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Zweite Chance Kindergarten

Der steinige Weg vom Erwerbslosen zum Erzieher

Von Svenja Pelzel

Die Durchfallquote von Seiteneinsteigern in den Erzieherberuf beträgt in den meisten Bundesländern weit über 50 Prozent.
Die Durchfallquote von Seiteneinsteigern in den Erzieherberuf beträgt in den meisten Bundesländern weit über 50 Prozent. (AP)

Die Erzieherbranche sucht händeringend Kräfte. Vor allem deshalb schulen nicht wenige Arbeitslose auf diesen Bereich um. Allerdings ist der Weg von Harz IV in die Kinderbetreuung ausgesprochen steinig und kräftezehrend.

Lena heißt nicht wirklich Lena. Weil die zierliche junge Frau mit den dunklen langen Haaren, den großen Augen, dem mädchenhaften Gesicht aber aussieht wie die deutsche Eurovision-Song-Contest-Gewinnerin, soll sie hier auch so heißen. Die 32-Jährige ist gelernte Floristin und ausgebildete Animateurin, hat sechs Jahre in Berlin fest angestellt beim Kinderhilfswerk 'Arche' gearbeitet. Außerdem war sie in der Erwachsenenbildung tätig, wurde dann aber arbeitslos und bekam von ihrem Jobcenter eine Umschulung zur Erzieherin bezahlt. Ein Jahr lang hat Lena acht Stunden täglich die Schule besucht, abends und am Wochenende gebüffelt, in ihrer Freizeit Vorlesungen an der Hochschule gehört - und trotzdem nicht bestanden.

Den Job als stellvertretende Leiterin einer Berliner Kita hatte Lena bereits in der Tasche, es fehlte nur der Abschluss. Doch statt im Stuhlkreis mit den Kindern sitzt Lena jetzt frustriert auf dem Sofa ihrer kleinen Dachgeschosswohnung.

Tausende Langzeitarbeitslose sollen zu Erziehern umgeschult werden - diese Forderung haben Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und der Chef der Bundesagentur für Arbeit Anfang Juni erhoben. Beide mussten sich für diese Idee, die im Zusammenhang mit der Schlecker-Insolvenz aufkam, viel Kritik anhören.

Doch was seinerzeit so neu und auch ein wenig abwegig klang, ist in Wirklichkeit ein alter Hut. Die Bundesländer schulen schon seit Jahren Arbeitslose zu Erziehern um. Allerdings ist der Weg von Harz IV in die Kinderbetreuung ausgesprochen steinig und kräftezehrend. Viele Bewerber scheitern, wie eben zum Beispiel Lena.

Mittlerweile ist die 32-Jährige krank geschrieben, nach dem anstrengenden Jahr und der gescheiterten Prüfung am Ende ihrer Kraft und ihrer Nerven.

"Ich werde jetzt schon teilweise angesprochen: 'ach, du bist so eine Schleckerfrau'. Neee! Ich habe dafür verdammt noch mal sechs Jahre in der Pädagogik gearbeitet und ich habe feste Arbeitsverträge gehabt. Und ich habe auch mich als Bürger in den Sozialstaat eingebracht. Ich habe Kinder begleitet in vielen schweren Lebenslagen, gerade in der 'Arche', wo so viel soziale schwache Kinder sind, die geschlagen werden. Das können Sie sich nicht vorstellen, wie sich das anfühlt."

Wie es in ihrem Leben weitergeht, weiß Lena im Moment noch nicht. Ein Mal darf sie die Prüfung wiederholen, dann ist sie in Berlin für den 'Erzieher verbrannt' wie sie sagt. Vielleicht wird sie für ihren Traum sogar umziehen müssen. Aus- und Weiterbildung sind Ländersache, in jedem Bundesland gelten andere Regeln. Möglicherweise hat sie woanders noch eine Chance.

Eine Ausbildung zum Erzieher wird von Fachschulen, Berufsfachschulen und Berufskollegs angeboten und dauert normalerweise zwei bis vier Jahre. Voraussetzung ist in der Regel mindestens die Fachoberschulreife. Zudem bieten immer mehr Hochschulen ein Studium an. Einen dieser regulären Ausbildungswege hätte sie sich auf keinen Fall leisten können, erzählt Lena, nachdem sie sich wieder beruhigt hat. Für eine Bafög-Förderung ist sie mit 32 Jahren zu alt, die gibt es nur bis 30.

