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StartseiteForschung aktuell Der lange Atem des CO225.11.2015

1 Jahrtausend Der lange Atem des CO2

Serie: 2 Grad plus - das Klima vor Paris

Ein Jahrtausend. Das sind vielleicht 40 Menschen-Generationen. So lange werden Spätfolgen der Nutzung fossiler Energieträger, von Kohle, Erdgas und Öl zu spüren sein. Andere Treibhausgase sind dann schon längst verschwunden, aber Kohlendioxid wird immer noch da sein.

Von Volker Mrasek

1 Jahrtausend - Der lange Atem des CO2 (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
1 Jahrtausend - Der lange Atem des CO2 (Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
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Ein ... Jahrtausend. Eine verdammt lange Zeit ...

"Ein Jahrtausend, das ist eine schöne runde Zahl. Wir haben sie ausgewählt und kalkuliert, wie viel Kohlendioxid dann noch in der Atmosphäre ist."

Viktor Brovkin vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg meint natürlich anthropogenes CO2. Also die Abermilliarden Tonnen, die auf das Konto des Menschen gehen, seit er Kohle, Erdgas und Öl verfeuert ...

"Nach einem Jahrtausend ist davon immer noch ein Fünftel in der Atmosphäre. Der Punkt ist: Die Emissionen aus der Nutzung fossiler Energieträger übersteigen das Aufnahmevermögen des natürlichen Kohlenstoff-Kreislaufs bei weitem."

Man stelle sich die Atmosphäre als Abfalleimer vor, in den wir ständig CO2 hineinschmeißen. Dann kann man sagen: Es gibt schon eine Müllabfuhr. Das sind die Wälder und die Weltmeere. Doch sie schaffen es nicht, den ganzen Abfall wegzubunkern ...

"Der Ozean und die Landoberfläche schlucken jeweils ein Fünftel des Kohlendioxids - zusammen also 40 Prozent. Das heißt, der Großteil bleibt in der Atmosphäre. Und es dauert gut und gerne tausend Jahre, bis das Meiste davon wieder verschwunden ist."

Am Ende wird es ein geochemischer Prozess sein, der den Kreislauf wieder ins Lot bringt. Dabei geht Kohlendioxid in Gesteine über und bildet Kalziumkarbonat. Das Ganze nennt sich "Verwitterung" und dauert eine halbe Ewigkeit. Bis auch die allerletzten Reste aus der Atmosphäre gesogen sind, gut zehn- bis hunderttausend Jahre, schätzen die Forscher. Prozesse auf geologischen Zeitskalen sind bekanntlich lang ...

"Also, das ist schon klar! Der Mensch ist eine geologische Kraft mittlerweile."

Dass CO2 einen so langen Atem hat, ging den Klimamodellierern erst relativ spät auf, erzählt Martin Claussen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie.

"Anfang der 2000er Jahre gab's die ersten Modelle, die sich auch mit dem langfristigen Kohlenstoff-Kreislauf beschäftigt haben."

Ein Jahrtausend. Das sind vielleicht 40 Menschen-Generationen. So lange werden Spätfolgen der Nutzung fossiler Energieträger zu spüren sein. Viele machen sich das bis heute nicht klar ...

"Durch diese lange Lebensdauer von CO2 werden noch viele Generationen mit dem Klimaproblem zu tun haben, das wir heute schaffen. Andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas sind spätestens in, sagen wir, hundert Jahren wieder verschwunden. Aber Kohlendioxid wird immer noch da sein."

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