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StartseiteMarkt und MedienZeitungskrieg an der Costa Blanca07.01.2006

Zeitungskrieg an der Costa Blanca

Spanien ist ein lukrativer Zeitungsmarkt, auch für deutsche Verlagsprodukte. Schätzungsweise 800.000 Deutsche leben dauerhaft oder doch mehrere Monate in Spanien. Interessant für deutsche Medien ist neben Mallorca auch die Costa Blanca um Alicante, wo bis zu 150.000 Deutsche leben. Dort ist jetzt ein Zeitungskrieg ausgebrochen.

Von Hans-Günter Kellner

Die Costa Blanca Rundschau ist eines der neuen Blätter an der Küste.  (dradio.de/Andreas Lemke)
Die Costa Blanca Rundschau ist eines der neuen Blätter an der Küste. (dradio.de/Andreas Lemke)

Der Kiosk auf dem Boulevard in Denia an der spanischen Costa Blanca läuft gut, die Sonne scheint, und viele holen sich zum Sonntagsfrühstück im Café eine Zeitung. Neben spanischen Tageszeitungen wie El País oder Provincias liegen im Regal auch auffällig viele deutsche Titel, darunter auch regionale Wochenzeitungen wie Costa Blanca Nachrichten, Costa Blanca Rundschau oder La Verdad – Deutsche Ausgabe. Kioskbesitzerin Sole beurteilt den Markt:

" Am besten verkauft sich die Costa Blanca Nachrichten. Sie ist fast immer ausverkauft. Selbst jetzt im Winter verkaufen wir in der Woche gut 60 Exemplare. Von der Costa Blanca Rundschau verkaufen wir etwa 20, La Verdad – Deutsche Ausgabe geben wir fast vollständig zurück. "

Lange Zeit ignorierten die deutschen Zeitungsmacher die Region zwischen Valencia bis nach Murcia. Die Costa Blanca Nachrichten, die hier jeder nur CBN nennt und von der es auch eine Ausgabe für die Costa del Sol um Málaga gibt, war seit 1974 die einzige ernstzunehmende Wochenzeitung für die rund 150.000 deutschen Immobilienbesitzer. Chefredakteur Thomas Liebelt sagt:


" Die Costa Blanca Nachrichten sind vom Aufbau her eine klassische Regionalzeitung, wie man sie von Deutschland her kennt, mit einem Schwerpunkt auf Service, Lebenshilfe für Deutsche in Spanien, was mit so einfachen Dingen anfängt, wie lese ich eine Stromrechnung von Iberdrola und geht bis hin zur Lebenshilfe. "

Wer deutsche Rechtsanwälte, Ärzte oder Klempner sucht, findet sie in den Inseraten der CBN. Die deutsche Ippengruppe kaufte den etablierten Verlag 2001. Die Auflage von 25.000 Exemplaren ist zwar leicht rückläufig, doch - "die Costa Blanca Nachrichten verdienen Geld", sagt Liebelt. Er ist der einzige deutsche Zeitungsmacher in der Region, der das behaupten kann. Zwei Konkurrenten sind inzwischen hinzugekommen. Liebelt ist gelassen:

" Für mich war es immer nur eine Frage der Zeit bis große spanische Verlage auch das Anzeigengeschäft mit den ausländischen Kunden entdecken. Wir haben zwei Konkurrenten bekommen, zum einen die Costa Blanca Rundschau und die deutsche Ausgabe von La Verdad. Man wird sehen ob auf Dauer Platz für drei ist. Für drei mit Sicherheit nicht, zwei kann ich mir vorstellen. "

Die Costa Blanca Rundschau ist eines der neuen Blätter an der Küste. Der spanische Regionalverlag Prensa Iberica hat seit fünf Jahren Erfolg mit der Mallorca-Zeitung, bevor er letztes Jahr auch auf dem Festland antrat. Die CBR fällt auf den ersten Blick mit dem lesefreundlicheren Berliner Format auf, das größere Fotos und längere Reportagen auf einer Seite erlaubt. Stellvertretender Chefredakteur bei der CBR ist Ciro Krauthausen, ehemals Deutschlandkorrespondent von El País:

" Ich denke, eine gut gemachte Wochenzeitung, gut geschriebene, gut recherchierte Geschichten, gut erzählte Reportagen, was eigentlich die Mallorca Zeitung ausmacht, lässt sich übertragen. Es ist schon eine andere Altersgruppe als hier an der Costa Blanca. Es sind teils Menschen, die in den 70er, 80er und auch Anfang der 90er Jahre hierher übergesiedelt sind. (...) Das heißt, diese fluktuierende deutsche Leserschaft ist längst nicht so groß. Die Leute, die hierher kommen, haben ein Haus, oder haben es gemietet. Aber einen Hoteltourismus, wie man es von El Arenal auf Mallorca kennt, das gibt es zwar, fällt aber nicht ins Gewicht. "

Zur CBR kommt noch die deutsche Ausgabe der spanischen Zeitung "La Verdad" hinzu, und so wird der Kampf um den Markt doch mit recht harten Bandagen geführt. Da berichten Kioskbesitzer, sie würden aufgefordert, eine Zeitung doch lieber in der dunklen Ecke liegen zu lassen und die Stände auf der Straße mit der anderen vollzuhängen. Oder die Zeitungen werben sich gegenseitig die deutsche Fernsehbeilage ab. Auch Ciro Krauthausen meint, zwei würden am Ende übrig bleiben. Entscheidend wird dabei sein, welcher Verlag seiner Zeitung finanziell länger den Rücken stärken möchte. Kioskbesitzerin Sole aus Denia meint:

" Für La Verdad sehe ich schwarz. Die beiden anderen wird es wohl weiter geben. Die CBN wird auf jeden Fall durchhalten. Sie haben viele Beilagen und auch viele Anzeigen. "

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