• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Wege aus der Gewalt

Zu den neuen Entwicklungen in der Friedens- und Konfliktforschung

Frieden auf Erden. Auch im 21. Jahrhundert ist das eher ein frommer Wunsch als Realität. Obwohl die Zahl der Kriege in den letzten Jahren weltweit zurückgegangen ist, wird immer noch an 30 Schauplätzen militärisch gekämpft.

Von Ursula Storost

Eine Streubombe mit mehr als 600 Sprengkörpern, aufgenommen in der Nähe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh. (AP)
Eine Streubombe mit mehr als 600 Sprengkörpern, aufgenommen in der Nähe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh. (AP)

Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute sterben Menschen in Kriegen. In Afghanistan, im Irak, in Somalia. Krieg bedeutet Zerstörung und Tod, Angst und Gewalt, Elend und Flucht. Krieg bedeutet auch Vernichtung von Umwelt, Natur und menschlichen Lebensgrundlagen mit Langzeitfolgen.

Den ungerechtesten Frieden finde ich immer noch besser als den gerechtesten Krieg,

… sagte schon der römische Redner und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero vor mehr als 2000 Jahren.

Krieg löst keine Probleme. Das wissen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, kurz ISFH. Darüber, wie man humanitäre Katastrophen abwenden und Konflikte dauerhaft lösen kann, arbeiten und forschen sie seit 1971. Michael Brzoska ist Direktor des Instituts.

"Wir haben einen deutlichen Rückgang in der Zahl der Kriege zwischen dem Beginn der 1990er-Jahre und etwa dem Jahr 2005. Die Anzahl der Kriege ist im Durchschnitt über 35 auf deutlich unter 30 zurückgegangen; immer noch sehr viele und viel zu viele Kriege. Aber es ist ein deutlicher Rückgang."

Diese Entwicklung hängt auch damit zusammen, dass die internationale Gemeinschaft nach dem Ende des Kalten Krieges eine neue Strategie verfolgte. Denn, so Michael Brzoska: Die meisten Kriege sind Nachkriegskriege. Gewalt, Rechtsunsicherheit und eine mangelnde Existenzgrundlage seien eben schlechte Vorraussetzungen für Frieden. Deshalb hat die Weltgemeinschaft seit 1990 besonderen Wert darauf gelegt, die Nachkriegsgesellschaften zu stabilisieren.

"Tatsächlich nachhaltigen Frieden zu schaffen. Das beginnt mit der Entsendung von Blauhelmsoldaten, mit militärischen Maßnahmen, das geht weiter zu politischen Maßnahmen. Man hat in vielen Nachkriegsgesellschaften international Wahlen organisiert. Und das geht hin bis zur Versöhnungsarbeit, die man unterstützt hat. Was man nicht sehr stark gemacht hat, ist im wirtschaftlichen Bereich etwas zu machen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass das besonders schwierig ist. Aber insgesamt kann man schon sagen, dass die Bemühungen der internationalen Gemeinschaften, die Nachkriegssituationen zu stabilisieren, deutlich gestiegen sind."

Aber, sagt die Politikwissenschaftlerin Sabine Kurtenbach vom German Institut of Global and Area Studies, kurz GIGA, ohne eine wirtschaftlich Stabilisierung der Krisenregionen, ohne Investitionen in Arbeitsplätze, die ein Auskommen garantieren, kann nachhaltiger Frieden kaum gelingen. Das wird immer deutlicher.

"Das Grundsatzproblem für die meisten Entwicklungsländer lässt sich wirklich nur über gerechtere internationale Strukturen des Wirtschaftens erreichen. Das heißt, dass wir hier eben das T-Shirt nicht mehr für zwei oder für fünf Euro kaufen, das eben unter verheerenden Bedingungen in Blechhütten in Zentralamerika oder Taiwan hergestellt wurde. Nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften hat seinen Preis für uns alle. Das ist in der ökologischen Produktion so. Das ist aber auch in der international gerechten, fairen Handelswelt genauso."

Solche Ideen stoßen in den westlichen Industrienationen an Grenzen. Welche Betreibergesellschaft einer Discounterkette interessiert schon das Elend in Zentralamerika. Aber Elend allein produziert nicht Gewalt, sagt Sabine Kurtenbach. Und Gewaltprävention wird nicht nur durch gerechtere Strukturen erreicht.

