Vergewaltigungsprozess in Paris
18 Jahre Haft für umstrittenen Islamwissenschaftler Tariq Ramadan

Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan ist von einem Strafgericht in Paris wegen Vergewaltigung zu 18 Jahren Haft verurteilt worden.

    Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan
    Der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan (imago images / IP3press / Aurelien Morissard via www.imago-images.de)
    Das Gericht urteilte in Abwesenheit des angeklagten früheren Professors der britischen Eliteuniversität Oxford und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ramadan wurde der Vergewaltigung von drei Frauen zwischen 2009 und 2016 für schuldig befunden. Der 63-Jährige war deshalb zehn Monate in Untersuchungshaft. Er weist die Vorwürfe zurück. 
    In der Schweiz war Ramadan im August 2024 in einem anderen Fall wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt worden.

    Tariq Ramadan wirkte auch als Prediger für eine europäisch-muslimische Identität

    Der Wissenschaftler, der sich nach einer Justizauflage eigentlich im Großraum Paris aufhalten soll, war zum Prozessauftakt nicht vor Gericht erschienen. Er leide an Multipler Sklerose und sei in eine Klinik in Genf aufgenommen worden, erklärte sein Verteidiger unter Verweis auf ein Attest. Zwei vom Gericht bestellte medizinische Sachverständige bescheinigten später aber, dass er verhandlungsfähig und sein Gesundheitszustand stabil sei.
    Ramadan wirkte neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten auch als Prediger. Er tritt für eine europäisch-muslimische Identität ein. Allerdings ist er seit langem umstritten und wird ebenso als ein Vordenker des Islamismus kritisiert. Für besonderes Aufmerksamkeit hat auch immer gesorgt, dass Ramadan Enkel von Hassan al-Banna ist, einem Mitbegründer der islamistisch-fundamentalistischen Muslimbrüder.
    Diese Nachricht wurde am 26.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.