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WirtschaftsnobelpreisDas Ende der rein rationalen Kaufentscheidung

Ein Foto von Richard H. Thaler wiedergegeben auf einem Monitor (imago)
Der Henker des Homo Oeconomicus - Richard H. Thaler. (imago)

Der amerikanische Wissenschaftler Richard Thaler erhält den diesjährigen Wirtschaftspreis zur Erinnerung an Alfred Nobel. Er wird für seine Forschung zur Verhaltensökonomie ausgezeichnet. Thaler zeigte, wie sich psychologische Faktoren auf vermeintlich rationale Entscheidungen in der Wirtschaft und den Märkten auswirken.

Rein rationale Entscheidungen gibt es auch in der Wirtschaft nicht. Das war auch den Ökonomen vor Richard Thaler bewusst. Trotzdem war die Prämisse in der Wirtschaftswissenschaft lange Zeit eine andere: Ökonomen gingen davon aus, dass Menschen rational handeln - und diese Annahme nah genug an der Realität liege. Der Pionier der Verhaltensökonomie trug dazu bei, genau diese Prämisse zu widerlegen. "Man könnte sagen, dass Thaler und seine Kollegen die Henker des Modells des Homo Oeconomicus sind", sagt DLF-Wirtschaftsredakteurin Silke Hahne.

Beispielsweise konnte Thaler nachweisen, dass Menschen bei fallenden Benzinpreisen nicht das gesparte Geld - ganz rational - einfach für andere notwendige Ausgaben verplanen. Stattdessen konnte Thaler zeigen, dass die Menschen stattdessen eher teureres Premium-Benzin kauften. Die Erkenntnis: Die Menschen behandeln ihr Geld nicht vollkommen rational und zweckunabhängig, sondern teilen es mental einem festen Budget für bestimmte Zwecke zu.

Besitzgefühle steigern den Wert von Gegenständen

Eines der bekanntesten Experimente von Thaler zeigte, welchen Einfluss eine emotionale Bindung auf den Wert eines Gegenstandes hat, unabhängig davon wie beliebig diese emotionale Bindung ist. Er verteilte Kaffeebecher zufällig an eine Gruppe von Studierenden, die andere Gruppe bekam keine Kaffeebecher.

Als die Becher zum Verkauf standen, schrieben die beiden Gruppen den Bechern unterschiedlichen Wert zu: Für die beschenkten Studierenden hatten die Becher den doppelten Wert dessen, was ihre Kommillitonen für die Becher ausgeben wollten. Für die Erforschung dieses "endowment effect" ("Besitztumseffekt") war einer der beiden Co-Autoren von Richard Thaler bereits 2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden.

Vater des "Nudging"

Richard Thaler prägte außerdem den Begriff des "Nudging" und zeigte damit, wie kleine Veränderungen ganze Systeme ändern können. Seine Idee, mit psychologischen Stupsern in die "richtige" Richtung auch vermeintlich unbeliebte Entscheidungen attraktiver zu machen, wurde von vielen Regierungen weltweit übernommen, auch von der deutschen. Denn gerade bei Langfrist-Entscheidungen wie der Altersvorsorge handeln viele Menschen nicht rational und denken an die Zukunft, sondern entscheiden eher anhand von kurzfristigen Folgen.

Der Wirtschaftsnobelpreis wurde 1968 von der schwedischen Reichsbank gestiftet, um die Reihe der traditionellen Nobelpreise um die Ökonomie zu ergänzen. Überreicht wird die Auszeichnung am 10. Dezember in Stockholm. Ganz im Sinne seiner Forschung will Thaler danach agieren. Auf die Frage, was er mit den 900.000 Euro Preisgeld machen werde, antwortete er der New York Times: "Es so irrational wie irgend möglich ausgeben." (sans/tgs)

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