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StartseiteForschung aktuellWehe, wenn der Permafrost taut!07.12.2015

19 Millionen Quadratkilometer Wehe, wenn der Permafrost taut!

Serie: 2 Grad plus - das Klima vor Paris

Noch kann niemand genau sagen, wann und wie stark die Permafrostböden, die Kanada, große Teile Russlands, Skandinaviens und Alaska umfassen, tatsächlich auftauen. Und wie viel CO2 und Methan aus ihnen entweicht, wenn Bakterien ernsthaft damit beginnen, die Pflanzenreste zu zersetzen. Forscher sprechen von der großen Unbekannten im Klimasystem.

Von Volker Mrasek

(Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
(Deutschlandradio / Hans-J. Brehm)
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19 Millionen. In Quadratkilometern entspricht das einer Fläche, in der Deutschland locker 50mal Platz hätte,

"Das ist die Größe der Permafrost-Region im Norden. Baumfreie Tundra und borealer Nadelwald. Sie umfasst beinahe ganz Kanada, große Teile Russlands, Skandinaviens - und Alaska."

Potente Treibhausgase

Eine unwirtliche Gegend! Doch der US-Ökologe Ben Abbott wünscht sie sich auf keinen Fall wärmer. Denn dann könnten die Permafrostböden stärker auftauen - und jede Menge Kohlendioxid und Methan freisetzen. Beides potente Treibhausgase: Sie würden die globale Erwärmung zusätzlich befeuern:

"Die ganze Landschaft steckt voller organischem Kohlenstoff. Seit dem Ende der Eiszeit reichert er sich an in den abgestorbenen Pflanzen."

Nicht nur die Fläche ist unglaublich groß. Auch die im Boden eingelagerte Kohlenstoff-Menge.

"1.672 Gigatonnen."

Also knapp 1,7 Billionen Tonnen, so der französische Geowissenschaftler Hugues Lantuit vom Alfred-Wegener-Institut für Meeres und Polarforschung.

"Doppelt so viel Kohlenstoff wie in der Atmosphäre! Das ist eine Riesenzahl."

Eine große Gefahr

Noch kann niemand genau sagen, wann und wie stark die Permafrostböden tatsächlich auftauen. Und wie viel CO2 und Methan aus ihnen entweicht, wenn Bakterien ernsthaft damit beginnen, die Pflanzenreste zu zersetzen.

Ben Abbott spricht von der großen Unbekannten im Klimasystem. Ihm ist ziemlich unwohl bei der Sache:

"Die nördlichen Regionen erwärmen sich derzeit besonders stark - ungefähr doppelt so schnell wie die Erde im Durchschnitt. Hält dieser Trend an, könnten im Laufe des Jahrhunderts 60 bis 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus den Permafrostböden entweichen."

Das entspricht gut und gerne dem fünf- bis 15fachen Jahresausstoß aller Länder zusammen. Und macht die Tragweite des Problems deutlich:

"Bei den Klimaverhandlungen ist das bisher gar kein Thema. Wenn wir die Treibhausgas-Emissionen der Permafrostböden aber außer Acht lassen, kann es sehr schnell passieren, dass wir unsere Klimaziele verfehlen."

15-facher Jahresausstoß aller Länder zusammen

Wir könnten es allerdings noch hinkriegen, dass drei Viertel des Kohlenstoffs im Permafrost gebunkert bleiben, sagen die Forscher.

"Aber nur dann, wenn wir unsere Treibhausgas-Emissionen sehr zügig herunterfahren."

Abmoderation: 19 Millionen Quadratkilometer voller Kohlenstoff, die nur darauf warten, aus ihrem Eiskäfig befreit zu werden. Volker Mrasek war das mit Teil 11 unserer Serie "2º plus. Das Klima vor Paris".

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