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StartseiteMarkt und MedienZum Heulen16.05.2009

Zum Heulen

Aufregung um RTL-Serie "Erwachsen auf Probe"

Junge Menschen werden plötzlich Eltern. Aber nur in einer Fernsehshow bei RTL. Dort sollen Teenager mit "geliehenen" Babys beweisen, dass sie das Zeug zum Elterndasein haben, unter Aufsicht des Publikums. Doch schon vor der Erstausstrahlung schlägt die Empörung Wellen: Die von ihren Eltern getrennten Babys könnten Schaden nehmen, gar Traumata erleiden, klagen Kritiker.

Von Stephan Beuting

Zum Heulen: RTL "verleiht" Babys! (AP)
Zum Heulen: RTL "verleiht" Babys! (AP)

Es ist zum Heulen - RTL trennt kleine schutzbedürftige Kinder von ihren Müttern, und weswegen, na wegen der Quote. Die Mütter ihrerseits verleihen ihre Kinder, an Minderjährige, zum Üben, und weswegen, vermutlich wegen der Kohle.

Rabenmütter und Privatsender experimentieren mit Kleinkindern und setzen leichtfertig deren Gesundheit aufs Spiel.

Wirklich? Weiß man nicht, die Sendung startet erst am 3. Juni. "Erwachsen auf Probe" heißt die Sendung, das Format kommt aus Großbritannien und heißt dort Baby Borrowers. Vier Teenagerpärchen müssen dabei beweisen, dass sie es packen, das Elternsein.

Die derzeitige Aufregung über "Erwachsen auf Probe" folgt grob zwei Linien: Die weniger Empörten halten das alles für den neuesten Quatsch nach Container-/ Dschungel-TV und fürchten um die Qualität des Fernsehens. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden.

Die Hoch-Empörten argumentieren mit dem Wohl der Kinder. "Erwachsen auf Probe", so die Kritiker, mache Kinder künftig depressiv, hyperaktiv und habe das Zeug, sie fürs Leben zu traumatisieren.

RTL erklärt, dass bei den viertägigen Dreharbeiten die Eltern ständig nah bei ihren Kindern seien, notfalls eingreifen konnten, wenn die Kleinen verstimmt waren. Manche Mutter hat nachts ihr Kind zu sich geholt, eine Psychologin und eine Erzieherin waren vor Ort. Im Schnitt kümmerten sich sieben Leute um ein Baby, ein Betreuungsschlüssel, den sich viele Kitas wünschen, den Babys scheint's gefallen zu haben.

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, Anzeichen von Traumata oder Depressionen zeigten die Kinder nach Auskunft der Mütter bislang nicht. Bleibt die Frage, ob sich die Kritiker im Vorfeld eingehend genug mit alldem vertraut gemacht haben. Durch die schrillen Töne liefern sie "Erwachsen auf Probe" gut zwei Wochen vor dem Start mehr Aufmerksamkeit, als sich die Macher wohl hätten Träumen lassen.

Babys sind denjenigen, die sich derzeit über das Format empören in einem Punkt voraus. Die meisten lernen schnell, dass Schreien anstrengend ist und sie sich ihre Kräfte einteilen müssen und die Alarm-Töne am Besten dosiert einsetzen, vor allem dort, wo es sich lohnt.

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