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StartseiteForschung aktuellZweifelhafte Sicherheit18.03.2011

Zweifelhafte Sicherheit

Konzept der schwedischen Atommüll Endlagerung wackelt nach Gutachten

Kernenergie. - Schweden will seinen Atommüll in einem Granit-Endlager deponieren. Hauptbarriere soll hier der Kupferbehälter sein, in dem das strahlende Material verpackt wird, denn das Land hat keine dichten Gesteinsformationen wie Salz oder Ton. Ein Gutachten der schwedischen Strahlenschutzbehörde lässt Zweifel an der Sicherheit der Kupferkapseln aufkommen.

Von Christine Westerhaus

Schwedens Atomkraftwerke, hier Forsmark, bekommen ein Problem mit der Entsorgung. (Forsmark Kraftgrupp)
Schwedens Atomkraftwerke, hier Forsmark, bekommen ein Problem mit der Entsorgung. (Forsmark Kraftgrupp)

Das Versuchsendlager Äspö liegt in der Nähe der schwedischen Stadt Oskarshamn. Hier, in 450 Metern Tiefe, hat die private Atommüllbeseitigungsfirma SKB getestet, wie sich Kupferbehälter im Granit verhalten. Dieses Gestein ist keine gute Barriere für radioaktive Schadstoffe. Deshalb sollen die schwedischen Atommüllbehälter durch einen fünf Zentimeter dicken Kupfermantel geschützt werden. Mindestens 100.000 Jahre lang muss diese Barriere dicht halten. Aufgrund ihrer Versuchsergebnisse ist sich die SKB nun sicher, dass Kupfer in dieser Zeit nicht kaputtrosten wird. Um das zu überprüfen, hat die schwedische Strahlenschutzbehörde ein Gutachten bei einem unabhängigen Korrosionsexperten in Auftrag gegeben. Dessen Studie lässt nun Zweifel daran aufkommen, dass die fünf Zentimeter dicke Kupferhülle wirklich 100.000 Jahre übersteht. Jan Linder von der Abteilung für Endlagerfragen der schwedischen Strahlenschutzbehörde.

"Das Gutachten zeigt, dass Kupfer unter bestimmten Voraussetzungen in sauerstofffreiem Wasser korrodieren kann. Solche Verhältnisse können auch im Grundwasser herrschen. Darauf hat die SKB in ihrer bisherigen Forschung zu wenig Rücksicht genommen."

Besonders Schwefelverbindungen könnten den Kupferkapseln stark zusetzen. Das haben die Betreiber nicht ausreichend untersucht, bemängelt Digby Macdonald, der Autor des Gutachtens. Er ist Professor für Material- und Ingenieurwissenschaften an der Pennsylvania State University.

"Die SKB hat in ihren Modellen nicht alle Schwefelverbindungen berücksichtigt, die in einem Endlager vorkommen können. Es gibt etwa 20 Verbindungen, die alle Kupfer angreifen können. Die SKB stützt ihre Berechnungen vor allem auf Sulfidverbindungen, obwohl auch Schwefelwasserstoffverbindungen Kupfer angreifen. Deshalb müssen die Modellrechnungen der SKB verbessert werden. Denn das einzige, worauf wir uns bei einem Zeitraum von 100.000 Jahren verlassen können, ist das, was uns unsere Modelle sagen."

Nach den Plänen der SKB sollen die Kupferkanister zusätzlich in eine Schicht aus Bentonit eingebettet werden. Dieses tonähnliche Material quillt auf, wenn es mit Wasser in Berührung kommt. In diesem gequollenen Zustand soll der Bentonit frei werdende radioaktive Schadstoffe auffangen, falls diese aus den Containern austreten. Rosten die Kupferkanister wäre diese Tonschicht neben dem Granitfelsen jedoch die einzige Barriere für die radioaktiven Schadstoffe. Damit ist das gesamte Sicherheitskonzept infrage gestellt, sagt Johan Swahn, Direktor der schwedischen Umweltorganisation MKG.

"Die Annahme, dass Kupfer im Endlager nicht rostet, ist der Grundpfeiler des ganzen Endlagerkonzepts und dieser ist nun erschüttert. Das bedeutet, dass man sich zu 100 Prozent auf die Bentonit- Barriere verlassen muss. Bentonit braucht aber Wasser, um aufzuquellen und dort, wo der Atommüll endgelagert werden soll, gibt es kaum Wasser. Es wird also sehr lange dauern, bis diese Barriere funktioniert."

Laut schwedischem Gesetz muss die Entsorgungsfirma SKB, an der auch die Betreiber Eon und Vattenfall beteiligt sind, einen Bauantrag für das Endlager bei der Regierung einreichen. Johan Svahn hofft, dass diese nun Nachbesserungen verlangt und weitere Gutachten von unabhängigen Wissenschaftlern einfordert. Für ihn ist es ein Skandal, dass sich die SKB bisher kaum in die Karten schauen lassen musste.

"Das schwedische Modell bringt viele Probleme mit sich. Alle Gelder und Forschungsmittel liegen bei der Atomindustrie. Für unabhängige Studien gibt es kaum Ressourcen. Das bedeutet, dass wir nicht wissenschaftlich kontrollieren können, woran die SKB arbeitet. Ein weiteres Problem ist, dass die SKB eine private Firma ist. Sie kann deshalb nicht gezwungen werden, ihre Forschungsergebnisse herauszugeben. Wir haben uns schon vergeblich darum bemüht. Aus wissenschaftlicher Sicht ist so etwas völlig inakzeptabel."

Kritiker des schwedischen Konzepts bemängeln außerdem, dass bisher keine alternativen Lösungen für die Endlagerung erforscht wurden. Dass der Atommüll wie in anderen Ländern in Salz oder Tonstein eingeschlossen wird, ist jedoch ausgeschlossen: In Schweden gibt es dafür keine geeigneten Standorte.

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