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StartseiteSprechstundeWunschkinder06.01.2009

Wunschkinder

Worauf Frauen mit Rheuma achten sollten

Noch vor wenigen Jahren haben die Ärzte Frauen mit Rheuma vor einer Schwangerschaft abgeraten. Es fehlten aussagefähige Studien dazu, wie die Medikamente auf die Gesundheit der Kinder den Nachwuchs wirken. Vor allem für neuere Wirkstoffe gab es zu weniges Daten über Nebenwirkungen. Jetzt gibt es neue Therapieempfehlungen, und sie ermutigen zur Schwangerschaft.

Von William Vorsatz

Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)
Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)

Zoe ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Ein gesundes, munteres Mädchen. Ihre Mutter Sibylle Apelt hatte immer wieder Rheuma. Schon vor der Schwangerschaft. Erst Rheumatoide Arthritis, also Entzündungen in den Gelenken. Dann folgte Lupus, wegen der Rötungen im Gesicht auch Schmetterlingskrankheit genannt, eine chronische Entzündung des Bindegewebes. Aber die Therapien haben ihr geholfen, irgendwann konnte sie die Rheumamedikamente sogar absetzen.

"Als ich dann drei, vier Jahre medikamentenfrei war, wurde ich dann auch schwanger. Also hab ich dann sozusagen mir den Kinderwunsch erfüllt. Und während der Schwangerschaft war es sehr, sehr gut, eigentlich so gut wie noch nie. Also ich habe weder irgendwelche Infekte gehabt, noch irgendwelche Probleme rheumatischer Art, und hab dann entbunden, danach war es ziemlich schwierig, was die Regeneration betraf, also ich habe länger gebraucht, als andere Leute."

Viele werdende Mütter mit Rheuma machen gute Erfahrungen, wenn sie schwanger werden. Oft verbessert sich das Krankheitsbild in dieser Zeit sogar. Trotzdem ist die Schwangerschaft bei Rheuma riskant und es gilt, bestimmte Dinge zu beachten. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat jetzt neue Therapieempfehlungen herausgegeben und dazu aktuelle Forschungen ausgewertet. Mitverfasserin Professorin Erika Gromnica-Ihle:

"Es herrscht bei den Rheumatologen und noch mehr bei den Geburtshelfern immer eine gewisse Unsicherheit. Welches Medikament darf meine Patientin in der Schwangerschaft einnehmen. Manche verbieten am liebsten jedes Medikament. Das führt natürlich dazu, dass sich bei einigen Patientinnen, die Schwangerschaft führt ja nicht bei allen Patienten mit Rheumatoider Arthritis zu einer Verbesserung, dass sich bei den andern in der Schwangerschaft sehr schwere Schübe entwickeln."

Vorsicht ist bei bestimmten Rheumamedikamenten immer noch berechtigt. Der häufig verwendete Wirkstoff Methotrexat beispielsweise kann zu Schädigungen des Erbguts und Missbildungen führen, wenn er unmittelbar vor der Schwangerschaft verabreicht wird. Die neuen Therapieempfehlungen treffen hier für behandelnde Ärzte und werdende Mütter klare Aussagen. So muss Methotrexat eine ganz bestimmte Zeitspanne vor einer Zeugung abgesetzt werden. Übrigens auch beim Mann, weil der Wirkstoff das Sperma ebenfalls schädigen kann:

"Wir haben früher unterschiedliche Zeitangaben gehabt, wir haben gesagt: sechs Monate, oder ein ganzes Jahr, die internationalen Empfehlungen und das, was wir auch aus Studien wissen, sagen, dass es genügt, hier drei Monate vor beabsichtigter Zeugung abzusetzen."

Von einen anderen ebenfalls oft verabreichten Wirkstoff wissen die Experten mittlerweile, dass er während der Schwangerschaft relativ ungefährlich ist: Sulfasalazin. Diese Daten haben die Wissenschaftler vor allem aus Studien bei Patientinnen mit entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen, von denen ein Teil schwanger wurde. Zurückhaltend sind die Experten immer noch bei sogenannten Biologika, einer neuen Klasse von entzündungshemmenden Medikamenten. Hier liegen noch zu wenige Studienergebnisse vor.

Generell ermutigen die neuen Richtlinien Frauen mit Rheuma: Schwangerschaft ist fast immer möglich. Allerdings sollte sie langfristig geplant und mit dem Arzt und der Rheuma-Behandlung abgestimmt werden. Ruhige Krankheitsphasen sind günstiger. Und für die Schwangerschaft gilt: so wenig Medikamente, wie nötig. Was der junge Mutter Sibylle Appelt außerdem ganz entscheidend geholfen hat:

"Dass man einen starken Partner hat, der sozusagen die Aufgaben übernehmen kann, wenn es einem mal nicht so gut geht. Das man sich auch ausruhen kann. Weil, das ist das Wichtigste."

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