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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeniger Hungernde weltweit14.10.2013

Weniger Hungernde weltweit

Welthungerhilfe und die Washingtoner Denkfabrik IFPRI stellen Welthungerindex 2013 vor

Die Zahl der Hungernden nimmt seit 1990 weltweit ab, das Problem ist aber weiterhin die gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln. Das ist eines der Ergebnisse des diesjährigen Welthungerindexes, den die Welthungerhilfe und das Washingtoner Forschungsinstitut IFPRI vorgestellt haben.

Von Dieter Nürnberger

Weltweit leiden nach UNO-Angaben etwa 842 Millionen Menscher Hunger. (AFP / Tony Karumba)
Weltweit leiden nach UNO-Angaben etwa 842 Millionen Menscher Hunger. (AFP / Tony Karumba)

Diese Einschätzung hat auch dieses Jahr Gültigkeit, die beschriebene Situation trifft auch auf die Bilanzvorstellung 2013 der Welthungerhilfe zu. Denn laut heute vorgestelltem Welthungerindex verringert sich die Zahl der Hungernden seit 1990 mehr oder weniger konstant. Derzeit hungern rund 840 Millionen Menschen weltweit - und legt man den Vergleichswert von 1990 zugrunde - dann ist dies sogar eine Abnahme im Index um 34 Prozent.

Aber - das ist klar - natürlich ist auch die Zahl von 840 Millionen Hungernden viel zu hoch. Die Situation bleibt ernst, sagt Bärbel Dieckmann, die Präsidentin der Welthungerhilfe, die aber dennoch die Fortschritte gerne hervorhebt:

"Dazu gehört wiederum Lateinamerika, hier gibt es kaum noch gravierende Hungersituationen. Dazu gehören auch viele Länder in Asien, wo sich die Situation erheblich verbessert hat. Es gibt Beispiele, wie Vietnam und Thailand, aber auch China, wo man sagen kann: Es wurde zwar nicht die Armut besiegt, aber Unter- und Mangelernährung wurden weitgehend eingeschränkt."

Der Welthungerindex setzt sich aus drei Faktoren zusammen - es geht um den Anteil der Unterernährten in einer Gesellschaft generell, hinzu kommt der jeweilige Wert für Unterernährung bei Kindern in der Bevölkerung und auch die Sterblichkeitsrate der Kleinsten. Laut Welthungerindex ist derzeit die Lage in Burundi, in Eritrea und auf den Komoren am schlechtesten.

Ein Schwerpunkt des Berichts liegt in diesem Jahr auf dem Begriff der Widerstandsfähigkeit. Ziel ist es, dass arme Länder auch Krisen überstehen können sollten. Krisen dürften nicht mehr per se dazu führen, dass die Entwicklung eines Landes zum Stillstand kommt. Ein wichtiger Ansatz - allerdings zeige gerade die Entwicklung in Syrien, dass in Krisengebieten schnell ein anderer, ein gefährlicher Kreislauf in Gang kommen kann, der dann kaum noch zu stoppen ist.

"Nach den neuesten Zahlen sind vier Millionen Syrer auf Lebensmittelhilfe unmittelbar angewiesen. Es gibt eine Inflationsrate von 100 Prozent, das heißt, dass die Nahrungsmittel so teuer werden, dass die Menschen sie sich nicht mehr leisten können. Ein Viertel der syrischen Familien haben durchschnittlich an sieben Tagen im Monat nichts zu essen. Es gibt erste Berichte, wonach Kinder an Unterernährung gestorben sind. Damit sinkt natürlich auch die Widerstandskraft der Menschen in diesem Land. Krankheiten nehmen zu. Man kann wirklich sagen, die Widerstandsfähigkeit sinkt jeden Tag."

Natürlich spielte bei der Bilanz auch die derzeitige Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer-Raum eine wichtige Rolle. Bärbel Dieckmann kennt die Gründe - es seien stets die Gleichen: Bewaffnete Konflikte und auch die Zunahme an Naturkatastrophen - dies alles bedinge eine Zunahme der Flüchtlingssituation weltweit.

"Wir haben im Moment Zahlen, dass derzeit weltweit mindestens 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegssituationen sind. Es gibt zudem rund 100 Millionen Menschen, die Umweltflüchtlinge sind. Diese verlassen ihre Heimatregionen, weil sie sich nicht ernähren können, weil die Dürren so groß sind, weil es Überschwemmungen gibt. Und dem entgegengesetzt gibt es die Zahl von 37.000 Flüchtlingen, die bislang in diesem Jahr nach Europa gekommen sind."

Trotz genereller Verbesserungen in der Statistik, so das Fazit der Welthungerhilfe, dürfe man in der Armuts- und Hungerbekämpfung nicht nachlassen. Und eine Einschätzung wurde heute, wie schon in den Vorjahren, wiederholt: Es gebe genügend Nahrungsmittel auf der Erde, das Problem sei die gerechte Verteilung, so Bärbel Dieckmann.

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