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Zellen verraten die Herkunft der Faser

Nachweisverfahren für Tropenholz in Papier

Von Gerd Stuhlfauth

Tropenholzfaser oder nicht - das kann ein neues Verfahren nachweisen
Tropenholzfaser oder nicht - das kann ein neues Verfahren nachweisen (Stock.XCHNG / Davide Guglielmo)

Illegal geschlagenem Tropenholz wird oft zu Möbeln verarbeitet. Sicherheit, diese nicht zu erwerben, geben Gütesiegel. Dass auch Tropenholzfaser in Papierprodukten stecken, wissen nicht viele Verbraucher. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Forschungsprojekt soll es jetzt ermöglichen, diese Faser nachzuweisen.

Ein Kopierladen, wie es viele in deutschen Großstädten gibt. Hauptsächlich Studierende zählen zu den Kunden. Die Art des Papiers spielt für die allermeisten kaum eine Rolle.

"Ich kopiere in erster Linie und nehme das, was im Kopierer drin liegt. Der Preis ist wichtig, ja. Sonst gibts da keine besonderen Merkmale, nach denen ich schaue."

Dass der WWF vor einiger Zeit die Verwendung von Tropenholzfasern in Kinderbüchern anprangerte, ist weitgehend unbekannt. Auch Umweltlabel kennen die Kunden kaum. Und doch sind sie die einzige Möglichkeit, um sicherzugehen, kein Papier mit Tropenholzfasern vor sich zu haben, sagt Dr. Heinz-Joachim Schaffrath vom Fachgebiet "Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik" der TU Darmstadt.

"Es gibt das FSC-Zertifikat, es gibt PEFC. Also verschiedene Zertifikate über Waldbewirtschaftungen. Wenn man sich damit näher beschäftigt, dann weiß man, dass die entweder Tropenholz ausschließen oder eine nachhaltige Bewirtschaftung für Tropenwälder in gewissen Fällen zulassen, wie diese Kriterien aussehen. Mehr kann man als Verbraucher eigentlich nicht machen."

Umweltorganisationen wie Greenpeace oder der WWF geben sich damit nicht zufrieden. Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, Tropenholzfasern in Papierprodukten nachweisen zu können. Ein Labor in den USA kann bereits mehrere Tropenholzarten bestimmen. In Deutschland ist man noch nicht ganz so weit. Auch wenn die Papierexperten der TU Darmstadt schon heute Proben untersuchen, zum Beispiel Verpackungen aus Pappe. Ein Stückchen der Probe wird in Wasser und Natronlauge aufgelöst, die Fasern werden angefärbt und unter dem Mikroskop untersucht. Gefäßzellen weisen - je nach Baumart - ganz bestimmte Strukturen auf, erklärt Dr. Schaffrath.

"Die haben spiralförmige Strukturen oder auch nicht. Die haben eine gewisse Faserdicke, die Tüpfelung ist vielleicht nur auf einer Seite und die andere ist glatt. Und anhand dieser Merkmale kann man dann eben erkennen, das ist eine Buche, das ist eine Pappel, das ist eine Erle, das ist ein Ahorn. Und wenn wir Merkmale finden, die wir nicht zuordnen können, dann muss man sagen, also diese Gefäßzelle können wir nicht identifizieren, die sieht völlig anders aus als das, was wir so kennen. Dann ist sie eben unbekannt."

Und dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um Tropenholzfasern handeln könnte. Zumal dann, wenn verschiedene unbekannte Fasern zu finden sind. Wurde nämlich ein Tropenwald abgeholzt, wäre es ja plausibel, dass dann verschiedene Faserarten zu finden wären.

In Zukunft wollen die Wissenschaftler aber nicht nur einen Verdacht äußern können, sondern ganz konkret Tropenholzfasern erkennen. Deshalb läuft jetzt ein Forschungsprojekt mit Unterstützung der "Deutschen Bundesstiftung Umwelt". Beteiligt sind unter anderem die TU Darmstadt und die Universität Hamburg. Für zunächst 28 ausgewählte Holzarten soll ein Faseratlas erstellt werden. Eine Art Bestimmungsatlas für Tropenholzfasern in Papier. Die Forscher greifen auf die Sammlung des Hamburger von-Thüne-Instituts zurück. Dort lagern Proben tausender Holzarten aus aller Welt. Im Labormaßstab wird aus dem jeweiligen Holz Zellstoff gekocht, das heißt, der Prozess der Papierherstellung wird nachgeahmt. Denn die Fasern können danach anders aussehen als ursprünglich im Baum. Dann werden diese Faserproben mikroskopisch analysiert. Künftig sollen dafür keine Labormitarbeiter nötig sein, es geht auch automatisch mit Hilfe von Bilderkennungsverfahren, sagt Dr. Schaffrath von der TU Darmstadt.

"Heute untersuchen wir etwa 2500 Fasern, um zu einer Aussage zu kommen. Wenn wir das auf 10.000 oder 20.000 Fasern steigern könnten, dann hätten wir auch die Chance, Beimengungen von unter einem Prozent zum Beispiel zu erkennen."

Nicht nur Umweltorganisationen interessieren sich für das Thema. Auch einige Papierhersteller hätten das Problem erkannt, sagt Papierexperte Schaffrath.

"Ein ganz besonderer Erfolg war, dass wir im letzten Jahr einen koreanischen Papierhersteller bei uns hatten, der seine Mitarbeiter zur Schulung geschickt hat, um selber in der Lage zu sein, seine Rohstoffe auf mögliche Tropenholzbeimengungen untersuchen zu können. Also: Die Papierhersteller, auch die in Südostasien, haben, glaube ich, zumindest einige, die Problematik erkannt und wollen auch da entgegenwirken."

Südostasien ist dabei eine ganz wichtige Region. Denn dann, wenn bisher verdächtige Fasern gefunden wurden, stammten die Papierprodukte aus diesem Teil der Welt.

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