"Also ich hätte die Fachschulausbildung besuchen können, wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir für drei Jahre meinen Lebensunterhalt finanziert hätte, dann hätte ich diese Fachschulausbildung ablegen können. Man hat ja auch seine Ausgaben und das muss ja auch alles sein. Man will ja auch nicht wieder zurück zu Mama ziehen."

So blieb ihr nur eine Umschulung über die Bundesagentur für Arbeit. Auch hier hat jedes Bundesland eigene Gesetze und Regelungen. Meistens führen für Arbeitslose jedoch drei Wege zum Erzieherberuf. Weg eins: die reguläre dreijährige Fachschulausbildung. Das Problem dabei: Die Bundesagentur für Arbeit bezahlt nur die ersten beiden Jahre der Ausbildung, das jeweilige Bundesland soll dann die Kosten für das dritte Jahr übernehmen. Doch nur wenige Bundesländer können sich diesen teuren Weg leisten, Berlin zum Beispiel nicht.

Weg zwei: die berufsbegleitende Ausbildung. Die Arbeitslosen suchen sich eine Kita, Schule oder sonstige Einrichtung, arbeiten dort etwa 20 Stunden pro Woche und besuchen parallel dazu eine Fachschule. Der Azubi bekommt das volle Erziehergehalt, die Kosten für die ausgefallenen Arbeitsstunden trägt das Land. Das Problem: Es gibt zu wenige Plätze.

Weg drei – die Nichtschülerprüfung. Arbeitslose wie zum Beispiel Lena, die mindestens ein Jahr sozialpädagogische Berufserfahrung vorweisen können, bekommen von der Bundesagentur einen privaten Vorbereitungskurs finanziert. Nach einem Jahr legen sie die gleiche Prüfung wie die Fachschüler ab. Wer keine Berufserfahrung hat, kann einen zweijährigen Kurs besuchen und während dieser Zeit die Praktika nachholen.

"Eigentlich deckt man in dem Vorbereitungskurs alles ab, wie die Fachschüler auch. Also Ökologie und Gesundheit, sozialpädagogische Theorien und Praxis, die sprachliche Entwicklung zum Beispiel, wie entwickelt sich die Sprache bei Kindern, wie funktioniert das Gehirn, wie funktioniert die Motorik? Also ich sag mal, eigentlich ist in dem Vorbereitungskurs soweit nichts nicht angesprochen worden, was nicht auch im Rahmenlehrplan von dem normalen Erzieher in der Fachschule auch durchgenommen wird. Bloß die Zeit ist halt komprimierter."

Diese Verdichtung hat Folgen: In Berlin sind in diesem Jahr 76 Prozent der Nichtschüler bei der Prüfung durchgefallen, in Brandenburg waren es 71 Prozent. Macht zusammen rund 200 betroffene Männer und Frauen. Arbeitsvermittlerin Dorothee Waßerfall aus Berlin-Reinickendorf rät deshalb ihren Kundinnen von der Nichtschülerprüfung ab.

"Bei einer Durchfallquote von 75 Prozent: Wen möchten sie dahin schicken? Weil ich meine, es kostet uns ja auch viel Geld und wenn wir halt eine Weiterbildung, Umschulung, wie auch immer, rausgeben, müssen wir oder der einzelne Vermittler muss halt abprüfen, kann ich wirklich davon ausgehen, dass derjenige die Prüfung auch schafft. Es fallen auch Studenten durch, also Leute, die ein Studium fast abgeschlossen haben, et cetera. Das ist doch Glücksspiel."

Auch Jennifer Mlezcak, die an diesem Morgen im Büro der Arbeitsvermittlerin sitzt, rät Dorothee Waßerfall, einen anderen Weg zu gehen.

"Ja, dann haben Sie ja gesagt, sie möchten gerne eine Beratung haben für die Erzieherausbildung.

" Ja das wäre schon toll, wenn ich das irgendwie hinbekomme."

Jennifer Mleczak ist 23, schmal, trägt einen blonden Pferdeschwanz, Jeans und ein hellblaues T-Shirt. Mit ihrer fröhlichen und mädchenhaften Art kann man sie sich gut als Erzieherin in einer Kita vorstellen. Doch Jennifer hat nicht ihren Traumberuf gelernt, sondern dem Vater und seinem Familienbetrieb zuliebe Bürokauffrau. Als brave Tochter schließt Jennifer die ungeliebte Ausbildung ab, jobbt seitdem mal hier mal da, unter anderem auch beim Drogeriemarkt Schlecker. Dass einige ihrer ehemaligen Kolleginnen auch gute Erzieherinnen wären, steht für Jennifer außer Frage.

