Japan
15 Jahre nach dem Super-GAU von Fukushima - Gedenken und neue Atomkraftwerke

Es war die größte nukleare Katastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986: Vor genau 15 Jahren führte ein Erdbeben mit Tsunami zum Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan. Dort gedachten die Menschen heute der Opfer. Ein Rückblick auf den 11. März 2011 und die Folgen der Nuklearkatastrophe.

    Luftaufnahme des Atomkraftwerks von Fukushima, in dem es 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami vor der japanischen Küste in drei Reaktoren zu einer Kernmschmelze kam.
    Im März 2011 kam es nach einem Erdbeben und einem Tsunami vor der japanischen Küste in drei Reaktoren des AKW Fukushima zu einer Kernschmelze. (IMAGO / Kyodo News)
    Mit Gebeten, Blumen und Kerzen ist in Japan der Tausenden Opfer des verheerenden Erdbebens und Tsunamis vor 15 Jahren gedacht worden. An vielen Orten des Landes versammelten sich heute früh Menschen zu Schweigeminuten.

    Wie kam es zum Atomunfall in Fukushima?

    Der Atomunfall hatte seinen Ursprung im schwersten je gemessenen Seebeben Japans: dem nach der Region benannten Tohoku-Beben. In seiner Folge bildete sich ein Tsunami mit mehreren 10 bis 15 Meter hohen Wellen, die die Schutzmauern des Kraftwerks überwanden und den Atommeiler fluteten. In drei der sechs Reaktorblöcke von Fukushima I kam es zu Kernschmelzen. Große Mengen radioaktiven Materials wurden freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel der Umgebung.

    Wie viele Opfer gibt es?

    Durch die Flutwelle starben an der Ostküste von Honshu offiziell 18.537 Menschen; mehr als 2.600 von ihnen wurden nie gefunden. Fast eine halbe Million Personen wurden in Notunterkünften untergebracht. 375.000 Gebäude wurden ganz oder zum Teil zerstört.
    Rund 170.000 Bewohner wurden in den folgenden Tagen nach dem Atomunfall aus den betroffenen Gebieten umquartiert. Untersuchungen zufolge kommt es unter den Umgesiedelten etwa fünfmal häufiger zu psychischen Störungen als im japanischen Landesdurchschnitt.
    Die Zahl der Toten im havarierten Kraftwerk sowie durch die Evakuierung oder ihre Folgen wird auf etwa 600 beziffert. Insgesamt wird langfristig mit bis zu 10.000 Toten durch die Atomkatastrophe und ihre Folgeerkrankungen gerechnet.

    Wie ging es nach der Katastrophe mit der japanischen Atompolitik weiter?

    In Japan hatte der Super-GAU zu einem Umschwung der öffentlichen Meinung bezüglich der Kernenergie geführt. Alle 54 Reaktoren im Land wurden zu Sicherheitsinspektionen abgeschaltet. 2012 beschloss die Regierung gar den schrittweisen Atomausstieg. Das wurde zwei Jahre später revidiert. Heute setzt Japan wieder auf eine Zukunft mit Atomenergie. Der Regierung geht es auch darum, das Land von teuren importierten fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen.
    Kürzlich durfte der Fukushima-Betreiber Tepco erstmals wieder einen Reaktor im weltweit größten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am Japan-Meer hochfahren. Damit sind jetzt 15 der noch 33 betriebsfähigen Reaktoren wieder am Netz.

    Wie sieht es am Unglücksort aus?

    Schätzungsweise befinden sich noch 880 Tonnen Brennstoffreste in den Reaktoren 1 bis 3, in denen es vor 15 Jahren zu Kernschmelzen gekommen war. Die vollständige Bergung des geschmolzenen Brennstoffs wurden von Anfang der 2030er Jahre auf 2037 oder später verschoben. Bisher wurden Proben aus dem Reaktorblock 2 geborgen, die weniger als ein Gramm wiegen. Die Folgekosten der Katastrophe werden auf mehrere hundert Milliarden Euro geschätzt.

    Welche politischen Auswirkungen hatte Fukushima auf Deutschland?

    Im Herbst 2010 hatte der Deutsche Bundestag die Laufzeitverlängerung für die damals 17 deutschen Kernkraftwerke beschlossen. Einen Tag nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 legte die damalige Bundeskanzlerin Merkel mit ihrer Koalition aus CDU und FDP eine atompolitische Kehrtwende hin und entschied sich für einen stufenweisen Atomausstieg bis 2022. Diesem Kabinettsbeschluss stimmten später auch der Bundestag sowie der Bundesrat zu. Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit verbundenen Sorge um eine stabile Energieversorgung wurden die Fristen für die letzten Kraftwerke leicht verlängert. Im April 2023 wurden die drei letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet.
    Diese Nachricht wurde am 11.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.