
Die zweite Staffel
Am 14. August 2026 ist es so weit: mit 55 neuen Folgen geht “1001 Nacht” da weiter, wo die Erzählung aufgehört hat.
„Habt ihr jemals von etwas Spannenderem als diesem Fall gehört?“ – fragte der Kaiser von China in der 66. Nacht und meinte die Geschichte seines Freunds, dem buckligen Diener. Der ist tot, erstickt an einer Fischgräte. Doch seine Geschichte ist noch längst nicht zu Ende!
Hier setzt die zweite Staffel an. Aberwitzig setzen sich die Erzählungen beim Kaiser von China über viele Nächte fort. Dann erzählt Schahrasad von Dschullanar aus dem Meer, die ein Jahr lang schmerzerfüllt schweigt, weil sie fern ihrer Heimat lebt. Schließlich bekommen Löwe, Esel, Kamel und Pferd eine Stimme und berichten von ihrer Flucht vor den heimtückischen Menschen.
Und Schahrasad fragt: Was ist Glück?

"1001 Nacht" eröffnet einen riesigen Erzählkosmos mit selbstbewussten Frauen, fiesen Dämonen, exzessiven Partys, reisenden Händlern, Familienintrigen und Mordkomplotten.
Die ältesten erhaltenen arabischen Fragmente stammen aus dem 9. Jahrhundert, es gibt noch frühere indische und persische Elemente. Die Verfasser sind anonym. So muss niemand mit seinem oder ihrem Namen für die teils gewalttätigen und freizügigen Inhalte geradestehen. Für die Aufnahme in die Sammlung gab es nur ein Kriterium: Spannung!
Schahrasad als Erfinderin des Cliffhangers
Schahrasad erzählt um ihr Leben – und wir hören zu. Eine intelligente junge Frau tritt mit dem Versprechen an, Nacht für Nacht eine noch aufregendere Geschichte zu erzählen. So will sie ihr Leben retten, sowie das aller Frauen im „Inselreich von Indien und China“. Denn dort herrscht der grausame König Schahriyar und bringt jeden Morgen eine Frau um. Die mutige Schahrasad begibt sich freiwillig in seine Hände, um das Morden zu beenden. Und sie nimmt ihre Schwester Dinarasad mit.
Schahrasad erfindet die Prototypen des Cliffhangers, lange bevor es den Begriff überhaupt gibt. Storytelling aus dem 10. Jahrhundert trifft Hörbedürfnisse des 21. Jahrhunderts: „1001 Nacht“ ist gewissermaßen die Mutter aller Serien. Und vielleicht sogar aller Podcasts?
Schahrasad agiert wie ein richtig guter Host, der Folge für Folge in Bann zieht. Jeden Morgen unterbricht sie ihre Erzählung und verspricht eine noch spannendere Fortsetzung. Geschickt verwebt sie die Geschichten und hält ihr Publikum in Atem.
Das waren unsere Überlegungen, als wir im Sommer 2023 Claudia Ott in ihrer Übersetzerwerkstatt auf einem niedersächsischen Bauernhof besuchten, um uns mit ihr intensiv über das Werk auszutauschen. Die Arabistin und Musikerin arbeitet seit inzwischen fünfundzwanzig Jahren an einer fünfbändigen Neuübersetzung ins Deutsche, einer ganz eigenen, neuen Fassung von 1001 Nacht.
Unser Hörspiel-Podcast basiert auf diesen jüngsten Übersetzungen der ältesten arabischen Handschriften. Die meisten Geschichten sind dem Band “Tausendundeine Nacht – Wie alles begann” entnommen. In der zweiten Staffel kommt mit “Frau Pfau und die Ente” eine Tierfabel aus einer Handschrift hinzu, die vergessen in einer türkischen Bibliothek lag, bis Claudia Ott sie für einen neuen “1001 Nacht” Band ediert und übersetzt hat.
Viele Monate im Hörspielstudio
Für unseren Podcast haben wir die Vorstellung von Schahrasad als Host weitergedacht: die Erzählerin spricht die Zuhörenden direkt an, während der König Schahriyar und die Schwester Dinarasad in den Hintergrund treten. So rückt der Geschichtenkosmos ganz nah heran.