"Schon weil Gerechtigkeit kein objektiver Zustand ist, sondern weil Gerechtigkeit kulturell definiert ist. Es ist von der eigenen Wahrnehmung, was gerecht und nicht gerecht ist, abhängig. Es ist von Wertsystemen abhängig - von Normen in einer Gesellschaft. Solang ich meine Umwelt als Gott gegeben und nicht veränderbar hinnehme, werde ich dagegen auch nicht rebellieren. Erst wenn ich die Idee internalisiert habe, dass alle Menschen gleich sind, zum Beispiel, erst dann werde ich sagen: Ich bin ungleich oder ich bin benachteiligt - und werde versuchen, mich dagegen zu wehren. Solange ich das für gottgegeben halte, werde ich das nicht tun."

Dass in Zukunft viele Menschen eine Gerechtigkeit einfordern, ist allerdings möglich. Derzeit sind 1,2 Milliarden Menschen auf unserer Welt zwischen 15 und 24 Jahre alt. 80 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Sprengstoff, sagt Sabine Kurtenbach.

"Weil die Erfahrungen, die diese Jugendlichen heute machen in den Gesellschaften, in denen sie leben, ihre Sozialisation, ihre Werte, ihr Handeln für den Rest ihres Lebens prägen werden. Wenn wir uns heute nicht mit den Problemen auseinandersetzen, die diese Jugendlichen beim Erwachsenwerden und beim Übergang zum Erwachsensein haben, und nicht ernst nehmen, was für Vorstellungen diese Jugendlichen haben, dann ist das ein hochkonfliktiver Prozess, der weltweite Auswirkungen haben wird."

Milliarden junger Menschen, die später ihren Platz in der Gesellschaft einfordern werden. Folgerichtig ist ein relativ neuer Forschungsbereich der Friedens- und Konfliktforschung die Frage nach der Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Darüber forscht Sonja Buschka , Philosophin an der Universität Hamburg.

"Ein Beispiel wäre der Wasserverbrauch, der durch die jetzigen Generationen, gerade in Regionen, wo das Wasser sehr knapp ist, recht immens ist, sodass für zukünftige Generationen, jetzt nicht in zehn Jahren, aber 20, 100, 200 Jahren nur noch wenig Trinkwasser zur Verfügung steht, sodass eben kriegerische Konflikte entstehen, um eben Trinkwasservorhaben zu sichern für den eigenen Staat."

Wasser, Erdöl, Erze, Kohle. Die Heutigen verbrauchen und vergeuden. Vor allem in den westlichen Industrienationen. Und sie hinterlassen den zukünftigen Generationen vielleicht Mangel und verbrannte Erde, zumindest aber hochradioaktiven Müll, ohne dass die Nachfolgenden jemals Profit davon haben können. Konflikte sind vorprogrammiert, glaubt der Philosoph Ulrich Gähde von der Hamburger Universität.

"Ich denke, dass das damit zusammenhängt, dass wir in einer Generation leben, die mehr als frühere Generationen in der Lage ist, Handlungen auszuführen, die langfristige Konsequenzen haben, die ganz massiv spätere Generationen affizieren werden. Das war in diesem Maße früher vermutlich nicht der Fall. Wir können dauerhafte Schäden hervorrufen und wir müssen uns deswegen auch überlegen, wie wir das vermeiden können. Und wir müssen uns überlegen, was wir zukünftigen Generationen zumuten können und was nicht. Und das in einem anderen Maße, als das bei früheren Generationen der Fall war."

Diese neue schwerwiegende Verantwortlichkeit, darüber sind sich die Wissenschaftler einig, macht es notwendig, dass Friedensforschung heute interdisziplinär stattfinden muss. Andreas Mehler, Politikwissenschaftler am Giga Institut.

"Wenn ich die lokale Ebene anschaue, dann werd ich sehr viel stärker auch mit den Erkenntnissen von Ethnologen arbeiten müssen, als wenn ich nur die nationale Ebene mir anschaue. Das ist auf jeden Fall eine neue Entwicklung."

Allerdings haben die verschiedenen Disziplinen, die im Namen des Friedens zusammenarbeiten wollen, oft Probleme.

