Dossier / Archiv /

 

Welcome to the City of Jezevac

Mädchen in einem bosnischen Flüchtlingslager

Von Mechthild Müser

Metallgatter mit Schild "Schengen". Bekannt wurde der Ort in Luxemburg durch die Unterzeichnung des Schengener Abkommen am 14. Juni 1985. (picture alliance / dpa)
Metallgatter mit Schild "Schengen". Bekannt wurde der Ort in Luxemburg durch die Unterzeichnung des Schengener Abkommen am 14. Juni 1985. (picture alliance / dpa)

Nein, niemand kommt sie je dort besuchen, die Mädchen von Jezevac, keine Schulfreundinnen, keine jungen Männer. Jezevac ist kein Ort, wo man gern hinfährt. Dabei würden sie sich freuen und im Übermut hatte eine gerufen: "Welcome to the City of Jezevac".

Willkommen in dieser Ansammlung kleiner Häuser, schnell hingeworfen auf die ebene Fläche zwischen dem schlammigen braunen Fluss, der Oskova heißt, und der Straße, die zur Kohlen-Abraumhalde hochführt.

Die einzigen Besucher, die sich hier sehen lassen, gehören zu einer Hilfsorganisation. Sie kümmern sich um die Übriggebliebenen, Traumatisierten, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können oder wollen. Und um die Mädchen, die so frisch sind in ihrer Pubertät, die sich um die besten T-Shirts aus Kleidersammlungen prügeln und einmal ganz anders leben möchten als ihre Mütter. Berufe lernen, in der Stadt wohnen. Aber welche Chance haben sie schon?

Das ruft seit Kurzem noch andere Besucher auf den Plan: Männer mit prall gefüllten Taschen, die diese Mädchen umgarnen, ihnen ein besseres Leben verheißen - Menschenhändler.

Die könnten die Mädchen jetzt auch leicht nach Deutschland bringen, denn für Bosnien gilt das Schengen-Abkommen, die Visumspflicht ist aufgehoben.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Dossier

Mission Beethoven Die Bonner Festspielhausdebatte 

Die Kombo zeigt die Architektenentwürfe "Die Wellen" (oben) und "Der Diamant" für das neue Festspielhaus in Bonn (Handouts). (picture-alliance / dpa / Post)

Beethoven ist in Bonn geboren. Die Bonner Lokalpolitiker haben diesen Fakt erst so richtig entdeckt, nachdem die Stadt ihre bundespolitische Wichtigkeit verloren hatte. Beethoven und sein Geburtshaus sollen statt des Kanzleramtes als "Unique Selling Point", als Alleinstellungsmerkmal, vermarktet werden.

Fischen in der Nebelbank Wie sich der Berliner Politikbetrieb zu TTIP positioniert

Bundestags-Abgeordente der Grünen, Bärbel Höhn, diskutiert mit Bürgern über das Freihandelsabkommen. (Peter Kreysler)

Je mehr die Deutschen von dem europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen TTIP erfahren, um so skeptischer werden sie. Während die Bürger zunehmend murren, will die Große Koalition in Berlin die Verhandlungen zum TTIP-Abkommen mit den USA unbedingt noch in diesem Jahr abschließen. Bundeskanzlerin Merkel schaut ungeduldig auf die Uhr und mahnt zur Eile bei TTIP – warum?