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StartseiteKalenderblattWundersame Begegnung14.03.2011

Wundersame Begegnung

Vor 25 Jahren: Europäische Raumsonde "Giotto" passierte den Halleyschen Kometen

Kometen galten lange als Unglücksbringer, bis die Astronomie den größten Teil ihrer wahren Natur enthüllte. Überraschendes brachte auch der Vorbeiflug der Sonde Giotto am Kometen Halley ans Licht.

Von Mathias Schulenburg

Der Komet Halley, fotografiert von der Esa-Sonde Giotto (MPI für Sonnensystemforschung)
Der Komet Halley, fotografiert von der Esa-Sonde Giotto (MPI für Sonnensystemforschung)

Der Flug der Raumsonde Giotto zum Kometen Halley war eine technische Glanzleistung und mit höchsten Risiken behaftet, denn das Litfaß-säulengroße Gerät musste aus zwingenden Gründen in die Partikelwolke gesteuert werden, die der Komet mit sich schleppte – mit einer Relativgeschwindigkeit von 68 Kilometern pro Sekunde.

Nur 7,6 Sekunden vor der größten Annäherung an Halley, am 14. März 1986, passierte es dann: Ein grammschweres Stück Materie durchschlug den Schutzschild der Sonde, zerstörte die Kamera und brachte das kleine Raumschiff ins Taumeln. Zuvor aber hatte Giotto Bilder des berühmtesten aller Kometen zur Erde gesandt und damit vielen Gelehrten eine schöne Überraschung bereitet, unter ihnen Gerda Horneck, Astrobiologin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR:

"Also die Kometen wurden ja zu Anfang von einem Herrn Whipple – ganz bekannter Kometenforscher – als 'schmutzige Schneebälle' bezeichnet. Man war sogar der Meinung, die Kometen bestehen vor allem aus Wassereis. Und erst der Besuch des Kometen Halley hat uns gezeigt, dass die Kometen eigentlich schwarz sind, dunkel sind, dass sie eben auch sehr viel organisches Material enthalten. Und dieses ist noch aus der Urzeit von der Entstehung unseres Sonnensystems erhalten geblieben."

Darunter uralte Substanz aus dem Raum zwischen den Sternen, vielleicht zehn Milliarden Jahre alt und älter, die sich im Laufe der Zeit aber unter dem Einfluss aggressiver Strahlung zu höchst irdischen Verbindungen zusammengefügt hatte, wie Naphthalen, eine der klassischen Mottenkugel verwandte, Durchfall verursachende Verbindung – nachgewiesen im Spektrum Halleys. Kurioserweise – und rein zufällig – zählten früher zu den dem Kometen nachgesagten widrigen Wirkungen auch schlimme Verdauungsstörungen, weshalb James II., König von England, den 1682 wieder aufgetauchten Schweifstern unter freiem Himmel auf einem Nachtgeschirr sitzend beobachtete.

Die Annahme, dass der Komet ein weißes Kleid und kein dunkles trage, hatte für die Giotto-Mission unerwartete Folgen, denn, sagt Gerda Horneck:

"Die Kamera der Giotto-Mission, die wurde so programmiert, dass sie immer auf die hellste Stelle guckt, und dann würde sie ja den schönen leuchtenden Kern eben deutlich sehen."

Da war aber nur ein dunkler Riesenklotz, aus dem grellweiße Fontänen schossen ...

"Und dann ist sie halt, nachdem sie den Kern einmal fotografiert hat, abgeschwenkt in den gleißenden Schweif, und damit hat sich praktisch die Theorie von Mayo Greenberg bestätigt, dass der Komet doch zum großen Teil organisches Material enthält, das natürlich in Eis gefroren ist, aber dunkel ist."

Wenn für die Synthese organischen Materials nicht nur irdische Prozesse infrage kommen, sondern auch die riesigen interstellaren Räume, dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Ursprung des Lebens neu:

"Wir wissen heute, dass in den Kometen eine Menge organisches Material vorkommt, zum Teil solche Verbindungen, die wir auch als Vorstufen des Lebens identifiziert haben. Bei den Meteoriten ist es noch mehr so, da haben wir Aminosäuren, Zucker – Bausteine der Nukleinsäuren – vorgefunden."

Die auch auf die Erde niedergingen. Damit wären für die Lebensentstehung ungleich mehr Lose in der Trommel gewesen, was das vermeintliche Mysterium sehr viel wahrscheinlicher machen würde. Und was geschah mit Giotto nach dem verhängnisvollen Treffer, der die Kamera zerstört hatte? Die Automatik stabilisierte die taumelnde Sonde, der für eine halbe Stunde unterbrochene Funkkontakt wurde wieder hergestellt, und da viel Instrumentarium heil und auch viel Treibstoff übrig geblieben war, wurde das Raumfahrzeug auf eine zweite Mission geschickt. Auf der langen Reise zum Kometen Grigg-Skjellerup fiel die Sonde zweimal programmgemäß in eine Art Tiefschlaf, einmal für vier lange Jahre, bis sie ein Funkbefehl wieder weckte. Am Ende verfehlte Giotto den angepeilten Kometen um gerade 100 Kilometer – ein Volltreffer in astronomischen Maßstäben, das Ganze ein großer Erfolg für die europäische Raumfahrt.

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