"Weil die üblichen Gremien, die darüber entscheiden, ob Gelder verteilt werden oder wohin Gelder verteilt werden, in der Regel eben doch monodisziplinär zusammengesetzt sind und den Anteil schlecht finden, der woanders herkommt. Deswegen sind multidisziplinäre Projekte nicht so beliebt und kommen seltener durch, werden nicht finanziert."

Gleichzeitig wächst die Einsicht, dass Friedensschlüsse hochkomplizierte Konstrukte sind. Glaubte man noch vor einigen Jahren, dass ein unterzeichneter Friedensvertrag wirklichen Frieden garantiert, weiß man heute: Die erste Unterschrift unter ein Friedensabkommen regelt eigentlich nichts, sagt Andreas Mehler. Will man nachhaltig Frieden schaffen, muss man genauer hinschauen. Welche Interessen haben die alten und neuen Eliten, die Land-Lords, die Bevölkerung in welchen Regionen eines Krisengebietes. Und was muss man tun, um diesen verschiedenen Interessen gerecht zu werden.

"Friedensforschung in den Ländern selbst ist meistens sehr unter Druck. Das ist oft gar nicht erwünscht. Es gibt keine Universitäten, die das lehren oder sehr selten. Und insofern kommt die Expertise entweder von unten, was man schon immer so getan hat, um Konflikte zu regeln, oder stark von außen - und nicht aus der Mitte sozusagen der universitären Landschaft, was ein großes Problem darstellt."

Seit dem 11. September 2001 und der regelmäßigen Botschaften des El-Kaida-Chefs Osama Bin Laden ist auch der Terrorismus ein Thema der Friedens- und Konfliktforschung. Michael Brzoska vom ISFH:

"Terrorismus ist an sich ein Problem, weil das eine Form von Gewalt ist. Und insofern auch, wenn man von einem weiten Friedensbegriff ausgeht, etwas ist, was mit dem Frieden nicht vereinbar ist. Zweitens aber ein Thema, das zu staatlichen Gegenmaßnahmen führt. Antiterrorismusmaßnahmen, die man häufig sehr kritisch untersuchen muss unter dem Aspekt, ob sie wirklich etwas erreichen, ob es die richtigen Maßnahmen sind, ob sie nicht Nebeneffekte haben, die eher dazu führen, dass der Terrorismus gestärkt wird, als dass er geschwächt wird."

Eine Gefahr, die auch Nils Zurawski sieht. Er ist Soziologe und Ethnologe am Hamburger Institut für Volkskunde. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung habe in den letzten Jahren ein Sicherheitsprogramm aufgelegt, das sich offiziell an die Rüstungsindustrie richte. In Wahrheit seien aber Bürgerinnen und Bürger davon betroffen.

"Es geht auch dabei um innere Sicherheit. Also um Flughafensicherheit oder um die Sicherheit von sogenannten Risikoinfrastrukturen. Und damit wird diese ganze Technologie, die eigentlich militärisch entwickelt worden ist und nutzbar gemacht werden soll, genutzt und verkauft, um den Bürger zu überwachen. Immer vor dem Hintergrund, dass man Risikoszenarien aufbaut, dass man Unsicherheiten findet - und dergleichen."

Demokratie kontra Terrorismusbekämpfung. Die Politikwissenschaftlerin und Friedensforscherin Margret Johannsen vom ISFH spricht geradezu von einer Besessenheit der Staaten den Terrorbekämpfung auf ihre Fahne zu schreiben.

"Die Frage, ob sich der Staat mit seinen machtpolitischen Ansprüchen verabschiedet, um gemeinsam mit anderen Staaten den Terrorismus zu bekämpfen, oder, ob nicht der Kampf gegen den Terrorismus ein Instrument ist für Staaten, um weiterhin Machtpolitik zu betreiben. Das ist eine offene Frage. Und das diskutieren wir hier."

Ob die Kriege in Afghanistan und im Irak der Gerechtigkeit oder der Machtpolitik dienen, scheint also ungeklärt. Aber, so Margret Johannsen, der Kampf gegen den Terrorismus trägt auch dazu bei, von der größten Gefahr für die Menschheit abzulenken: den Atomwaffen. Und auch das mediale Bild der bösen Terrornetzwerke würde der Realität nicht gerecht.

