trafen sich diese Woche in Budapest zur "Future Internet Konferenz", die im Rahmen der europäischen "Future Internet Woche" abgehalten wurde. Organisiert von der Europäischen Kommission, findet diese informations- und kommunikationstechnische Leistungsschau immer am Ende einer EU-Präsidentschaft statt.

Die Themen, die im Zusammenhang mit Future Internet diskutiert werden, sind mannigfaltig, genauso wie die Akteure, die die Zukunft der Netzwerke bestimmen wollen. John Day, von der Universität Bosten, Gastredner auf der Konferenz "Future Internet", lässt sich von einer derartigen Vielfalt wenig beeindrucken und plädiert dafür, sich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nämlich jene Probleme zu lösen, die seit den 1970er-Jahren, im Zusammenhang mit dem Internet, nicht angegangen wurden. Dazu, so John Day, bedarf es allerdings Wissenschafter und nicht Handwerker im Sold der Industrie. Und er fügt des Weiteren hinzu: Das, was wir heute als Internet bezeichnen, entspreche nicht der Definition des Internet, das ein Netz von Netzwerken sein will.

"Wenn das derzeitige Internet ein Betriebssystem wäre, dann wäre es nicht mehr als DOS. Für mich ist DOS kein wirkliches Betriebssystem. Es ist ein Spielzeug, ein halb fertiges System. Darauf bauen wir unsere Weltwirtschaft auf. Was wir brauchen, ist etwas ganz anderes als das, was wir bekommen haben."

Was dem Internet fehlt, hat einen Namen: Multihoming. Damit wird das Adressierungsproblem in Netzwerken angesprochen, das bereits 1972 erkannt, kurz darauf gelöst, aber nicht implementiert wurde: Auch nicht beim Internet-Protokoll Version 6. IPv6, so John Day, löst nicht das Problem der Adressierung, sondern erweitert nur den Adressraum.

"Das ist ein weiteres Problem: Was wir heute als Internet-Protokoll bezeichnen, ist kein Internet-Protokoll. Es gibt keine Adresse auf der Ebene des Internets an, sondern es benennt eine Schnittstelle. Es ist ein Schnittstellen-Protokoll, kein Internet-Protokoll."

Multihoming Probleme entstehen immer dann, wenn ein Rechner über mehrere Schnittstellen mit dem Netzwerk verbunden ist. Jede dieser Schnittstellen besitzt eine eindeutige Adresse, aber aus Sicht des Netzwerks ist es nicht erkennbar, dass es sich dabei um ein und denselben Host handelt. Die Designentscheidung, in einer Internetadresse Ort und Identität eindeutig festzulegen, so Arto Karila vom Institut für Informationstechnologie in Helsinki, wurde durch das "Host Identifier Protocol", kurz HIP, eigentlich vor Jahren korrigiert. HIP sei eine elegante Lösung, die die Verwendung von mobilen Geräten im Internet erleichtert, nur der politische und industrielle Wille dieses Protokoll auch zu implementieren, so Arto Karila, sei nicht gegeben.

"Was wir derzeit haben, ist eine Illusion. Es wurde ständig nachgebessert. Die Innovationsmöglichkeiten, die wir in den 1980er-Jahren noch sahen, sind uns Anfang der 1990er-Jahre abhanden gekommen."

Die Chance, die grundlegenden Designprobleme des Internets anzugehen, bietet sich im Rahmen der Diskussionen und Forschungsaufträge zu "Future Internet". Ob sie genutzt wird, ob Wissenschaftler, Politiker und die Industrie dazu bereit sind, bleibt abzuwarten. In Budapest war davon jedenfalls noch nicht viel zu spüren.



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Computer und Kommunikation

Open Source SoftwareKritiker zweifeln an der Zuverlässigkeit

Auf einem Computermonitor ist der Binärcode zu sehen.

Open Source Software galt bislang als besonders sicher. Das Prinzip der vielen Augen wurde als weniger anfällig für schwerwiegende Fehler eingestuft. Das hat sich durch die Entdeckung des Programmierfehlers "Heartbleed" geändert.

Googles "Project Shield"Hilfe vom großen Bruder

Passanten vor dem Hauptgebäude des Suchmaschinenunternehmens Google in Mountain View im US-Bundestaat Kalifornien

Um regierungskritische Gegner mundtot zu machen, werden oft ungeliebte Webseiten lahmgelegt. Die Server werden dabei mit einer Flut manipulierter Anfragen überlastet. Schutz vor solch politisch motivierten DDoS-Attacken bietet der Google-Dienst "Project Shields".

Das Digitale LogbuchEin Mobilfunkanbieter-Wechsel mit Tücken

Ein Chip für Mobiltelefone ist Träger verschlüsselter Daten.

Die Mobilfunknummer bei einem Providerwechsel mitzunehmen, ist gar nicht so einfach. Unser Autor Maximilian Schönherr über eine nicht ganz reibungslose Kommunikation mit dem neuen und alten Anbieter.