Die Auswahl der Geschichten hat für uns die Dichterin Safiye Can getroffen, anschließend hat die Hörspielregisseurin Judith Lorentz den Text für die Studioaufnahmen bearbeitet. Wochenlang kam die Schauspielerin Roxana Samadi als Schahrasad ins Hörspielstudio, um gemeinsam mit Judith Lorentz eine ganz eigene Erzählweise vor dem Mikrofon zu entwickeln: unmittelbar, lebendig, intim.
Alle Verse und Sprichwörter sind zweisprachig auf Deutsch und Arabisch (gesprochen von Susana AbdulMajid und begleitet von der Expertin Heba Tebakhi) inszeniert, das Original scheint immer wieder hindurch. Die Rahmengeschichte erzählt die Schauspielerin und Sängerin Jasmin Shakeri. Wir haben bewusst auf einen klassischen männlichen Erzähler verzichtet, um schon stimmlich eine neue Perspektive auf die gewalttätige Vorgeschichte zu ermöglichen.

Insgesamt ergeben alle Episoden beider Staffeln rund 14 Stunden Hörspiel. Die Komposition und Musik für „1001 Nacht“ stammt von Philipp Johann Thimm mit der Perkussionistin Roshanak Rafani an Daf, Tombak und Bendir; Nabil Arbaain an der Oud; weitere Sounds von Rosaceae.
Fragen an 1001 Nacht
Was bedeutet es, sich heutzutage mit „1001 Nacht“ zu beschäftigen? Wie spricht eine Jahrhunderte alte Geschichtensammlung zu uns Menschen im 21. Jahrhundert? Wir haben uns viele Fragen gestellt, im Universum von „1001 Nacht“ recherchiert und zu verschiedenen Themen ausführliche Gespräche geführt.
Populär war „1001 Nacht“ immer, es gehört zu einer Unterhaltungs- und Bildungsliteratur, die aufgeschrieben wurde, um vorgetragen zu werden, ein Text zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Über Zeiten und Regionen hinweg entwickelt, bewegen sich die Erzählungen mindestens seit über 300 Jahren – seit der ersten Übersetzung ins Französische - auch zwischen Europa und arabischer Welt.
Längst hat sich die Geschichtensammlung verselbstständigt. Einige Figuren und Motive werden immer wieder neu interpretiert und angeeignet. Die Zahl „1001“ ist zur Chiffre für eine große Menge geworden, „1001 Nacht“ selbst steht für alles Geheimnisvolle und Luxuriöse aus „dem Orient“, häufig stereotyp.
Die berühmteste Geschichtenerzählerin der Welt
Schahrasad – Scheherazade – Schehersad… die verschiedenen Schreibweisen im Deutschen spiegeln ein Stück Übersetzungsgeschichte wider. Je nachdem, ob der ursprünglich persische Name eher persisch oder arabisch interpretiert wird, und je nachdem, ob er in eine französische, englische oder deutsche Aussprache übertragen wird, ergeben sich unterschiedliche Schreibweisen. Gemeint ist jedoch stets die gleiche Heldin.
Mit seinem soziologischen Blick erläutert der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, dass Frauen in der muslimisch-arabischen Welt des 8. Jahrhunderts durchaus Zugang zu Bildung hatten, vor allem in der Weltstadt Bagdad. Insofern hat Schahrasad eine historische Basis. Die Figur ist glaubwürdig, und das musste sie auch sein, um überhaupt so populär werden zu können.
Auch der islamische Theologe Ali Ghandour weiß die Geschichten historisch einzuordnen und mit bestimmten theologischen Konzepten abzugleichen. Die Rolle des Schicksals etwa, oder die Freizügigkeit vieler Geschichten. Für ihn erzählt „1001 Nacht“ als Quelle auch von muslimischem Alltag, davon, wie Menschen ihren Glauben lebten.
Wenn auch einige Motive und Geschichten älter sind als der Islam, hat sich das Werk doch wesentlich in arabisch-muslimischen Reichen entwickelt. Das war für uns ein Beweggrund, die erste Staffel des Podcasts mit Beginn des Ramadan 2025 zu veröffentlichen.