"Also eigentlich kann man den Erfolg von terroristischen Strukturen in aller Regel nicht trennen von Problemen, die Menschen in bestimmten Regionen haben, die eigentlich berechtigte Anliegen haben. Dass man zum Beispiel wenn man zum Gericht geht mit seinem Anliegen, kein Recht bekommt - fünf, zehn, 15 Jahre lang nicht. Aber dass dann andere, zum Beispiel die Taliban, Recht sprechen können in kürzester Zeit. Also ein Bedürfnis stillen, das sollte einem zu denken geben. Insofern ist es hochproblematisch, finde ich, mit dem Etikett 'Das sind terroristische Strukturen' das Angehen von tief liegenden und auch berechtigten Anliegen zu verweigern."

Die Menschen in Afghanistan, so die Forscherin, würden unter der Korruption mindestens genauso leiden wie unter der Gewalt.

"Das bedeutet, dass man letztlich an die Wurzeln herangehen muss. Und ich hebe immer wieder den Eindruck, dass die Staaten zum Beispiel mit Methoden, die auch den Datenschutz tangieren, die liberale Werte tangieren, dass sie mit derartigen Methoden herangehen, um den Terrorismus zu bekämpfen. Aber den gesellschaftlichen Grund, in dem terroristische Strukturen wurzeln könnten, dass sie den doch nur sehr zögerlich angehen."

In jedem Jahr veröffentlicht das Institut für Friedens- und Konfliktforschung ein Friedensgutachten. Im Jahr 2010 lautet das Thema: Wie können aus Gewaltakteuren Bürger, Teilhaber von legitimen staatlichen Strukturen werden.

"Das bedeutet aber auch, dass man genau diese Tabus - wir grenzen die aus, wir reden nicht mit denen, wir beziehen sie nicht mit ein, sie stehen auf einer schwarzen Liste -, dass man diese Tabus bricht. Und dann besteht die Chance, die Ausgegrenzten einzubeziehen."

Eine neue Strategie. Denn die Nahost-Expertin Margret Johannsen hat jahrelang erlebt, dass Ausgrenzung nicht zum Erfolg führt.

"Man muss zum Beispiel bei den Palästinensern nicht nur mit der Fatah reden auf der Westbank, sondern auch mit der Hamas im Gazastreifen reden. Und jede Gruppe, die in der Lage ist, einen Friedensprozess zu behindern, ein Spoiler, so nenne wir das, muss einbezogen werden in einen Prozess, der letztlich den Konflikt beilegt. Und es ist in der Vergangenheit ein großer Fehler gewesen, dass man das nicht getan hat. Und ich denke, dass man daran nicht vorbei kommt, wenn man eine Lösung dieses Jahrhundertkonflikts finden will."

Kriege werden nicht nur durch Machtansprüche oder Unterdrückung unterschiedlicher ethnischer Gruppen ausgelöst, behauptet Matthias Basedau. Er leitet die Abteilung Gewalt und Sicherheit beim Hamburger GIGA Institut. Menschen kämen nicht auf die Welt und würden sich hassen. Hass zwischen Menschen habe mit historischen Bedingungen aber auch mit Manipulation zu tun.

"Es gab beispielsweise in der Elfenbeinküste einen Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden. Der Norden ist eher muslimisch, der Süden eher christlich. Und da war die große Frage, wer als Ivorer, als Einwohner der Elfenbeinküste gelten darf. Und die Eliten haben diese Frage manipuliert, um einen unliebsamen Kandidaten, der nämlich aus dem Norden kam, von der Kandidatur für die Präsidentschaft abzuhalten. Und das hat sich dann erweitert auf die gesamte Gruppe und hat dann schließlich einen Bürgerkrieg mit ausgelöst."

Manipulation durch Eliten ist aber nur da möglich, wo bestimmte Strukturen der Unterschiedlichkeit existieren: verschiedene Religionen, verschiedene Ethnien, verschiedene Hautfarben. Solche Konflikte entstehen auf lokaler Ebene und weiten sich dann auf ein Land aus, sagt Matthias Basedau. Das ist heute viel stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt.

"Also man kuckt, wie haben diese Konflikte sich tatsächlich entwickelt. Also wie sind sie tatsächlich eskaliert. Das heißt, man versucht nachzuzeichnen, wie die Abläufe genau waren, was wann passiert ist und so weiter. Und das ist in der Vergangenheit bisher relativ selten gewesen, weil man immer so eine Makroperspektive nur auf das Land hatte. Und das ist jedenfalls einer der neuen Ansätze, die es gibt."