"Aber eigentlich ist es den Mitarbeiterinnen ... finde ich es irgendwie ungerecht gegenüber, weil die haben was ganz anderes gelernt. Und ich glaube, nur weil die jetzt arbeitslos sind und jetzt gerade Erzieher gesucht werden, muss man das ja nicht zusammenfügen, sondern dass sie selber entscheiden können, was sie halt machen wollen. So sehe ich das."

Arbeitsvermittlerin Dorothee Waßerfall sieht das ähnlich wie ihre Kundin. Jedes Mal, wenn Politiker und Medien fordern, Arbeitslose vermehrt zu Erzieherinnen umzuschulen, steigt bei ihr die Zahl der Anfragen.

"Es sind relativ oft halt Anfragen: ich möchte doch gerne und nun geben sie mir doch die Chance, warum fördern sie mich nicht? Ja, es ist schwierig mit den Leuten, denen das klar zu machen, dass man eine Förderung allgemein gucken muss und dann Erzieher immer auf den Einzelfall."

Als Erstes klärt Dorothee Waßerfall, ob der oder die Betreffende überhaupt eine Umschulung vom Jobcenter bezahlt bekommt. Jennifer Mleczak zum Beispiel bekommt keine, weil sie gerade erst ihre Lehre abgeschlossen hat, zu jung und noch nicht lang genug arbeitslos ist. Im zweiten Schritt geht es darum zu klären, wie ernst ihrem Gegenüber der Berufswunsch Erzieherin tatsächlich ist.

"Also wir haben auch etliche, die sagen: 'Ja, würde ich machen, geben sie mir ne Stelle'. Mit dieser Einstellung bringt es nichts."

Seit fünf Jahren arbeitet Dorothee Waßerfall bereits als Arbeitsvermittlerin für den Gesundheits- und Sozialbereich. Pro Woche erkundigen sich bei ihr drei bis vier Frauen und Männer aus allen möglichen Berufssparten nach dem Erzieherberuf - Altenpflegerinnen mit Rückenschmerzen zum Beispiel oder Hausfrauen, es sind aber auch arbeitslose Handwerker dabei. Den meisten rät sie, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen.

"Es gibt manchmal ganz tolle Fälle, erfahrungsgemäß sind das Leute, die nicht locker lassen. Die gehen der Kitaleitung so was von auf den Keks, dass die sagt, oh Gott, wenn die nochmal anruft, dann stell ich sie doch lieber ein."

Jennifer Mleczak rät Waßerfall ebenfalls, sich eine Kita zu suchen, auch wenn diese Stellen in Berlin heiß begehrt und schwer zu bekommen sind. Laut Statistik befanden sich 2011 in Berlin über 1300 Arbeitslose in einer berufsbegleitenden Erzieherausbildung, davon über 25 Prozent Männer. Doch der Bedarf ist weitaus höher - und das gilt für beide Seiten. Laut der neuesten Schätzung des Deutschen Jugendinstitutes vom Mai fehlen ab dem kommenden Jahr in ganz Deutschland über 9000 Erzieher, sowie bis zu 27.000 Tagesmütter. Auch wenn Berlin laut dieser Prognose eher einen Überschuss an Erziehern aufweist, hat Dagmar Kuhlich vorgesorgt. Sie ist Referatsleiterin für die beruflichen Schulen in Berlin.

"Wir haben die Anzahl der berufsbegleitenden Ausbildung, diese Plätze wieder massivst erhöht. Wir haben noch einmal 300 Plätze zur Verfügung gestellt. Und wir werben in allen Kitas in Berlin, dass sie dazu übergehen sollten, berufsbegleitende Plätze zur Verfügung zu stellen. Wir haben mittlerweile auch viele Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit geführt und haben gesagt, lasst uns doch lieber die Instrumente nutzen, die diesen Menschen auch besser zunutze kommen."

