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StartseiteKultur heuteWegbereiter der "Neuen Leipziger Schule"06.09.2017

Zum Tod von Arno RinkWegbereiter der "Neuen Leipziger Schule"

Der Maler Arno Rink hat trotz schwerer Krankheit gemalt. Einige Kritiker bezeichnen seinen Stil als veraltet, andere sagen ihm Würde und Haltung nach. Bekannt war er bei seinen Schülern dafür, dass ihm vor allem ihre Persönlichkeitsentwicklung am Herzen lag. Am Dienstag ist er im Alter von 76 Jahren verstorben.

Carsten Probst im Gespräch mit Katrin Weller

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Der Maler Arno Rink ist tot. (Bernd Wüstneck/dpa)
Für Arno Rink war die Persönlichkeit des Malers besonders wichtig. Er sollte seinen eigenen Weg gehen, unabhängig von politischen Einflussnahmen (Bernd Wüstneck/dpa)
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Katrin Weller: Der Maler Arno Rink ist gestern im Alter von 76 Jahren verstorben. Bis zuletzt hat er noch in seinem Atelier gemalt - trotz schwerer Krankheit. Arno Rink gilt als wichtiger Wegbereiter der "Neuen Leipziger Schule" und als Lehrer hat international bekannte Künstler geprägt, wie zum Beispiel Neo Rauch. Über sein Lebenswerk habe ich vor der Sendung mit meinem Kollegen Carsten Probst gesprochen. Wenn es um die Neue Leipziger Schule geht - inwiefern hat Arno Rink diese Kunstrichtung mit seinen Bilder geprägt?

Carsten Probst: Insgesamt würde ich vielleicht generell vormerken, dass man natürlich ohnehin vorsichtig sein soll mit so ganz vorschnellen Einschätzungen der historischen Bedeutung von so Kunst in der DDR. Denn je mehr die DDR selbst historisch ist, desto mehr zeigt sie sich ja auch bei allen politischen Implikationen mit ihrer Vielschichtigkeit. Und Arno Rink zum Beispiel war durchaus ein überzeugter Kommunist, aber er hat sich eben auch sehr für das ästhetische Erbe der Moderne interessiert und eben versucht, mit seiner Malerei hier eine ganz eigene Form unter den Bedingungen der offiziellen Kunstdoktrin der DDR, des sogenannten Bitterfelder Weges vor allem in den 60er-Jahren zu finden. Das war eine figürliche Malerei, würde ich sagen, die zwar sich wie gefordert mit dem Menschenbild befasste, aber doch eben sehr, sehr viel mehr Aspekte hatte als nur Arbeit und Kollektiv und so weiter.

Weller: Dann losgelöst von der historischen Ebene: Was sind Charakteristika seiner Werke, die sich vielleicht auch durchziehen durch sein Schaffen?

Probst: Er selbst hat mal davon gesprochen, dass er so seine Bilder träumt. Und ich habe immer auch so ein bisschen den Eindruck, dass es so fast wie Traumsituationen sind, oft sieht man so ganz unklare, farbintensive, fast düstere Bildhintergründe oder so verwischte Szenerien, aus denen dann aber eine plötzlich sehr scharf und realistisch gemalte Figur oder eine Figurengruppe oder ein Detail heraussticht. Und so was kennt man eigentlich eher aus dem 19. Jahrhundert, zum Beispiel von so Nachtmahrbildern, Anton Füssli beispielsweise. Und bei Rink sind es dann oft Frauenfiguren, Akte, Farben im Rausch, wie eben so eine Fantasie. Er hat ja auch selten mit Modell gemalt, und das Erotische, was darin auch irgendwie steckt, das war eben glaube ich für ihn eine ganz wichtige Komponente. Wenn Sie das also mit dem Menschenbild im sozialistischen Realismus vergleichen, kann man ja eigentlich nicht sagen, dass da Erotik eine große Rolle spielte.