Ich werde nicht eher gehen, als bis ich die Geschichte der anderen gehört habe.
So heißt es immer wieder in „1001 Nacht“. Laufend werden Figuren dazu aufgefordert, ihre Geschichte zu erzählen, manchmal unter Androhung einer Todesstrafe. Manchmal retten sie dadurch das Leben eines anderen, manchmal erzählen sie aus reiner Lust an bizarren, dramatischen, witzigen Geschichten. Das Werk ist ein starkes Plädoyer für aufregendes Erzählen - und für das Zuhören.

... und wir hören zu: im Podcast und im Radio
Staffel zwei: Vom 14.8.2026 bis 17.10.2026, Montag bis Samstag um 8 Uhr 50 in Studio 9 auf Deutschlandfunk Kultur.
Vom 14.8.2026 bis 18.9.2026 jeden Freitag neue Folgen im Podcast.
Vom 14.8.2026 bis 18.9.2026 jeden Freitag neue Folgen im Podcast.
Am 21. und 22. August 2026 erzählen wir im Deutschlandfunk zwei Nächte durch, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang! Alle Hörspielfolgen und viele Gesprächen drum herum. Von 20:05 Uhr bis 6:00 am nächsten Morgen, wenn gerade die Sonne aufgeht.
1001 Nacht - Live! Die Bühnenshow des Deutschlandfunk Podcasts
Premiere ist beim Düsseldorf Festival! am 27.9.2026 um 19:19 Uhr (Sonnenuntergang) im FFT Düsseldorf. Weitere Termine werden hier bekannt gegeben.
1001 Nacht
Nach der Neuübersetzung von Claudia Ott
Auswahl der Geschichten: Safiye Can
Hörspielbearbeitung und Storytelling: Judith Lorentz und Roxana Samadi
Mit Roxana Samadi, Susana AbdulMajid und Jasmin Shakeri
Besetzung: Kathi Bonjour
Regieassistenz: Vanessa Gräfingholt und Delia Lang
Expertin für Arabisch: Heba Tebakhi
Übersetzung und philologische Beratung: Claudia Ott
Copyright der Übersetzung: Verlag C. H. Beck
Nach der arabischen Edition von Muhsin Mahdi, sowie einer arabischen Handschrift der Raşit-Efendi-Bibliothek in Kayseri, Türkei
Redaktionelle Mitarbeit: Matthias Karow
Komposition und Musik: Philipp Johann Thimm
Weitere Musik: Roshanak Rafani an Daf, Tombak und Bendir, Nabil Arbaain an der Oud, und Rosaceae mit elektronischen Sounds
Ton: Andreas Stoffels und Susanne Beyer, sowie Alexander Brennecke, Frank Klein und Christoph Richter
Disposition: Dagmar Goyk
Regie: Judith Lorentz
Dramaturgie: Sabine Küchler und Julia Tieke
Deutschlandfunk 2025-2026
Auswahl der Geschichten: Safiye Can
Hörspielbearbeitung und Storytelling: Judith Lorentz und Roxana Samadi
Mit Roxana Samadi, Susana AbdulMajid und Jasmin Shakeri
Besetzung: Kathi Bonjour
Regieassistenz: Vanessa Gräfingholt und Delia Lang
Expertin für Arabisch: Heba Tebakhi
Übersetzung und philologische Beratung: Claudia Ott
Copyright der Übersetzung: Verlag C. H. Beck
Nach der arabischen Edition von Muhsin Mahdi, sowie einer arabischen Handschrift der Raşit-Efendi-Bibliothek in Kayseri, Türkei
Redaktionelle Mitarbeit: Matthias Karow
Komposition und Musik: Philipp Johann Thimm
Weitere Musik: Roshanak Rafani an Daf, Tombak und Bendir, Nabil Arbaain an der Oud, und Rosaceae mit elektronischen Sounds
Ton: Andreas Stoffels und Susanne Beyer, sowie Alexander Brennecke, Frank Klein und Christoph Richter
Disposition: Dagmar Goyk
Regie: Judith Lorentz
Dramaturgie: Sabine Küchler und Julia Tieke
Deutschlandfunk 2025-2026























