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Wo man hinguckt: Eventwohnen

Die Trends der Internationalen Möbelmesse in Köln

Von Beatrix Novy

179 Millionen Räume in Deutschland wollen möbliert sein.
179 Millionen Räume in Deutschland wollen möbliert sein. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Die Stimmung ist gut auf der IMM. Die Branche schreibt hierzulande schwarze Zahlen und blickt hoffnungsfroh auf die zunehmende Zahl von Single-Wohnungen, die alle eingerichtet werden wollen - nicht mit Ausnahmedesign, sondern mit ergonomisch durchdachten Möbeln.

Jahr für Jahr darf auf der Möbelmesse eine Architektin oder ein Architekt "das Haus" bespielen, einen Kubus in Halle 3, wo das erfinderische Design seinen nun auch schon traditionellen Auftritt hat. Früher war "das Haus" oft eine Art dreidimensionale Skizze, man denke nur an das Jahr, als Zaha Hadid dran war: alles schräg und angedeutet, da kam kaum eine Ahnung von Bewohnbarkeit auf. Dieses Jahr könnte man einziehen: das Bad benutzen und das Bidet, sich in den Sessel werfen, der in einer bezaubernden eigenen Nische steht, den Herd bedienen, auf der Bank im Flur sitzen. Alles Räume, entstanden durch ein Provisorium aus Glasflächen und wucherndem Grün, aber so realistisch, wie diese ganze Möbelmesse sich gibt. Selbstbewusst - die Branche schreibt hierzulande noch schwarze Zahlen -, bescheiden, im Wissen, dass die billige Konkurrenz aus Übersee den Markt dominiert, hoffnungsfroh, weil die Anzahl der Haushalte trotz schrumpfender Bevölkerung zunimmt. 179 Millionen Räume wollen möbliert sein. Und jeder Haushalt hat seine Küche. Auch die ist auf das realistische Maß deutscher Single- und Kleinfamilienverhältnisse geschrumpft, das technoid Überdimensionierte ist verschwunden, dafür steckt der Teufel, Pardon: die Innovation tief drinnen im elektronischen Detail.

" Wir können heute auf das Thema Ergonomie perfekt eingehen, das heißt, egal welche Größenverhältnisse wir vorfinden, wir können diese Küche perfekt einstellen. Das betrifft das Thema arbeiten, das Thema kochen, das Thema spülen, komplett einstellbar und beweglich."

Für 3000 Euro entfaltet die bewegte Küche ihr emanzipatorisches Potenzial: Elektronisch höhenverstellbare Arbeitsflächen erlauben es auch stark unterschiedlichen Partnern, sie 1,50, er 1,90 groß, gemeinsam Gemüse zu schneiden. In dunklen Wandflächen eingelassene Backöfen offenbaren, nur noch auf Augenhöhe, ihre technischen Finessen. Wenn sich die Gäste ein bisschen verspäten, macht das gar nichts, erläutert die Dame am Stand eines altbekannten Küchenherstellers, ihr Kollege demonstriert das, indem er über sein iPad dem Backofen mitteilt, dass die Gäste sich ein bisschen verspäten. Und das ist längst nicht alles. Moderne Software zieht Ernährung, Haustechnik, Hausüberwachung zusammen - bis hin zur Selbstüberwachung.

"Das wird so weit gehen, ich will Ihnen keine Angst machen, dass Sie in überschaubarem Zeitraum ernährungstechnisch so unterstützt werden, dass die Küche sich auf Sie einstellt, ob das Unverträglichkeiten sind, ob das irgendwelche Vorlieben sind, ein Rezept, diese Küche wird Sie und kann Sie perfekt unterstützen."

Kücheninseln sind Standard geworden und haben einen eigenen Formenreichtum entwickelt. Idealerweise hängt über ihnen eine passende Lampe, ein Kubus vielleicht mit Lichtfenstern oder etwas Zylindrisches in Edelstahl mit dünner Leuchtröhre. Glatt, rational und vor allem glanzlackiert ist die Ästhetik geblieben, und nicht nur in den Küchen. Da ist der zweite wachsende Wohnbereich: Das ist der Balkon, die Terrasse, der Garten, und man nennt es Outdoor. Outdoor ist zur Verlängerung von Indoor geworden und verlangt nach dem entsprechenden Mobiliar, zum Beispiel den minimalistischen weißen Stuhl, dessen Material – eine Mischung aus Gesteinsmehl und Harzen – jedes Wetter aushält. Damit die Gemütlichkeit nicht fehlt, hat der österreichische Hersteller outdoortaugliche Polyester-Strickpolster dazugelegt. Dezente Stücke – schrilles Ausnahmedesign ist selten geworden, knallige Ausreißer fallen auf; die bunten Säcke zum Beispiel, auf die sich müd gelaufene Messebesucher gern fallen lassen.

" Sie sitzen auf dem Canine, das ist ein riesiges Lounge-Kaninchen, das fünf Meter groß ist und dass aber auch einen kleinen Bruder hat, der nur zwei Meter groß ist, der ist mit Polysterolkugeln gefüllt."

Das ist noch harmlos, verglichen mit den ausgeflippten Einrichtungsvorschlägen einer Münchner Firma: grellrote Plastikstühle, silberne Bulldoggen mit Strasshalsband, Pferdefigurinen mit Lampenaufsatz, neobarocke Spiegel, Pseudofolianten, pinkfarbene Schminktische. Das hemmungslose, herzerfrischende Gegenprogramm zur guten Form, es wird einfach gebraucht.



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