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13.2.1804 - Vor 200 Jahren

Richard Trevithick präsentiert die erste Lokomotive auf Schienen

<strong> Er war ein zutiefst praktisch veranlagter Mensch, der mit anderen großen Erfindern nicht nur das Schicksal teilte, seiner Zeit weit voraus zu sein. Jeder Sinn fürs Geschäftliche fehlte ihm. Zweieinhalb Jahre vor seinem Tod fuhr im September 1830 zwischen Liverpool und Manchester die erste reguläre Eisenbahn. Doch schon damals konnte - oder wollte - sich kaum noch jemand daran erinnern, welche Verdienste sich Richard Trevithick mit seiner ersten schienentauglichen Lokomotive um dieses Verkehrsmittel der Zukunft erworben hatte. </strong>

Von Irene Meichsner

2 Pfund Münze anlässlich des 200. Geburtstags der ersten Lokomotive auf Schienen von Richard Trevithick  (AP)
2 Pfund Münze anlässlich des 200. Geburtstags der ersten Lokomotive auf Schienen von Richard Trevithick (AP)

Im April 1771 in einem kleinen Dorf in Cornwall geboren, trat er mit 19 Jahren in die Fußstapfen seines Vaters: Er wurde Minen-Ingenieur. Wenig später baute er seine erste Hochdruck-Dampfmaschine - und bot damit keinem Geringeren Paroli als James Watt, dem berühmten Erfinder, der mit Dampfmaschinen ein Vermögen verdiente, sie allerdings nur mit einer Niedrigdruck-Technik betrieb. Watt und dessen Geschäftspartner hätten sogar, schrieb Trevithick später,

... alle Hebel in Bewegung gesetzt, um im Parlament ein Gesetz durchzubringen, das diese Hochdruck-Maschinen stoppen soll; sie sagen, dass sie lebensgefährlich sei.

Dampfkessel unter einen dermaßen hohen Druck zu setzen, war in der Tat gefährlich. Aber dafür waren solche Maschinen auch sehr viel leistungsfähiger. Schritt für Schritt pirschte sich Trevithik an seine schienentaugliche Dampflok heran. 1801 konnte man ihn schon in einem ersten Straßendampfwagen einen Hügel hinauf fahren sehen - es muss ein denkwürdiger Anblick gewesen sein. Ein langes Leben war diesem Gefährt allerdings nicht beschieden. Es ging in Flammen auf, während Trevithick mit seinen Kumpeln in einem Pub saß, um den Erfolg gebührend zu feiern.

"Puffing Devil" hieß sein nächstes, mit einem Hochdruck-Kessel ausgestattetes Dampffahrzeug, was auf deutsch so viel heißt wie: "Schnaufender Teufel".

Die Lokomotive machte einen Höllenlärm, Feuer und Rauch versetzten die Menschen in Angst und Schrecken. Viele dachten, die Welt würde untergehen.

So schilderte ein britischer Techniker später, was sein Sohn ihm über die Jungfernfahrt des "Puffing Devil" zu Weihnachten 1801 berichtet hatte. Zwei Jahre später ereignete sich eine schwere Kessel-Explosion, vier Männer starben. Dennoch schien der Erfolg nun zum Greifen nahe zu sein. Trevithick hatte einen Sponsor gefunden, der sogar eine Wette darauf einging, dass es möglich sein würde, eine Dampflokomotive mit ihren glatten Rädern auf ebenso glatten Schienen fahren zu lassen. Am 13. Februar 1804, heute vor 200 Jahren, war es so weit. Die "Penydarren"-Lokomotive zog fünf Waggons mit zehn Tonnen Eisenerz und rund 70 Grubenarbeitern mit bis zu sieben Stundenkilometern von den Eisenwerken im süd-walisischen Penydarren zu einem 14 Kilometer entfernten Kanal. Am 22. Februar schrieb Trevithick seinem Freund Davies Gilbert:

Gestern schafften wir die neun Meilen in vier Stunden und fünf Minuten. Wir mussten einige große Felsbrocken aus dem Weg räumen. Auf dem Rückweg brach einer der kleinen Bolzen, die die Achse am Dampfkessel befestigen, und alles Wasser floss aus dem Kessel.

Die Probleme, von denen sein Assistent Rees Jones später berichtete, waren noch gravierender:

Die Lokomotive funktionierte sehr gut. Aber sie war so schwer, dass Teile der Schiene zerbrachen. Bei der dritten Fahrt waren es so viele, dass die Maschine von Pferden zurück nach Penydarren gezogen werden musste. Danach wurde sie nie wieder als Lokomotive benutzt.

Trevithick musste es dabei bewenden lassen. Er schlug sich mit verschiedenen Aufträgen durch, reiste 1816 nach Peru, wo er es sogar zu einer eigenen Silbermine brachte. Doch dann geriet er in die Wirren des Krieges, musste vor den französischen Truppen fliehen, machte eine abenteuerliche Wanderung durch den Dschungel. Halbtot und ohne einen Penny in der Tasche traf er 1827 in Kolumbien ausgerechnet auf George Stephenson, den Begründer der britischen Eisenbahn, der ihm 50 Pfund für die Heimfahrt gab. Als Trevithick im April 1833 in Dartford starb, war er so bettelarm, dass er um Haaresbreite in einem Armengrab beigesetzt worden wäre, hätten Freunde nicht wenigstens ein bescheidenes Begräbnis organisiert. Kurz vor seinem Tod hatte Trevithick noch an Davies Gilbert geschrieben:

Man hat mich für verrückt erklärt, weil ich etwas versucht habe, was die Welt für unmöglich hielt. Mr. James Watt hat sogar gesagt, ich gehörte aufgehängt dafür, die Hochdruck-Dampfmaschine in Gebrauch genommen zu haben. Das also war der Dank, den mir die Öffentlichkeit entgegenbrachte. Doch mich befriedigt, was ich in meinem eigenen Herzen spüre: nämlich Stolz und eine stille Freude darüber, ein Instrument des Fortschritts gewesen zu sein, dem es vergönnt war, neue Prinzipien und Geräte zu entwickeln, die für meine Heimat von unschätzbarem Wert sein werden. So eingeengt meine finanziellen Verhältnisse jetzt auch sein mögen: Die große Ehre, ein nützliches Subjekt gewesen zu sein, wird man mir niemals nehmen können. Und das zählt für mich weitaus mehr als alle irdischen Reichtümer.

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