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Welche "Qualität" meinen wir eigentlich?

Diskussion über Bologna-Nachfolgekonferenz in Bergen

Von Karl-Heinz Heinemann

Die Studierenden wollen mitreden
Die Studierenden wollen mitreden (AP)

<strong>Führen die aufwendigen Akkreditierungsverfahren zu einer Qualitätsverbesserung der Studiengänge? Was ist von der nächsten Bologna-Folgekonferenz im Mai im norwegischen Bergen zu erwarten, auf der über europaweit geltende Qualitätsstandards diskutiert werden soll? Ist Qualität überhaupt messbar? Darüber diskutierten am vergangenen Wochenende in Hannover Studierende, die in den Akkreditierungsagenturen als offizielle Gutachter mitarbeiten, Vertreter des Bundes demokratischer Wissenschaftler, der Hochschulrektorenkonferenz und des allgemeinen Fakultätentages. </strong>

Die neuen Studiengänge nach dem Bachelor- und Master-System müssen ein Gütesiegel durch eine Akkreditierungsagentur bekommen. Dieses Gütesiegel dürfen bislang nur sechs vom Akkreditierungsrat zugelassene Agenturen vergeben. An den Akkreditierungsverfahren sollen studentische Gutachter mitwirken. Professor Reinhold Grimm, der Vorsitzende des Allgemeinen Fakultätentages, hält das für einen Gewinn.

Bei den Akkreditierungsverfahren, an denen ich beteiligt war, hatten die Studierenden immer einen sehr großen Einfluss. Und zwar aus zwei Gründen. Erstens stellen Studierende natürlich viel unbefangener Fragen und decken also das Schönreden von Selbstevaluation relativ rasch auf, weil sich ein gruppendynamischer Prozess ergibt, und intern, über der Vorbesprechung, die Studenten die an der Universität selbst sind, die an dem Studiengang sind der akkreditiert wird gibt es einen ähnlichen Vorgang.

Jens Wernicke aus dem Vorstand des Freien Zusammenschlusses Deutscher Studierendenschaften, fzs, hält die Beteiligung der Studierenden noch für unzureichend. Die auf wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge spezialisierte Agentur FIBAA etwa lässt die Studentenvertreter links liegen. Worauf achten die studentischen Gutachter, wenn sie die Qualität eines Studiengangs beurteilen? Jens Wernicke:

Im Großen und Ganzen die soziale Dimension, ist das überhaupt studierbar, geht das auch für Leute, die nebenbei noch arbeiten müssen, wird die Prüfungsleistung irgendwie noch realistisch eingeschätzt oder hat man plötzlich pro Woche zwei Prüfungen und ist das überhaupt noch machbar?

Die Professoren haben nur die fachliche Qualität im Sinn, meint er. Die Studenten achten dagegen mehr auf die Rahmenbedingungen des Studiums.

Da kommt es dann manchmal zu so lustigen Dingen wie, dass es eine Auflage gab von einer Gutachtergruppe, die gesagt hat, der Studiengang ist eigentlich unterfinanziert, die brauche noch zwei, drei Leute mehr an Personal, sonst geht das nicht, und die Kommission streicht das einfach raus und sagt, nee das können wir nicht machen, wir haben ja auch so ein Kundenverhältnis, wir wollen ja nicht dass die Hochschule sich von uns bedroht fühlt oder nicht ernst genommen, wir machen lieber eine freundliche Empfehlung und erwähnen das am Rande, und da stellt sich die Frage, inwiefern mit so einem System, das marktwirtschaftlich ausgerichtet sein soll wirklich Qualitätssicherung stattfinden kann.

Verbessert nun die Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge die Qualität, weil man sich mehr mit den Inhalten des Studiums auseinandersetzt, oder ob bringt sie eine Verschulung und Standardisierung und damit zu eine schlechtere Qualität mit sich? Beide Tendenzen gibt es, stellten die Studierenden in Hannover fest. Auf der Bologna-Folgekonferenz in Bergen werden sich die Wissenschaftsminister mit europäischen Qualitätsstandards beschäftigen. Die europäische Vereinigung der Akkreditierungsagenturen, ENQUA, wird dazu einen Bericht vorlegen, und auch die europäische Kommission hat schon Empfehlungen ausgearbeitet. Sie laufen darauf hinaus, europaweit anerkannte Verfahren und Richtlinien für Studiengänge zu verabschieden. Alle Akkreditierer sollen in einem europäischen Register erfasst werden. Läuft das nicht auf noch mehr Bürokratie und Kontrolle hinaus, fürchten einige Diskussionsteilnehmer. Werden dann die Studiengänge europaweit so weit angeglichen, dass man wie bei mcDonalds in London das gleiche Angebot bekommt wie in Bochum oder Budapest? Die griechische Sprachwissenschaftsstudentin Eleni aus Leipzig

Ich finde, es ist nicht nötig, einen Oberakkreditierungspool und eine Oberakkreditierungsratsbehörde auf europäischer Ebene zu haben.

Ein Fazit in Hannover: Die Studierenden wollen darauf achten, dass der Bolognaprozess nicht die Vielfalt in Europa einebnet.

Links zum Thema:

Akkreditierungsrat
Studentischer Akkreditierungspool

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