Gerne würde Dagmar Kuhlich den vielen Nichtschülern, die dieses Jahr durch die Prüfung gefallen sind, helfen. Allerdings hat sie auf deren Ausbildung keinerlei Einfluss. Die Kurse werden in Berlin vom Arbeitsamt bezahlt, von privaten Bildungsträgern angeboten und von externen Gutachtern zertifiziert. Das Land kann es sich schlicht nicht leisten, solche Kurse ebenfalls an Fachschulen anzubieten, wie es zum Beispiel in Baden-Württemberg praktiziert wird.

"Die staatlichen Schulen werden ja mit Steuergeldern finanziert und sie wissen selbst, in welcher finanziellen Ausstattung und Lage Berlin ist. Das ist sicherlich in den Bundesländern ganz unterschiedlich. Es gibt sicherlich Bundesländer, die können sich das leisten, zusätzlich an ihren Schulen Lehrgänge einzurichten, die nicht zwingend erforderlich sind. Das ist nicht zwingend erforderlich."

Neben dem fehlenden Geld scheitert die Ausbildung für Nichtschüler aber auch am Widerstand der Fachschulen. Als 2010 erstmals arbeitslose externe Schüler zu den Prüfungen zugelassen wurden, sammelten die Fachschullehrer gemeinsam mit der Gewerkschaft GEW Unterschriften. Sie befürchteten, dass ihre eigene Ausbildung abgewertet wird, wenn sich auf einmal nach einjähriger Umschulung jeder Erzieher nennen darf. Weil seitdem von den durchgefallenen externen Prüflingen immer wieder der Verdacht geäußert wird, es gehe nicht gerecht zu, denkt Dagmar Kuhlich über Veränderungen nach.

"Was wir nicht ändern wollen, ist, den qualitativen Anspruch und das Niveau der Prüfung abzusenken. Aber es gibt auch die Möglichkeit zu sagen, okay, wir können vielleicht auch den Ablauf der Prüfung noch etwas ändern. Wir denken darüber nach, oder wir haben darüber begonnen nachzudenken, ob wir nicht - weil wir auch eine große Anzahl Schulen im System haben - eine zentrale Prüfung bei den Erziehern einzuführen."

Während die eine Seite die ungerechte Prüfungssituation beklagt, spricht die andere Seite von schlecht vorbereiteten Prüflingen. Viele bezweifeln, dass die privaten Bildungsträger den Stoff in einem Jahr Intensivkurs genauso gut vermitteln können wie die Fachschulen in drei Jahren.

Unterricht in der privaten bbw-Akademie im Brandenburgischen Oranienburg. Zehn Männer und Frauen - die jüngste ist 32, der älteste 52 Jahre alt – sitzen in einem hellen Klassenzimmer, diskutieren gemeinsam mit dem Lehrer über kindliches Fehlverhalten. Das Thema gehört zum einjährigen Vorbereitungskurs für die Nichtschülerprüfung - nur eines von vielen Lernfeldern. Auf dem Stundenplan stehen zum Beispiel Pädagogik, Musik, Teamarbeit, Konzepte, kindliche Entwicklung und Wahrnehmung. Insgesamt umfasst der Lehrgang über 1000 Unterrichtsstunden, das sind nur 60 weniger als bei den Fachschülern.

Die Stimmung in der Gruppe ist gut, alle arbeiten konzentriert mit. Nach acht Stunden Unterricht lernen die Männer und Frauen oft gemeinsam weiter, sie büffeln abends und am Wochenende. Zudem arbeiten sie stundenweise als Praktikanten in einer sozialpädagogischen Einrichtung, haben Familie und Kinder zu Hause. Die Männer und Frauen, die hier noch einmal neu anfangen wollen, stehen in der Mitte ihres Lebens. Dabei ist eine Tiefbauingenieurin, eine Restaurantfachfrau, eine Innenraumdekorateurin, ein Sporttrainer. Alle haben reichlich Erfahrung mit Kindern. Manche betreuen seit Jahren ein Pflegekind, andere arbeiten als Fahrer für Kinderprojekte, im Kindersport oder in einer Resozialisierungseinrichtung für Jugendliche. Jens Dohmke zum Beispiel ist Jugendtrainer bei der Freiwilligen Feuerwehr und gelernter Klempner.

"Ging gesundheitlich nicht mehr. Ich hatte Probleme mit dem Knie und mit den Nieren und dadurch hat sich mir die Möglichkeit geboten einer beruflichen Neuorientierung. Und da ich schon immer gern mit Kindern gearbeitet habe, ich mache schon jahrelang bei der Feuerwehr Jugendarbeit und ähnliches und Rettungsschwimmer und viele Jugendgruppen betreut und hat sich der Wunsch zum Erzieher rauskristallisiert."

