Sonntag, 26.05.2019
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteInterviewGysi: Sie wären Rechtsextremen nie entgegengekommen13.01.2019

100. Todestag von Luxemburg und LiebknechtGysi: Sie wären Rechtsextremen nie entgegengekommen

Den heutigen Rechtspopulisten hätten sich Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sehr entschieden und konsequent entgegengestellt, sagte Gregor Gysi (Linke) im Dlf anlässlich ihres 100. Todestages. "Sie hätten immer gesagt, wir müssen die Leute vom Gegenteil überzeugen."

Gregor Gysi im Gespräch mit Änne Seidel

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Vor einem Gedenkstein auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde sind am 14.1.2018 Bilder von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu sehen. (imago / snapshot / K. M. Krause)
Alljährlich wird in Berlin zum Gedenken an die am 15. Januar 1919 ermordeten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg demonstriert. (imago / snapshot / K. M. Krause)
Mehr zum Thema

Eine Lange Nacht über Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht „Ein scharfer Wind bläst durch die Lande“

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht "Ein scharfer Wind bläst durch die Lande"

Für die deutsche Gesellschaft haben Rosa Luxemburg sowie Karl Liebknecht eine wichtige Rolle gespielt, indem sie viele Konflikte deutlich machten, glaubt Gregor Gysi. Karl Liebknecht sei ein entschiedener Gegner der Kreditgewährung für den Ersten Weltkrieg gewesen. Er sei strikt gegen den Krieg gewesen, die Mehrheit der Fraktion der Sozialdemokraten beschloss jedoch, die Kredite zu gewähren.

"Das ist zum Beispiel etwas, was in Erinnerung bleibt: die klare Erkenntnis, dass der Krieg ein Fehler war, was heute auch kein Mensch mehr bestreitet. Aber damals sah das eine Mehrheit in der Gesellschaft anders", sagte Gregor Gysi im Dlf.

Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Gregor Gysi, spricht zu Air-Berlin-Beschäftigten am 22.11.2017 bei deren Demonstration. (picture alliance / dpa / Silas Stein)Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Gregor Gysi (picture alliance / dpa / Silas Stein)

Rosa Luxemburg sei hingegen sehr viel theoretischer tätig gewesen, führt Gysi fort und verweist auf die politischen Briefe, die Luxemburg aus dem Gefängnis schrieb.  Die von ihr aufgestellten demokratischen Thesen, und dass sie sich kritisch mit den Ergebnissen der Oktoberrevolution auseinandergesetzt habe, seien jedoch auch die Gründe dafür gewesen, weswegen Liebknecht und Luxemburg Gegenwind in der Weimarer Republik bekommen hätten - gerade von der Kommunistischen Partei Deutschlands, die sie beide mitbegründet hatten.

Mehr Offenheit in den Köpfen

Im Hinblick auf die weitere und heutige Bedeutung sagt Gysi: "Ich finde, die Linken müssen lernen, auch bekannte und vielleicht auch herausragende konservative Persönlichkeiten zu ehren. Und die Konservativen müssen endlich lernen, auch solche Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu ehren. In Frankreich wäre das unkompliziert - aber in Deutschland: Oh je."

Weiter wünscht sich Gysi eine ähnliche Offenheit in den Köpfen der Bevölkerung, wie es in Frankreich der Fall sei:

"Wissen sie, was die Franzosen im Kopf fertig kriegen? Die lieben Napoleon und Jeanne d'Arc. Man kann sich ja kaum zwei Leute vorstellen, die sich mehr voneinander unterscheiden. Wie kriegen die das hin - und warum kriegen wir das nicht hin?"

Konsequent gegen Populisten

Den heutigen Populisten hätten sich Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sehr entschieden entgegen gestellt, so Gysi:

"Sie wären nie bereit gewesen, den Rechtsextremen entgegenzukommen, sondern sie hätten immer gesagt, wir müssen die Leute vom Gegenteil überzeugen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk