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StartseiteCorsoMusikalisches Hackerlabor29.01.2019

20. CTM-FestivalMusikalisches Hackerlabor

Performer, Musiker, Soundbastler: Künstler aus verschiedenen Sparten kommen beim Hacklab des CTM-Festivals in Berlin zusammen. Fünf Tage arbeiten sie gemeinsam und produzieren ein musikalisches Gesamtkunstwerk, das am Wochenende im Hebbel am Ufer aufgeführt wird. Ein Klangexperiment mit Anspruch.

Von Oliver Kranz

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Der Berliner Soundkünstler und Musiker Boris Hegenbart improvisiert Klangskulpturen mit Mischpult und Computer. (picture alliance / dpa / Maximilian Schönherr)
Experimente mit Software und Mischpult - das gibt es beim "MusicMakers HackLab" (picture alliance / dpa / Maximilian Schönherr)
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Einen Augenblick lang wippen alle im Takt. Zu hören ist ein Vortrag der Programmiererin Olivia Jack, die die Funktionsweise der Software "Hydra" erklärt, die es ermöglicht, Videobilder aus verschiedenen Quellen übereinanderzulegen und sie nach bestimmten Regeln zu verfremden – ein ideales Tool für VJs:

"I work a lot in electronic music contexts. And I think of the visuals as a sort of visual music."

Für sie seien Bildprojektionen visuelle Musik, erklärt Olivia Jack, die oft mit Musikern aus der Elektroszene arbeitet. Das Video im Vortrag stammt von ihrem Auftritt mit der kolumbianischen Musikerin Alexandra Cárdenas. Tag eins des "MusicMakers HackLabs" gleicht einem Uniseminar. Es werden Vorträge gehalten und Fragen beantwortet. Nach Olivia Jack sprechen zwei Indonesier, die dafür bekannt sind, dass sie Musikinstrumente aus Elektroschrott bauen. Lintang Radittya hat sogar einen Synthesizer konstruiert. Neue Instrumente, sagt er, seien für viele Indonesier zu teuer. Peter Kirn, der das "MusicMakers Hacklab" leitet, findet den Do-it-yourself-Gedanken sehr interessant:

"Das Gemeinsame an den Vorträgen ist, dass sie Strategien vorstellen, wie man Ressourcen nutzen kann, die gerade da sind. In Indonesien werden Musikinstrumente aus Schrott zusammengebaut und das Programm 'Hydra' von Olivia Jack ist eine App, die zusammen mit dem Web-Browser funktioniert."

Künstler aus vielen Disziplinen

Spezialisten aus verschiedenen Wissensbereichen zusammenzubringen, ist eine Tradition des "MusicMakers Hacklabs". Zur diesjährigen Besetzung gehören Musiker und Sänger, aber auch Architekten, Programmierer und Modedesigner aus aller Welt. Sie haben fünf Tage Zeit, um Gruppen zu bilden, die im Rahmen des CTM-Festivals auftreten werden.

Peter Kirn: "Ich weiß, dass einige Teilnehmer selbstgebaute Instrumente mitgebracht haben. Ich selbst habe Prozessoren entwickelt, die meine Stimme verändern können, so dass sie wie ein Musikinstrument klingt. Wir spielen also mit den verschiedensten Geräuschen und Klängen."

Peter Kerns Musik wird am Donnerstag im Club Berghain zu hören sein, zusammen mit Stücken der Indonesier Andreas Siagian und Lintang Radittya, die ihre Do-it-yourself-Instrumente präsentieren wollen. Eine schräge Kombination – aber genau dafür ist das "MusicMakers Hacklab" bekannt. Das Wort "Labor" im Veranstaltungstitel weist auf den experimentellen Charakter hin, das Wort "hack" auf die spontane Herangehensweise.

Peter Kirn: "Das Wort 'hack' kommt vom deutschen Wort 'hacken'. Wenn man mit der Axt irgendwo hineinschlägt, ist das zwar nicht besonders präzise, aber es bringt ein schnelles Resultat. Und so arbeiten wir auch. Wir bringen unsere Ideen spontan auf die Bühne und entwickeln nicht erst ein ausgefeiltes theoretisches Konzept."

Gesamtkunstwerk mit Nachhaltigkeitsanspruch

Im vorigen Jahr brachte das "MusicMakers Hacklab" nach nur fünf Tagen eine sogenannte neurale Netzwerkoper heraus – mit Laptopmusik und einem selbstgebauten Xylophon, an das Lampen angeschlossen waren, die im Takt der Musik flackerten. Dazu wurde gesungen und getanzt. Ein echtes Gesamtkunstwerk. Auch das gehört zum Konzept des "MusicMakers Hacklabs": Es wird in Gruppen gearbeitet - nicht solo. Schließlich soll durch das Aufeinandertreffen verschiedener Handschriften, Genres und Stilrichtungen etwas Neues entstehen. In diesem Jahr geht es zudem um Nachhaltigkeit. Auch deshalb hat Peter Kirn die Do-it-yourself-Instrumentenbauer aus Indonesien eingeladen.

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