Persönlichkeitsentwicklung der Schüler im Vordergrund

Weller: Das ist das eine, sein Schaffen als Künstler. Auf der anderen Seite gilt er auch als Malermacher, also als großer Ausbilder. Er war erst Professor an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, von 1987 bis 1994 war er dort auch Rektor, also an der Schule, wo er selbst auch studiert hat. Seine Rolle als Lehrer hat er selbst weit gefasst:

Arno Rink: Ich bilde keine Malerinnen und Maler aus, sondern für mich ist schon wesentlich die Gesamtpersönlichkeit. Es hat extreme Fälle gegeben, wo dann über die Arbeit und über den Erfolg auch an der Arbeit eine andere Freiheit, ein anderes Selbstbewusstsein zustande gekommen sind. Das halte ich für ganz wichtig. Das andere, das bisschen Kunst, das haben wir nebenbei gemacht! Weil es ja gar nicht darum ging, dass sie bei mir eine Nase oder eine Hand lernen sollten.

Leipziger Schule hat sich nicht vereinnahmen lassen

Weller: Sagt Arno Rink. Herr Probst, diese Haltung, ist das auch Teil seines Erfolges als Lehrer, was glauben Sie?

Probst: Ja, wenn man Neo Rauch als seinem vielleicht bekanntesten Schüler folgen möchte, dann war genau das eigentlich das Rezept. Er hat ihn selber mal so bezeichnet als jemand von Adel, von Würde, von echter Haltung. Das ist im Grunde genommen etwas, was ohnehin die sogenannte Leipziger Schule oder die Maler, die sich in irgendeiner Weise dazurechnen, für sich beanspruchen, dass sie Haltung bewiesen haben, dass sie sich nicht haben vereinnahmen lassen. Das klingt aus heutiger Sicht vielleicht ein bisschen befremdlich, weil man ja immer schnell denkt, das waren alles Auftragsmaler in der DDR. Aber im Grunde genommen, wenn man sich in diese Werke hineinbegibt, versteht man sehr genau, was sie damit meinen, nämlich eine eigene Handschrift. Und ich glaube, das war auch jetzt mit diesem Zitat gemeint von Arno Rink, dass er immer auf die Persönlichkeit des Malers, des Künstlers gesetzt hat, der sollte seinen ganz eigenen Weg gehen, unabhängig von irgendwelchen großen politischen Einflussnahmen. Und ich denke, das hat sich eben auch fortgeschrieben, etwa in der Person von Neo Rauch, der ja auch so ein dem Medienbetrieb - jetzt im Kapitalismus - ganz fern stehender Mensch eigentlich ist.

Erst unterkühlt, dann ausdrucksstark

Weller: Manche Kritiker haben Rinks Malerei ja als veralteten Stil bezeichnet, andere wie der gerade angesprochene Neo Rauch sehen in ihm einen Künstler mit Würde und Haltung. Wie sehen Sie sein Werk heute?

Probst: Ich kann beide Einschätzungen eigentlich gut nachvollziehen. Mit diesen sehr altmeisterlich, sehr sorgsam aufgetragenen Farben und Formen wirkt Rink irgendwie für mich schon in vielen Phasen seines Werkes irgendwie unterkühlt und so merkwürdig verschlossen. Das ändert sich aber dann, wie ich finde, in einer spektakulären Wende in den 80er-Jahren, da gibt es so expressionistische Bilder, die offen, zugänglich, ausdrucksstark sind, aber ab den späten 90er-Jahren kehrt er dann doch wieder in diesen surrealistischen Epigonenstil zurück. Also, da hat er sich, so wirkt es auf mich, erneut verschlossen, vielleicht auch Skepsis gegenüber diesen neuen Verhältnissen. Ganz lässt sich dieses Werk für mich nie so fassen und begreifen, deswegen sind für mich irgendwie auch unterschiedliche Urteile gültig über ihn.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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