Anders als die meisten Männer, die als Erzieher später eher mit größeren Kindern arbeiten wollen, hat Jens Dohmke die Kitazwerge für sich entdeckt. Die Drei- bis Fünfjährigen findet der zweifache Vater einfach super. Die Erfahrung mit den eigenen Kindern hilft ihm bei seiner zukünftigen Arbeit.

"Man strahlt ne gewisse Ruhe aus, man kennt sich schon mit den Situationen aus und man ist nicht ganz unbedarft. Es ist schon schön, wenn man Lebenserfahrung mitbringt. Man kennt es von den eigenen Kindern und man muss nicht immer gleich auf ´nen Baum springen."

Im vergangenen Jahr sind von den Oranienburger Schülern 50 Prozent durchgefallen, immerhin weniger als der Landesdurchschnitt von 71 Prozent. Jens Dohmke schreckt diese Zahl nicht ab, er und seine Mitschüler fühlen sich gut vorbereitet.

"Was ist denn los?

"Kannst Du den Bollerwagen reparieren?"

Den Bollerwagen kann ich grade nicht reparieren. Da müssen wir mal richtig was bohren oder schweißen."

Statt den Bollerwagen zu reparieren, baut Olli gemeinsam mit den Kindern einer Berliner Kita im Garten lieber eine Höhle aus Klettergerüst und Plastikplane. Olli ist 41, studierter Politologe und Germanist, hat jahrelang in Mecklenburg-Vorpommern und Italien als Erzieher im Internat gearbeitet. Wie Lena hat auch er den einjährigen Intensivkurs besucht und wie sie ist auch Olli beim ersten Anlauf durchgefallen. Den Kindern in der Kita ist das egal. Sie mögen ihren Erzieher. Die Kolleginnen auch.

"Viele wussten das gar nicht, dass ich noch gar kein Erzieher bin und haben mich als gleichberechtigten Kollegen aufgenommen. Weil die wahrscheinlich auch gesehen haben, dass ich jetzt schon Erfahrung hab und wie ich auch mit den Kinder umgehe. Und ich glaube, man ist schon zufrieden, krieg positives Feedback von den Kollegen, von der Leitung, auch von den Eltern."

Olli hat noch eine Chance. Sollte er auch beim zweiten Anlauf durch die Prüfung fallen, ist die Erzieherlaufbahn für ihn zu Ende. Iris, die stellvertretende Leiterin der Kita, würde das sehr bedauern. Sie selbst hat vor Jahren die Ausbildung zur Erzieherin auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und begrüßt es deshalb, wenn jemand sich neu orientiert.

"Seh' ich positiv, warum nicht noch mal so als Quereinsteiger. Wir sind auch sehr positiv, wenn sich andere Mal entscheiden, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen, sind wir auch immer offen, dass wir den Praxisplatz auch bereitstellen. Für Praktikanten sind wir sehr offen, die auch mal reinschnuppern wollen."

Iris findet es vor allem gut, dass Olli völlig neue Ideen in die Kita einbringt. Seit er da ist, wird im Garten mit Seilen und Planen gespielt, getischlert, der Bollerwagen selbst repariert. Allerdings muss Iris zugeben, dass sie in der Kita mit Quereinsteigern auch schon weniger gute Erfahrungen gemacht haben.

"Ja die bringen schon so ihre eigenen Vorstellungen und auch ihre eigenen Erfahrungen, das ist ja auch in Ordnung. Die haben dann selber vielleicht Kinder in anderen Einrichtungen gehabt. Es ist schon schwierig, auch diese Zuverlässigkeit ist auch ein Thema. Also wir haben schon sehr negative Erfahrungen auch gemacht. Aber nichtsdestotrotz, sind wir immer wieder offen und sagen: nein, trotzdem, jeder hat ne zweite Chance."

Doch es ist schwer, diese zweite Chance tatsächlich wahrzunehmen. Das belegen auch die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit kürzlich für die rund 23.000 ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen veröffentlicht hat: lediglich 81 haben eine Aus- und Fortbildung absolviert, nur ein Bruchteil davon lässt sich zur Erzieherin umschulen.

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