Zwischen den Parteien vermitteln. Eine der zentralen Aufgaben im Krisengeschehen. Der Psychologe Redlich von der Hamburger Universität bildet Mediatoren aus, die die Konfliktparteien zusammenbringen. Nach dem Vorbild des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter. Der betreibt heute ein Institut an dem politische Moderatoren ausgebildet werden.

"Beispiel ist, dass er eben bei den Verhandlungen zwischen Begin und Sadat eben mit Begin sehr sachorientiert umging als Moderator, als Vermittler zwischen den Seiten. Und mit Sadat eher in bildhafter Sprache gearbeitet hat. Und solche Sachen eingeführt hat, dass er Gemeinsamkeiten herausgefunden hat. Sie waren alle drei Großväter und sie haben sich die Bilder ihrer Enkel gezeigt, um Vertrauen zueinander aufzubauen. Und dann aber in die harten, aber menschlich reifen Auseinandersetzungen zu gehen."

Begegnungen, Verständigung und Einigung zwischen Kriegsparteien seien möglich, glaubt Alexander Redlich. Man dürfe nur nicht die Konflikte unter den Tisch kehren.

"Insbesondere nicht die emotionale Seite der Konflikte, sondern eben darauf achten: Wo sind da emotionale Hintergründe, Vorbehalte, auch Wut und Ärger. Und wie kann der in einer angemessenen Form, ohne dem anderen das Gesicht zu nehmen, unter Wahrung des Gesichtes, zum Ausdruck kommen. Das ist psychologische Kompetenz dieser Moderatoren."

Ein neueres Thema der Friedens- und Konfliktforschung ist der Klimawandel. Wissenschaftler malen düstere Katastrophenszenarien für mache armen Regionen der Welt. Wassermangel oder Überschwemmungen, Stürme oder Dürreperioden.

"Ich würde prinzipiell davor warnen, den Klimawandel dazu zu missbrauchen, ihn zu versicherheitlichen sozusagen, also den Klimawandel als die einzige Ursache für Konflikte zu sehen. Und es eher als Chance nehmen, die Kooperation zu stärken","

… sagt Jan Peter Schilling vom Klimacampus der Universität Hamburg.

""Ein gutes Beispiel ist, wo gute Chancen da sind, ist das Desert-tec Projekt, ein gigantisches Projekt, das eine Möglichkeit bietet, Strom aus Nordafrika zu gewinnen, möglicherweise die lokalen Bedingungen zu verbessern und gleichzeitig noch Strom für einen Teil von Europa zur Verfügung zu stellen. Und gerade auf dem Energiesektor bieten sich sehr gute Möglichkeit der Kooperation, wo man den Klimawandel als Chance begreifen kann."

Wer auf den Krieg vorbereitet ist, kann den Frieden am Besten wahren. Die Überzeugung von George Washington, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine Denkweise, an der sich für die derzeit acht Atommächte bis heute nichts geändert hat. Ein Grund mehr, die Atomwaffen jetzt abzuschaffen, sagt der Friedensforscher Michael Brzoska.

"Wenn die acht Staaten - und das sind vor allem erst mal die beiden mit dem bei weitem höchsten Beständen an Nuklearwaffen, also USA und Russland -, wenn die nicht abrüsten, dann werden andere Staaten in der Welt sagen, warum sollen wir langfristig auf Nuklearwaffen verzichten. Und wenn wir erst mal zehn, zwölf, 15 Atomwaffenstaaten haben, dann wird es immer schwieriger, wirklich wieder Atomwaffen loszuwerden."

Die Friedensforscherin Margret Johannsen hofft, dass es auf unserer Welt irgendwann gerechter zugehen wird. Denn dann wäre Abrüstung viel leichter möglich. Wer Waffen besitzt, sagt sie, der habe in der Regel Angst davor, dass ihm zugunsten anderer etwas weggenommen würde.

"Also glaub ich eigentlich, dass Waffenbesitz und ungerechte globale Strukturen eng miteinander zusammenhängen. Und ich glaube nicht, dass man Waffen alleine beseitigen kann, ohne dass man das Problem der Ungerechtigkeit angeht."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk